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Das jüdische Echo · 1932-07-22 · 30 (22.7.1932) · p. Seite 238

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
30 (22.7.1932)
Date
1932-07-22
Page
Seite 238 (sequence 2)
Language
German
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238 Das Jüdische Echo Nr. 30 Grad, den sie erreicht hat, was heißt „Herausstellen“, und schließlich, vorausgesetzt, daß dies alles einwandfrei und in faßbarer Weise zu klären wäre (die preußische Regierung z. B. scheint uns im Fall Weiß der absolut richtigen Auffassung zu sein, daß sie sich selbst etwas vergeben würde, wenn sie Weiß infolge der scheußlichen antisemitischen Hetze fallen ließe), inwiefern ist es eine Stellungnahme f ü r die Juden, wenn man dafür eintritt, daß mißliebige Juden nicht herausgestellt werden sollen, also immerhin sich für eine von oben kommende Beschränkung der Juden bei der Ausübung der staatsbürgerlichen Rechte ausspricht? Heißt das nicht „Unterschiede in konfessioneller Hinsicht innerhalb des Staatsbürgerlichen“ machen? (Die„Frankfurter Zeitung“ kann sich, wie sie vei sichert, nicht vorstellen, daß eine solche Denkungsart noch einmal „offiziell“ werden könnte.) Bedeutet das nicht schon eine Gefährdung der rechtlichen Position der Juden im deutschen Rechtsstaat? Mit der Stellung dieser Fragen soll keineswegs — heute weniger denn je — gesagt sein, daß ihre Beantwortung etwa einfach wäre. Im Gegenteil. Sie wäre es nur, wenn man sich auf einen rein formalen Standpunkt stellen will (wozu übrigens die „Frankfurter Zeitung“ nach wie vor die größte Neigung hat, wie sich schon daraus ergibt, daß sie zwar unversehens und sicher gegen ihren eigenen Willen das Problem der Juden im deutschen Rechtsstaat aufwirft, nachher aber an allen wirklichen Schwierigkeiten vorbeigeht). Dann nämlich schiebt man das Problem auf die Ebene konfessioneller Unterschiede und damit hat man das Vorhandensein praktisch schon geleugnet. Es ist offensichtlich, daß das heute kaum mehr angängig ist. Leider ist es auch offensichtlich, daß die Berufung auf den gegenwärtigen Rechtsstaat, die gegenwärtige Verfassung nicht mehr verfängt und nicht mehr genügt. Denn insoweit die Verfassung eine gesellschaftliche ist und nach dem berühmten Lassalle’schen Wort Verfassungfragen Machtfragen sind, ist sie bereits geändert; soweit die geschriebene Verfassung in Betracht kommt, sollen gerade die Bestimmungen, auf die es ankomrnt, nach dem Willen der Judenfeinde geändert werden. Man kann mit der „Frankfurter Zeitung“ nur wünschen, daß die Nationalsozialisten nicht in die Lage versetzt werden, ihr „Programm“ gegen die Juden zur Ausführung bringen zu können. Zweifellos muß man es vom Standpunkt der deutschen Juden wünschen, ob man es vom Standpunkt der deutschen Juden wünschen muß, ist zwar uns nicht weniger zweifellos als der „Frankfurter Zeitung“, aber daß mindestens 30% des deutschen Volkes das Gegenteil herbeisehnen, darin liegt ja des Übels Kern. Und man muß leider fragen, ob die „Frankfurter Zeitung“ mehr Aussicht hat, mit ihren Belehrungen auf die Nationalsozialisten Eindruck zu machen, nachdem sie ihnen, wenn auch verklausuliert, zugegeben hat, daß besonders mißliebige Juden nicht herausgestellt werden sollen. Die Nationalsozialisten in diesem Punkte belehren zu wollen, ist von vornherein für die nächste Zeit aussichtsloses Bemühen. Mit ihnen gibt es keine Diskussion. Sie könnten in die Lage kommen, das von ihnen geplante Unrecht zu verwirklichen, aber Unrecht würde auch dann Unrecht bleiben. Uns bliebe dann einzig der Protest und der Appell an die gesittete Welt. Die Frage aber, die zu diskutieren lohnt, ist vielmehr die; was geschieht, wenn die Wahlen keine klare Entscheidung bringen, wenn die heute gegebenen Rechtsgrundlagen nicht geändert werden, dafür aber auch die heüte fäst unerträglich gewordene Spannung bleibt und sich im Judenpunkte vielleicht noch verschärft? Für diese Situation ist vermutlich auch das Rezept der „Frankfurter Zeitung“ bemessen. Wie immer man es dreht, zwar ist es ein Ratschlag an die Regierung, aber doch verlangt es einen Verzicht auch von uns Juden. Mit Unrecht sicherlich, aber vielleicht mit guten Gründen; denn wir sind die Schwächeren und es ist für den Schwächeren immer Gebot der Klugheit, bestehende Spannungen nicht noch zu verschärfen, wo es vermieden werden kann. Daß die „Frankfurter Zeitung“ einen derartigen Ratschlag gibt, mag gut gemeint sein und es mag beweisen, daß sie klug ist: als ein Eintreten für die staatsbürgerlichen Rechte der Juden, als ein Eintreten für ihre Stellung im deutschen Rechtsstaat hätte sie ihn wirklich nicht ausdeuten dürfen. So grotesk das auch ist, daß man im Namen der jüdischen Gleichberechtigung ihre Außerkraftsetzung verlangt, so sicher ist, daß gerade dies heute die Haltung aller derjenigen ist, die überhaupt noch für die Juden eintreten. Da man in Deutschland auch namens der Demokratie für deren Außerkraftsetzung eingetreten ist, kann diese Haltung nicht einmal überraschen. Ob es für uns Juden klug wäre, den Wink mit dem Zaunpfahl zu begreifen, könnte man freilich erst dann überlegen, wenn es eine geschlossene jüdische Gemeinschaft gäbe, die auf jeden einzelnen, der ihr angehört, einen starken Einfluß auszuüben imstande wäre und die dann vom einzelnen Verzichte für die Gemeinschaft verlangen könnte. Eine solch starke jüdische Gemeinschaft gibt es nicht. Vorläufig muß es daher jedem Juden überlassen bleiben, seinem eigenen. Verantwortungsgefühl entsprechend zu handeln und die Sache der Gemeinschaft ist es, für die Rechte der einzelnen selbst dann einzutreten, wenn er durch ihre Ausübung Spannungen vermehrt, die wir alle auf ein erträgliches Maß zurückgeführt sehen möchten. I.E. Zum Todestage Theodor Herzls am 20. Tammus In memoriam Theodor Herzl Was in uns lag, hast Du zur Tat befreit, Und hast uns liebend so zum Sein erweckt: Du warst zum ganzen Werk bereit, Des Traumes Wirklichkeit hast Du entdeckt. — Fritz Rosenthal. Eine neue Herzl-Biographie Theodor Herzl, sein Leben und Vermächtnis von Manfred Georg. (Ralph A. Höger-Verlag, Berlin, Wien Leipzig.) Der Schriftsteller und Zionist Manfred Georg hat die zionistische Literatur um ein Buch bereichert, das Freunde und Gegner des Zionismus in hohem Grade fesseln wird. Zunächst eine Feststellung: est ist nicht d i e Herzl-Biographie, die wir seit Jahren erwarten. Trotz, des vorhandenen, reichen Quellenmaterials, hat sich offenbar bis heute der richtige Herzl- Biograph noch nicht gefunden. Für gutinformierte Zionisten und vor allem für jenen kleinen Kreis Überlebender aus der heroischem Herzl-Epocbe enthält Manfred Georgs neues Buch kaum neue oder unbekannte Tatsachen. Und doch stehe ich nicht an, zu erklären, daß das, was Georg hier über Herzl sagt, zu dem Schönsten und Besten gehört, was bisher über den Schöpfer des politischen Zionismus geschrieben wurde. Wenn ich mir kritisch darüber Rechenschaft zu geben suche,

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