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Das jüdische Echo · 1932-07-22 · 30 (22.7.1932) · p. Seite 239

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
30 (22.7.1932)
Date
1932-07-22
Page
Seite 239 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 30 Das Jüdische Echo 239 warum ich dieses Werk mit so ununterbrochener Spannung vom Anfang bis zum Ende gelesen habe, so glaube ich sie darin gefunden zu haben, daß hier ein mit ebensoviel Geist wie Phantasie ausgestatteter Schriftsteller, der von der Größe und Schönheit unserer Idee erfüllt ist. das ausspricht, was Zionisten in ihren besten Stunden empfinden, und was — bewußt oder unbewußt — uns über alle Widerwärtigkeiten und Zeitströmungen; hinweghilft. Es ist keine richtige Biographie, nein, aber es geht vielfach über eine Biographie hinaus. In der Form einer Einleitung werden zwei Äußerungen von Albert Einstein und Thomas Mann über Herzl, Palästina und das neue Judentum wiedergegeben. Die Worte dieser beiden repräsentativen Geister unserer Zeit rufen mir unwillkürlich eine Stelle im ersten Band von Herzls Tagebücher ins Gedächtnis, aus den ersten Tagen, wo „die Quellen der Tiefe in ihm ausbrachen“. Vorausahnend schreibt er dort: „Nach diesen aufrichtigen Aufzeichnungen werden manche mich für größenwahnsiilnnig halten. Andere werden sagen oder glauben, daß ich für mich ein Geschäft oder Reklame machen will. Aber meine Pairs,- die Künstler und Philosophen werden verstehen, wie echt alles ist, und sie werden mich schützen.“ Auf zweihundertsiebenundsiebzig Druckseiten wird der wesentliche Inhalt von Herzls Tagebüchern und zionistischen Schriften (die: allein etwa zweieinhalb Tausend Druckseiten umfassen) wiedergegeben |und glossiert. Manches, was Georg zur Charakteristik Herzls, seiner Zeit und seiner Gegner sagt, ist von unnachahmlichem Reiz. Eine der packendsten Stellen ist die Gegenüberstellung: Herzl und Achad-Haam. Die Titelüberschriften, die die achtzehn Kapitel des Buches tragen, sind höchst originell. Einige davon seien hier wiedergegeben: Briefwechsel und Unterredung mit Baron Hirsch betitelt der Autor mit „David schreibt an Goliath“. Den treuen Mitarbeiter und Freund Herzls Rev. Hechler bezeichnet er mit „Der Sendbote der Könige“. Seinen ersten, etwas zweifeilhaften, diplomatischen Helfer Newlinski nennt er den „Geheimagenten des Zionismus“. Den El-Arischplan, den größten politischen Erfolg H'erzls, von dem er selbst sich am meisten versprach, betitelt Georg als „Luftschloß am Sinai“. Eine ungemein kluge und treffende Benutzung der hauptsächlichen Literatur über Zionismus und Judenfrage, die der Verfasser am Schlüsse anführt, verleiht dem Buch einen besonderen Wert, wie überhaupt seine Bedeutung — sogar als Quellenwerk — mir darin zu liegen scheint, daß es mit dem Tode Herzls nicht abbricht, sondern auf dem knappen Raum von zweiundvierzig Seiten zeigt, was aus Herzls Vermächtnis geworden! ist. Diese Übersicht von Wolffsohn bis Weizmann, ja bis in die allerjüngste Zeit, läßt die Gestalten und Begebenheiten in plastischer Form und lebendiger Frische an uns vorüberziehen. Nichts Geringeres sehen wir, wie Herzls Traum, wie die Utopie Altneuland sich zur Wirklichkeit erhebt. In Zeiten, wie wir sie jetzt durchleben, wo die Daseinsbedingungen unseres Volkes in der ganzen Welt ins Wanken geraten sind, wo die Hoffnung auf eine Besserung in naher Zukunft immer geringer wird, sucht man manchmal Trost und Stärkung in der Vergangenheit. Unser Lehrer und Meister Herzl, der uns, wie keiner vor ihm, die Ursachen unserer abnormalen Volksexistenz aufgezeigt hat, der durch eine einzigartige Leistung dazu beitrug, die Bedingungen dieses Daseins zu verbessern, er kann uns auch jetzt der wahre Tröster sein. Man kann sich nicht oft genug mit ihm beschäftigen. Manfred Georgs Buch bringt ums ihn wiederum einmal ganz nahe, das zeigen besonders die Schlußworte seines Werkes, die hier wiedergegeben seien: Denn Herzl, der größte und genialste Führer des jüdischen Volkes seit seiner Zerstreuung hat nicht für einen jüdischen Kleinstaat, sondern für einen jüdischen Menschenstaat gelebt und gefochten, für ein Ziel also, das wie alle großen Ziele nicht nur einem Volke, sondern letzten Endes allen Völkern nützen wird. Mit Herzl vollendet sich ein neuer Nationalismus in dieser Welt, der nichts mit Chauvinismus, Krieg und völkischen Werturteilen zu tun hatte, sondern der, der Zerstreuung des jüdischen Volkes als Schicksalepisode, nicht als Ziel begreifend, die Geschichte der Juden fortführt. Fortführt in neue Zeiten, neue Formen, neue Wirklichkeiten — getreu der jüdischen Aufgabe des jüdischem Volkes: erkennend sich der Erkenntnis darzubringen. Sinnbringer des Weltgeistes, Pionier der Idee zu sein. Adolf Pollak Lord Plumer gestorben Wie aus London gemeldet wird, ist dort am 16. Juli Feldmarschall Viscount Herbert Plumer gestorben. Plumer war der zweite High Commissioner Palästinas. Er stand von 1925 bis 1928 an der Spitze der Palästina-Regierung. (Plumer war der unmittelbare Nachfolger Sir Herbert Samuels, der 1920 bis 1925 Palästina verwaltete; nach Plumer kam Sir John Chancellor, 1928—1931, auf diesen foglte Sir Arthur Wauchope, der gegenwärtige High Commissionen) plumer ist einer der angesehensten Generäle der britischen Armee gewesen. Er hat auch schon am Sudan-Krieg 1884 und am Buren-Krieg teilgenommen, war während des Weltkrieges Armeekonn mandant und später Befehlshaber der britischen Rheinarmee, übernahm dann das Gouvernorat von Malta, von wc er 1925 nach Palästina entsandt wurde. Plumers Amtszeit in Palästina war eine Zeit der Ruhe und Sicherheit im Innern und an den Grenzen, trotzdem damals gerade in der unmittelbaren Nachbarschaft Palästinas, im Drusengebirge und in Syrien, ein Aufstand tobte. Seine Amtsführung stand vielfach unter militärischen Gesichtspunkten, und wenn auch die wichtigsten von ihm durchgeführten Maßnahmen, so die Auflösung der gemischten Gendarmerie und die Aufstellung des (judenreinen) transjordanischen Grenzkorps, von den Juden heftig kritisiert wurden, so schien doch in seiner Amtszeit jede Ruhestörung ausgeschlossen. Bekannt ist das charakteristische Gespräch geworden, das er einmal mit dem Präsidenten der Arabischen Exekutive, Muza Kazim Pascha, führte. Als dieser gewisse Forderungen stellte und sagte, im Falle der Nichtgewährung könne er keine Garantie für Ruhe und Sicherheit übernehmen, antwortete Lord Plumer: „Diese Garantie brauchen Sie nicht zu übernehmen, dazu bin ich da.“ Die jüdische Öffentlichkeit trat Plumer zunächst mit großer Zurückhaltung gegenüber, da es gefühlsmäßig eine schwere Enttäuschung bedeutete, daß nach Herbert Samuel ein Nichtjude zum High Commissioner ernannt wurde. Später aber gewann Plumer immer stärker die jüdischen Sympathien, insbesondere als er in der Zeit der schwersten jüdischen Arbeitslosigkeit, in den Jahren 1926/'27, sich mit Wärme für eine Erleichterung der Situation

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