Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 27 (1.7.1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 216 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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216 Das Jüdische Echo Nr. 27 Das Gut Neuendorf liegt in landschaftlich besonders schöner Lage, die Arbeitsmöglichkeiten sind vielseitig und umfangreich, Unterbringungsmöglichkeiten sind angemessen und ausreichend gesichert, die Werkstätten, Tischlerei, Schlosserei, Schuhmacherei, Stellmacherei) ohne größeren Kostenaufwand auszubauen und zu erweitern. Die Leitung liegt in besonders qualifizierten Händen; sozialpädagogisch und auch sonst vorgeschulte Kräfte werden dem Betrieb eine gute pädagogische und soziale Atmosphäre sichern. Als Rechtsträger hat die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge den Verein „Jüdische Arbeitshilfe e. V.“ ins Leben gerufen, dessen Geschäftsstelle sich in Berlin-Charlottenburg, Kantstraße 158, befindet, wohin auch alle Gesuche um Aufnahme zu richten sind. Der Reichsverband kommt Vollkommene Verständigung in Baden-Baden erzielt K a r 1 s r u h e (Baden), 27. Juni. (JTA.) Von der Reichsarbeitsgemeinschaft der Landesverbände jüdischer Gemeinden in Deutschland wird der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt: Der Oberrat der Israeliten Badens, Vertreter des Preußischen Landesverbandes und der süddeutschen Gemeinden haben sich am Sonntag, dem 26. Juni, in Baden-Baden zu einer eingehenden Aussprache über, die Bildung der Reichsorganisation der deutschen Juden zusammengefunden. Das Ergebnis ihrer Beratungen berechtigt zu der Annahme, daß auf der gewonnenen Grundlage eine vollkommene Verständigung erzielt wird. Dieses Ergebnis soll nunmehr den einzelnen Verbänden zur Stellungnahme zugeleitet werden. Die Schweiz verbietet das Hakenkreuz Zürich, 17. Juni. (JTA.) Die schweizerische Bundesregierung hat eine Verordnung erlassen, die das Tragen von Braunhemden und von Emblemen der Nationalsozialistischen Partei verbietet. Zwei deutsche Nationalsozialisten, W. Mörstadt und W. Schulz, wurden wegen unerlaubter Umtriebe ausgewiesen, eine Reihe weiterer deutscher Staatsangehöriger wurde unter Androhung der Ausweisung verwarnt. Ein Jude Dekan der medizinischen Fakultät Wien, 26. Juni. (JTA.) Der in der medizinischen Welt berühmte Pharmakologe Professor Dr. Ernst Pick, ein naher Verwandter des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alois Pick, wurde zum Dekan der Medizinischen Fakultät der Wiener Universität für das kommende Studienjahr gewählt. An der Medizinischen Fakultät demonstrierten gestern einige Studentengruppen gegen den Prüfungskalender. Infolge der Wahl eines Juden zum Dekan der Fakultät arteten diese rein studentischen Differenzen zu antisemitischen Kundgebungen aus. Mehrere jüdische und einige sozialistische Studenten wurden blutig geschlagen. Man rechnet mit einer neuen Serie antisemitischer Krawalle im Zusammenhang mit der Wahl Prof. Picks zum Dekan. 30 ausländische jüdische Familien aus Luxemburg ausgewiesen Luxemburg, 21. Juni. (JTA.) Dr. Max Rosenfeld, Präsident der Zionistischen Organisation in Luxemburg, teilt der Jüdischen Telegraphen-Agentur mit, daß die aus Paris stammende Meldung, wonach einigen hundert ausländischen jüdischen Familien in Luxemburg die Verlängerung der Aufenthaltsdauer verweigert wurde, übertrieben war; Jus jetzt wurden nur die Bewerbungen von 30 Familien ausländischer Juden, von denen 19' aus Polen stammen, um die Erlaubnis zu weiterem Aufenthalt in Luxemburg endgültig abschlägig besehieden, so daß diese Familien Luxemburg verlassen müssen. Dr. Salomon Mintz gestorben Warschau, 21. Juni. (JTA.) In Warschau verstarb im Alter von 70 Jahren der bekannte zionistische Pionier und einer der Begründer der Chowewe Zion-Bewegung Dr. Salomon Mintz. Seine Freunde beschlossen, zu seinem Andenken ein Mintz-Slipendium an der hebräischen Universität zu stiften. Überfälle auf jüdische Bürger Warschau, 22. Juni. (JTA.) Das „Jiddische Togblatt“ meldet aus Thorn (Pomereilen): Seit mehr als einer Woche lebt die jüdische Bevölkerung in Thorn unter einem fürchterlichen Pogromterror. Trupps nationaldemokralischer „Ritter vom grünen Bande“ (Organisation zur Durchführung des Boykotts gegen die Juden in Polen) blockieren jüdische Geschäftslokale und lassen keinen christlichen Käufer hinein. Wo sich ein jüdischer Händler aus Kongreßpolen zeigt, wird er blutig geschlagen und seiner Ware beraubt. Nunmehr gehen die Huligans dazu über, die jüdische Bevölkerung auch in den Straßen anzugreifen. Es herrscht Pogrompanik. Warschau, 26. Juni. (JTA.) Obwohl nach der Intervention jüdischer Persönlichkeiten im polnischen Innenministerium gegen den antisemitischen Terror in Thorn (Pomereilenj die Polizei von Thorn verstärkt worden ist, dauert der antisemitische Terror ungesehwächl fort. Es ist schon die zweite Woche her, seitdem sämtliche jüdischen Geschäfte von antisemitischen Agitatoren unter der Leitung eines gewissen Tempski blockiert werden, so daß kein christlicher Käufer sie betreten kann. Hand in Hand damit gehen Überfalle auf jüdische Passanten. Das Geschäftsleben stockt völlig. Herbert Bentwich gestorben Jerusalem, 26. Juni. (JTA.) Der hervorragende englische Jurist und Führer der englischen Zionisten in der Zeit Theodor Herzls, Herbert Benlwich, ist am 25. Juni in Jerusalem im Alter von 76 Jahren verstorben. Herbert Bentwich entstammt einer jüdischen Familie in Westdeutschland und wurde im Jahre 1856 in London geboren. Auf dem Gebiete des literarischen Urheberechtes und auf anderen Gebieten des englischen Rechtslebens war er führend. Er verfaßte eine Anzahl grundlegender juristischer Werke. Im jüdischen Leben Englands nahm er einen hervorragenden Platz ein. Er war lange Zeit Führer der englischen Chibbalh Zion- Bewegung, schloß sich, als Herzl den politischen Zionismus begründete, diesem an, kehrte aber nach einiger Zeit wieder zur alten Chibbalh Zion-Bewegung zurück. 1900 war er Vorsitzender der englischen Zionistischen Föderation. 1897 organisierte er die Wallfahrt der „Macc.abeans“ (Order of Ancient Maccabeans) nach Palästina. Als Präsident dieses der Zionistischen Organisation angehören Ordens nahm er an mehreren zionistischen Kongressen teil. 1922 begründete er die jüdisch-englische Siedlung in dem Gebiet des durch Macalisters Ausgrabungen berühmt gewordenen Geser. Seine letzten Jahre verbrachte er in Erez Israel.