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Das jüdische Echo · 1932-07-15 · 29 (15.7.1932) · p. Seite 233

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
29 (15.7.1932)
Date
1932-07-15
Page
Seite 233 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 29 Das Jüdische Echo 23^ der Universität, daß an dem Studentengefallenen- DenkmaJ im Hinterhof der Universität von den Kränzen, die anläßlich der Langemarck-Feier vor einigen Tagen niedergelegt worden waren, Schleifen abgeschnitten waren, und zwar die schwarzweiß-roten und die Hakenkreuz-Schleifen, während Kränze mit schwarz-rot-goldenen und weißen Schleifen unversehrt geblieben waren. Die Nationalsozialisten nahmen das sofort zum Anlaß, um das gesamte Universitätsgebiet zu terrorisieren. Sie stellten vor das Denkmal eine uniformierte Wache und machten dann auf jüdisch aussehende Studierende und Studenten, die das Abzeichen irgendeinere republikanischen oder anderen Linksorganisation trugen, systematisch Jagd. Jüdische und republikanische Studenten wurden blutig geschlagen und von den Nationalsozialisten durch den Misthaufen, der in einer an die Universität grenzenden Straße zusammengekehrt war, geschleift. Die Linksstudenten sind ahnungslos in diesen erneuten Terror hineingeraten und konnten, da sie sich nur einzeln in den Hörsälen oder in den Gängen befanden, an Abwehr überhaupt nicht denken. Hilfe von außen wurde nicht hereingelassen, da die Pedelle sofort die Tore schlossen. Es erregte den Unwillen der republikanischen Studenten, daß die Tore von den Pedellen jedesmal dann geöffnet wurden, wenn die Nationalsozialisten einen Linksstudenten hinausschleiften, um ihn durch den Misthaufen zu ziehen, andere Studenten aber auch bei diesem Öffnen nicht hineingelassen wurden. Die übliche Polizeistreife. die sich in der Nähe der Universität aufhält, fand ebenfalls keinen Zutritt. Erst als eine verstärkte Streife energisch verlangte, vor die Universität geführt zu werden, öffneten die Pedelle die Tore. Dann kam ein Überfallkommando, das die Ruhe aber nur dort tierstellen konnte, wo die Polizei sich gerade aufhielt, während in ihrem Rücken auf die einzelnen jüdischen und Linksstudenten weiter eingeschlagen wurde. Der Rektor erklärte einer Abordnung des Deutschen Studentenverbandes, daß er an das Entfernen der Schleifen durch Linksstudenten nicht glaube. Für so dumm halte er keine Studentenorganisation. Der Deutsche Studentenverband nimmt an, daß es sich um eine bewußte Provokation von rechts handelt. Die Nationalsozialisten erklärten, daß mit diesem Vorfall der Burgfriede für sie endgültig erledigt sei. Der Deutsche Studentenverband nimmt deshalb an, daß die augenblickliche Schließung der Universität wahrscheinlich bis zu Ende des Semesters andauern wird, da für den Rektor keine Möglichkeit besteht, Ruhe und Sicherheit zu gewährleisten. Bis zur Mittagstunde zählte man 15 Verletzte. 125. Friedhofsschändung in Deutschland B e r 1 i n, 7. Juli. (JTA.) Auf dem jüdischen Friedhof in Butzweiler bei Trier wurden 15 Grabdenkmäler umgeworfen. In Chemnitz haben bisher nicht ermittelte Täter in der Synagoge Feldstraße sämtliche 24 Scheiben in der Straßenfront zertrümmert. In Dortmund drangen bewaffnete Nationalsozialisten in das Grundstück der Synagoge und schossen auf den Wächter und einen hinzugekommenen Polizeibeamten, ohne jemanden zu verletzen. Ein dabei verhafteter Nationalsozialist, der mitgeschossen hat, wurde als früherer Fremdenlegionär festgestellt. Die antijüdischen Beschlüsse im Preußenlandtag Die antisemitischen Entschließungen des Preußischen Landtages vom 24. Juni haben, wie wir bereits mitgeteilt haben, in der gesamten Welt Aufsehen erregt und zu Protesten Anlaß gegeben. Die Frage, wie für diese Anträge eine Mehrheit zustande kommen konnte und wie Kommunisten und Sozialdemokraten sich bei der Abstimmung verhalten haben, bildet den Gegenstand von Erklärungen und Feststellungen. Wie haben die Kommunisten gestimmt? Der Streit, wie die Kommunisten, in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni im Preußischen Landtag bei Verabschiedung des nationalsozialistischen Antrages, die Ostjuden zu enteignen, gestimmt haben, will noch immer kein Ende nehmen. Wir haben unserer Meinung bereits dahin Ausdruck gegeben, daß die Vorgänge bei der Abstimmung wegen der Übermüdung aller Abgeordneten und des Landtagsbüros trotz der Angaben des amtlichen Protokolls nicht feststehen und auch nicht genau festgestellt werden können. Es wäre abwegig anzunehmen, daß Sozialdemokraten und Kommunisten entgegen ihrer programmatischen Einstellung mit vollem Bewußtsein einem antisemitischen Antrag zugestimmt haben können. Es scheint jedoch, daß die kommunistische Fraktion aus propagandistischen Gründen, um nicht hinter dem Radikalismus der Nationalsozialisten zurückzustehen, für das Gesamtgesetz gestimmt haben, nachdem der kommunistische Abänderungsvorschlag abgelehnt worden war. In dieser Haltung dokumentierte sich eine von den Juden längst bei vielen Angelegenheiten gemachte Erfahrung: daß man bei Wahrnehmung irgendwelcher allgemeiner parteipolitischer Interessen das jüdische Moment, welches hierbei mitspielt, einfach übersieht. Interessant ist, daß die kommunistische Fraktion des Preußischen Landtages und die kommunistische Presse in Angelegenheit dieser Abstimmung in ihren Angaben miteinander nicht konform gehen. Während kommunistische Landtagsabgeordnete den Sachverhalt so darstellen, wie er sich tatsächlich abgespielt hat, versuchen kommunistische Organe, wie der „Berliner Morgen“ und die „Rote Fahne“, in Abrede zu stellen, daß die Annahme der Enteignungsentschließung nur mit Hilfe der Kommunisten möglich gewesen ist. Es wäre viel klüger, wenn die kommunistischen Zeitungen in diesem Falle der Wahrheit die, Ehre geben würden. Nicht nur klüger, sondern auch würdiger. In Warschau fand, von der polnisch-demokratischen Gruppe einberufen, eine Protestversammlung gegen die Judenhetze in Deutschland und in anderen Ländern sowie gegen die Ostjuden- Entschließung im Preußischen Landtag statt. An der Versammlung beteiligten sich Vertreter des Ministerpräsidiums, des Außenministeriums und Innenministeriums, Professoren der Warschauer Universität und viele polnische und jüdische Politiker. Am Schluß wurde eine Resolution gegen den antisemitischen Terror angenommen. Nahum Sokolow beim Außenminister Cunliffe- Lister L o n d o n , 8. Juli. (JTA.) Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency Nahum Sokolow wurde am 7. Juli nachmittags vom britischen Minister des Auswärtigen, Sir Philip Cunliffe-Lister, zu einer längeren Unterredung empfangen. Sokolow legte im Verlauf der Unterredung dar, welche Erwartungen die amerikanische und die kanadische Judenheit, mit denen Sokolow während seiner letzten Amerika-Tour lange Zeit in Berührung war, in bezug auf Großbritannien als Mandatarmacht Palästinas hegen. Er setzte dem

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