Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 30 (22.7.1932)
- Date
- 1932-07-22
- Page
- Seite 241 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 30 Das Jüdische Echo 241 die auf einer Bayern-Fahrt nach Würzburg kamen, dort von 20 Angehörigen der Hitlerjugend bei der Besichtigung der Stadt auf der Straße überfallen und in roher Weise mißhandelt. Die Bluthetze Aus einer in Neustadt a. d. H. gehaltenen Rede des Pg. v. Jagow: „SA., SS., Parteigenossen, Volksgenossen, die noch nicht in unseren Reihen stehen! Es war das erstemal im Jahre 1927, daß in Gastetten von ruchloser Mörderhand ein junger Bauernsohn zusammengeschossen wurde.... Wir müssen unter allen Umständen mit dieser Mordpest aufräumen .... Wir stecken das Mordpack in die Ghettos und in die Gefängnisse und hängen es eines Tages an den Galgen, und auch jene, die hinter ihnen stehen. Aus dem Hause des Juden Levy wurde auch geschossen. Kameraden, wir wollen ihnen beweisen, daß unsere größte Stärke in der Disziplin liegt, aber wir wollen dem Juden sagen, und jedem einzelnen Juden sagen wir es persönlich: Der Jude allein ist schuld, daß unsere Parteigenossen hingemordet werden. Du bist schuld, daß unser Volk sich hinmordet, du Jude bist schuld, daß dieser Zwiespalt in unserem Volke ist, du Jude mußt es büßen.“ Hierzu wurde von den Herren des Central-Vereins mitgeteilt: Diese Mordaufforderungen entbehren jeglicher Unterlage. In Neustadt a. d. H. ist von keinem Juden geschossen worden, ist kein jüdischer Hausbesitzer Levy, ist überhaupt keine Gewalttat geschehen, sondern unter der glühenden Hitze ist ein körperlicher Zusammenbruch einiger SA.-Leute erfolgt. Fünf jüdische Medizinforscher in Wien zu Professoren ernannt Wien, 5. Juli. (JTA.) Im Rahmen des letzten Avancements wissenschaftlich verdienter Mediziner wurde auch fünf jüdische Medizinforscher zu außerordentlichen Professoren an der Universität Wien ernannt. Es sind der Kinderarzt Dr. Adolf Hecht, der Laryngologe Dr. Karl Kotier, der Magenspezialist Dr. Walter Zweig, der Internist Dr. Leo Pollak und der Diagnostiker Dr. Oskar Weltmann. Sommerfrischen-Pogrom bei Warschau Warschau, Juli. (JTA.) In der Warschau benachbarten großen Sommerfrische Otwock entstand eine ungeheure Panik unter den jüdischen Erholungsuchenden, als eine Bande Huligans unvermutet am Badestrand erschien und aus Revolvern Schüsse auf die Badenden abgab. Als die Badenden unbekleidet in den Ort flüchteten, um sich zu bergen, rannten die Huligans hinterher und gaben Schüsse auf die Flüchtenden ab, von denen mehrere verletzt wurden. Da Polizei nicht rechtzeitig erschien, konnten die Huligans unerkannt entkommen. Juden dürfen in Posen und Pomerellen keine Immobilien erwerben Warschau, 11. Juli. (JTA.) Auf Grund eines alten deutschen Gesetzes, wonach jedeTransaktion in Immobilien der Bestätigung durch die Behörde bedarf, werden Boden- und Häuserkäufe von Juden im ehemals deutschen, jetzt polnischen Gebiet Pomerellens durch die polnische Behörde regelmäßig nicht bestätigt. Die Warschauer nationaldemokratische Zeitung „Gazeta Warszawska“ zählt eine Reihe von Fällen aus Thorn, Gradniza und anderen Städten auf, in denen Gesuche von Juden, den Kauf von Häusern und Boden zu legalisieren, durch die Gerichte abschlägig beschiede*n wurden. Nationaldemokratische Studenten überfallen ein Sommerlager jüdischer Studenten Krakau, 17. Juli. (JTA.) Eine Gruppe nationaldemokratischer Studenten aus Posen überfiel das Sommerlager der jüdischen Hochschüler in Paranin in der Nähe des bekannten polnischen Karpathen-Kurortes Zakopane, demolierte einen Teil der Kolonie und mißhandelte die Insassen, von denen mehrere nicht unerhebliche Verletzungen davontrugen. Palästina- und Friedenskonferenz jüdischer Jugend Antwerpen, 11. Juli. (JTA.) Auf Initiative des interterritorialen Verbandes der jüdischen Jugend findet vom 3L Juli bis 4. August in Antwerpen eine dem Problem „Israel und der Weltfriede“ gewidmete Konferenz statt. Es werden folgende Themen behandelt werden: „Nationalismus und nationale Kultur“; „Krieg und Frieden“; „Organisation des inneren und des äußeren Friedens“; „Das Judentum und der Friede“. Jugendverbände Deutschlands, Frankreichs, Amerikas, Ägyptens, der Tschechoslowakei, Palästinas, Englands und Belgiens haben bereits ihre Teilnahme zugesagt, Persönlichkeiten wie Rabbiner Dr. Baeck, Berlin, Professor Martin Buber, Aime Palliere, Wladimir Jabotinsky, Jizchak Grünbaum, als Vertreter des Weltverbandes Makkabi, des Weltverbandes jüdischer Studenten und des Haschomer Hazair. Emek-Hospital geschlossen Jerusalem, 4. Juli. (JTA.) Nachdem alle Appelle an die Palästina-Regierung, dem in Not geratenen Zentralhospital im Emek Jezreel finanziell zu Hilfe zu kommen, resultatlos geblieben sind, mußte das Hospital wegen Mangels an Mitteln seine Tore schließen. Eine Baron Hirsch-Kolonie in Palästina Jerusalem, 4. Juli. (JTA.) Aus Anlaß des 100. Geburtstages des großen jüdischen Philanthropen Baron Maurice de Hirsch wird gegenwärtig in Palästina auf Keren Kajemeth-Boden eine Baron Hirsch-Kolonie errichtet. Jüdische Weltkonferenz findet in Zürich statt New York, 19. Juli. (JTA.) Die Leitung des American Jewish Congress hat beschlossen, die für den 14. August d. J. nach Genf einberufene jüdische Weltkonferenz in Zürich mit dem gleichen Datum stattfinden zu lassen. Für diese Verlegung war der Wunsch bestimmend, die Konferenz in einer Stadt abzuhalten, die eine größere jüdische Bevölkerung besitzt und in der schon öfters größere internationale jüdische Konferenzen stattgefunden haben. Wie die JTA. erfährt, hat bereits eine große Zahl führender jüdischer Organisationen und Gemeinden die Beteiligung an der Konferenz zugesagt. Man rechnet mit etwa 100 Delegierten. Die Delegation aus Amerika besteht aus 30 Mitgliedern. Personal» In der vergangenen Woche beging der Vorsitzende der Tagung des Verbandes Bayer. Israelitischer Gemeinden, Geheimrat Professor Dr. Hans Silberschmid, München, seinen 70. Geburtstag in größter Frische und in seltener Arbeitsfreudigkeit. Seine Verdienste um die Arbeit des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden sichern ihm Dank und Verehrung in allen Kreisen des bayerischen Judentums und erwecken den Wunsch, daß es ihm noch lange vergönnt sein