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Das jüdische Echo · 1932-07-29 · 31 (29.7.1932) · p. Seite 247

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
31 (29.7.1932)
Date
1932-07-29
Page
Seite 247 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 31 Das Jüdische Echo 247 obliegt diesmal dem A. C. eine schwere und verantwortungsvolle Aufgabe, den Hauptteil seiner Beratungen unserer Innenpolitik zu widmen. Seit dem letzten Kongreß „wuchert“ innerhalb unserer Organisation, wohl nicht zum Vorteile der Gesamtorganisation, die revisionistische Frage. Die Vorgänge auf dem letzten Kongreß selbst wiesen darauf hin, daß die Revisionisten statt „Revision” nur Destruktion' zu üben beabsichtigen. Der unglückselige Beschluß von Calais schuf geradezu unhaltbare Zustände. Die Exekutive hat es wohl vermieden, eigenmächtig aus diesem Beschluß organisatorische Konsequenzen zu ziehen. Nun hat das A. C. das letzte Wort. Es ist daher anzunehmen, daß es mit aller Entschiedenheit den Beschluß von Calais, der an und für sich ein miserables Zwitterding darstellt, als unzionistisch entschiedenst zurückweisen wird. Sogar innerhalb der revisionistischen Gruppe selbst werden Stimmen führender Männer laut, die sich gegen das „faule Kompromiß von Calais“ auflehnen. Das A. C. als oberste Instanz in kongreßlosen Jahren muß diesem jetzigen unmöglichen Zustande, wie er sich auf der Grundlage des Beschlusses von Calais herauskristallisiert hat, ein, wenn auch schmerzvolles Ende bereiten. Wird das A. C. im Bewußtsein seiner zionistischen Verantwortlichkeit den Beschluß von Calais als zionistisch unzulässig ablehnen, dann — wir sind hiervon felsenfest überzeugt — werden die wirklich zionistisch denkenden Elemente der Revisionistischen Partei den Weg zur zionistischen Organisation zurückfinden und der destruktiven unzionistischen Arbeit des radikalen Flügels der Revisionistischen Union, der nach einer endgültigen Trennung von der Zionistischen Weltorganisation und nach einem Bruch mit der Mandatarmacht strebt, für ewige Zeiten Valet sagen. In diesem Falle steht den organisationsfähigen Revisionisten auf Grund der Organisationsverfassung noch immer der Weg ihrer Anerkennung als Föderation frei. Der A.-C.-Mitglieder harren Tage mühe- und verantwortungsvoller Arbeit. Die zionistische Welt hegt die vollste Zuversicht, daß sie ihre Entscheidungen nur im Interesse der Organisation und Bewegung fassen werden. M. G. Sicherung der öffentlichen Ordnung und Freiheit der politischen Betätigung in Preußen Berlin, 24. Juli. (JTA.) Die „Jüdische Rundschau“ befaßt sich in ihrer letzten Nummer in einem „Tage der Entscheidung“ überschriebenen Leitartikel mit der Aktion der Reichsregierung gegen Preußen. Obwohl der Ausnahmezustand inzwischen wieder aufgehoben wurde, seien die interessanten Ausführungen der J. R. wiedergegeben. Diese erinnert in diesem Zusammenhang an die am 5. Juli von der JTA. veröffentlichte Erklärung, daß die neue Reichsregierung entschlossen sei, „im Sinne der vom Reichspräsidenten von Hindenburg ihr übertragenen Aufgabe die Verfassung strengstens zu handhaben und es nicht zuzulassen, daß die Gleichberechtigung des einen oder des anderen Teiles der Bürger angetastet und daß sonst von Staatswegen einer Klasse oder Religion mit Voreingenommenheit begegnet wird“. In dem Artikel wird u. a. ausgeführt: In seiner Rundfunkrede nach der Bestellung des Reichskommissars für Preußen und der Verhängung des Ausnahmezustandes über Berlin hat der Reichskanzler von Papen noch einmal feierlich die Absichten der Regierung dahin Umrissen, daß Ausschreitungen aller Art verhindert werden sollen, daß jedoch die Regierung die freie politische Betätigung nur so weit einschränken wolle, als es zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung unbedingt erforderlich ist, damit dem Volke die Austragung des Wahlkampfes ermöglicht werde. Es bleibt nun abzuwarten, was die neuen Herren in Preußen in den kommenden Tagen als „freie politische Betätigung“ ansehen und was sie als „Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ betrachten werden. Wir Juden sind auf die weitere Entwicklung nicht nur als Bürger dieses Landes, sondern auch als Juden sehr gespannt. Werden die Sicherheitsmaßnahmen der Regierung und ihr Recht, die freie Meinungsäußerung zu beschränken, sich auch auf die maßlose ungezügelte Hetze der Nationalsozialisten und anderer antisemitischer Parteien gegen die Juden beziehen? Werden Aufsätze, wie sie in den letzten Tagen in einer ganzen Reihe von nationalsozialistischen Zeitungen erschienen sind, als freie politische Betätigung oder aber als beschlagnahmereife Störungen der Ruhe und Sicherheit behandelt werden? ... Jeder Bürger empfindet den heißen Wunsch, daß es der Reichsregierunig gelingen möge, Beruhigung zu schaffen und einer Gesundung der Verhältnisse die Wege zu bahnen. Als Juden erwarten wir überdies, daß die Regierung zu ihren auf die Juden bezüglichen Erklärungen treu steht und ihnen gemäß handelt, trotzdem sie sonst weitgehend von den Nationalsozialisten beeinflußt wird. Es wäre für uns eine schwere Enttäuschung, wenn in dem allgemeinen Bestreben, für Ruhe und Sicherheit zu sorgen, die Reichsregierung übersehen würde, daß die jüdische Gemeinschaft mit Recht schwer beunruhigt ist. Aus der jüdischen Welt Antisemitische Ausschreitungen in Sensburg (Ostpreußen) Königsberg,24. Juli. (JTA.) Am 21. Juli kam es in der ostpreußischen Ortschaft Sensburg im Anschluß an eine Schlägerei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten zu schweren judenfeindlichen Ausschreitungen. Vor dem Gebäude des ehemaligen Kreishauses waren Nationalsozialisten und Kommunisten wegen der Rufe „Heil Hitler“ und „Rot Front“ in ein Handgemenge geraten, bei dem der kommunistische Arbeiter Hasenpusch den Nationalsozialisten Gralla durch einen Messerstich schwer verletzte. Hasenpusch flüchtete in den Laden des jüdischen Kaufmanns Leppkowitz und von dort durch den Hinterausgang in seine Wohnung, wo er verhaftet wurde. Obwohl die Verhaftung Hasenpuschs bekannt geworden war. zogen die Hitleristen, unter denen sich viele SA-Leute in Uniform befanden, gegen 2 Uhr vor das Haus Leppkowitz’ und drangen unter dem Rufe „Das jüdische Packzeug hat den Mörder begünstigt“ in den Laden ein, mißhandelten den christlichen Angestellten Ernst Dworrak und verletzten den Neffen des Geschäftsinhabers, Kurt Leppkowitz, erheblich am Hinterkopf. Als Täter wurde der frühere Ortsgruppenleiter der SA in Sensburg, Kirtn, sowie die SA-Leute Zimmermann und Heinrich ermittelt. Sodann zog die Menge vor die Läden der jüdischen Firmen Gustav Bülow Nachf., Pasch, Alexander, Klein, Moses, Abraham und Sondland, erzwangen deren Schließung und

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