Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 31 (29.7.1932)
- Date
- 1932-07-29
- Page
- Seite 248 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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248 Das Jüdische Echo Nr. 31 drückten in einzelnen Läden Fensterscheiben ein. Jüdische Passanten, unter ihnen einige ältere Damen, wurden von den Demonstranten schwer bedroht. Den Kaufleuten und Angestellten, die die IMationalsozialisten vor den Folgen ihres Vorgehens warnten, erklärten diese, die Polizei habe jetzt nichts mehr zu sagen, nur mehr sie selbst, die Nationalsozialisten, hätten etwas zu sagen. Am nächsten Morgen erhielten sämtliche jüdischen Kaufleute von Sensburg anonyme Drohbriefe. Dank den behördlichen Maßnahmen ist Ruhe und Ordnung in Sensburg wieder vollkommen hergestellt. Überfall auf jüdischen Bürger in Waldenburg Berlin, 22. Juli. (JTA.) Aus Waldenburg in Schlesien wird gemeldet: Am Montag, dem 18. Juli, abends, wurde der jüdische Kaufmann Wollmann aus Breslau auf dem Wege zum Bahnhof von einer Horde Nationalsozialisten überfallen und so schwer am Kopfe verletzt, daß er besinnungslos in die Privatklinik des Dr. med. Bohm in Waldenburg eingeliefert werden mußte. Wollmann ist von den Nationalsozialisten mit den Worten: „Da kommt wieder so ein verfluchter Jude!“ angegriffen worden, ohne daß er das geringste getan hat, um seine Angreifer zu reizen. Mißhandlung jüdischer Passanten in Köln Köln, 24. Juli. (JTA.) Das „Kölner Jüdische Wochenblatt vom 23. Juli berichtet über einen /Überfall von Nationalsozialisten auf einen jungen jüdischen Mann, wobei die Zeitung ausdrücklich hervorhebt, daß dieser Fall blos einen besonders üblen Roheitsakt unter einer ganzen Anzahl Mißhandlungen jüdischer Passanten darstellte. Auf dem Rathenauplatz in Köln glaubten einige SA-Leute in einem jungen jüdischen Mann einen Kommunisten erkannt zu haben, der an einer Schlägerei der letzten Tage beteiligt war. In einer Wirtschaft an der Lindenstraße wurde der jüdische junge Mann entdeckt und sogleich stürzten sich 20 bis 30 SA-Leute auf ihn, mit vorgehaltenem Revolver wurde er davon abgehalten, das Überfallkommando zu alarmieren. Der junge Mann flüchtete durch eine Tür die Treppen des Hauses hinauf, wurde aber auf dem dritten Stockwerk eingeholt und unter furchtbaren Mißhandlungen und Schlägen die Treppen hinuntergeschleift. Die Nationalsozialisten schleppten den Schwerverwundeten auf das Rondell am Anfang der Roonstraße, wo sie ihn hilflos liegen ließen. Erst eine Polizeistreife konnte für ärztliche Hilfe sorgen. Der Zustand des Schwerverletzten ist besorgniserregend. Später haben die Täter zugegeben, an den Falschen geraten zu sein. Sühne für den Tod des jüdischen Händlers Hopp Berlin, 22. Juli. (JTA.) Das Schwurgericht in Schneidemühl verurteilte am 18. Juli den Händler Karl Schmidt aus Stegers, Kreis Schlochau, wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang zu drei Jahren Gefängnis. Der Angeklagte, der vor Gericht im braunen Hemd und hackenkreuzgeschmückt erschienen war, hat im Dezember vorigen Jahres, in Stegers den jüdischen Händler Hopp derart körperlich mißhandelt, daß er an den Folgen der Tat in Berlin verstarb. Der Angeklagte kümmerte sich als eifriger Nationalsozialist mehr um seine Partei als um seine eigenen Angelegenheiten. Sein Geschäft ging deshalb zurück, und sein jüdischer Konkurlent, dem von allen Seiten das beste Zeugnis ausgestellt wird, überflügelte ihn. Von da an verfolgte Schmidt den jüdischen Händler Hopp mit Denunziationen, üblen Nachreden und hämischen Bemerkungen. Als er ihn eines Tages auf der dunklen Dorfstraße allein traf, stellte er ihn heimtückisch unter vier Augen in einem Hausflur. Mit den Worten. „Habe ich dich, verfluchter Jude“, verhetzte er ihm einen Schlag, der Hopp bewußtlos niederstreckte. Der Staatsanwalt bezeichnete die Tat als ..undeutsch und ruchlos“. Das Gericht versagte Schmidt mildernde Umstände und kennzeichnete in der Urteilbegründung die Verwerflichkeit der Tat. Anmeldungen zur Jüdischen Weltkonferenz in Zürich Berlin, 21. Juli. (JTA.) Für die Jüdische Weltkonferenz, die am 14. August in Zürich beginnt, liegen, wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, bisher die folgenden Zusagen vor: Aus Amerika werden etwa 30 Delegierte erwartet, unter ihnen 8 als Vertreter der zionistischen Organisation, die übrigen als Vertreter des American Jewish Congress und der ihm angeschlossenen Organisation. Aus Polen kommen Vertreter der Gemeinden Warschau und Wilna. In Ost- und Westgalizien werden Konferenzen stattfinden, die von den Großgemeinden einberufen werden, um Delegierte zu bestimmen. Ferner sind aus Polen angemeldet Vertreter des Klubs der jüdischem Sejmdeputiertem, des jüdischen Nationalrats, der Verbände der Kaufleute, der Kleinhändler und der Handwerker. In Litauen und Lettland werden ebenfalls Landeskonferenzen die Wahl der Delegierten vornehmen. Aus Estland wird sich die autonome jüdische Kulturverwaltung an der W'eltkonferenz beteiligen. Aus Rumänien werden Vertreter der Jüdischen Partei der Landesteile an der Konferenz teilnehmen. Aus der Tschechoslowakei liegen Zusagen der Jüdischen Partei, sowie des Gemeindeverbandes der Slowakei, „Jeschurun“, vor. Aus Deutschland nehmen die Jüdische Volkspartei, der Reichsverband der ostjüdischen Organisationen, sowie einige andere Organisationen an der Konferenz teil. Holland wird durch den Verband „Israel“ vertreten sein. Aus England liegen Zusagen der Federation of Jewish relief Organisations, sowie der Großloge des U. O. B. B. vor. Aus Frankreich wird das Comite des Delegations juives durch eine größere Delegation vertreten sein, ferner entsenden Delegierte die Federation des Societe Juives de France, sowie Emigdirect. Österreich wird durch die Jüdische Volkspartei, sowie die Jüdische Völkerbundliga vertreten sein. Aus Finnland kommen Delegierte der Jüdischen Gemeinde Helsingfors. Palästina wird vertreten durch eine Delegation des Waad Leumi, sowie der palästinensischen Großloge Bnei Brith. Ferner werden Delegationen aus Jugoslavien, 0 CAFE KONDITOREI CITY DER VORNEHME AUFENTHALT IM STADTZENTRUM ■ WEINSTRASSE 4 TÄGL. GEÖFFNET VON 8 UHR VORM. BIS 1 UHR NACHTS