Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 26 (24.1.1932)
- Date
- 1932-01-24
- Page
- Seite 208 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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2^8 Das Jüdische Echo Nr. 26 Parlaments wurde heute ein abermaliger nationalsozialistischer Antrag auf Erlaß eines Schächtverbots für die Schlachtungen im Städtischen Schlachtviehhof abgelehnt. Nationalsozialisten pöbeln einen jüdischen Leichenzug an Breslau, 19. Juni. (JTA.) Am Freitagvormittag wurde in der Schweidnitzer Straße gerade unmittelbar neben dem Polizeipräsidium ein jüdischer Leichenzug von Nationalsozialisten angepöbelt. Die Hakenkreuzler riefen: „Da haut schon einer ab nach Palästina, die anderen kommen bald nach.“ Der Nazi-Terror in Wien Wien, 18. Juni. (JTA.) Die immer mehr verarmende Hauptstadt Österreichs muß jetzt fast täglich umfangreiche nationalsozialistische Kundgebungen mit antisemitischen Losungen über sich ergehen lassen. Die „politischen Spaziergänge“ der Nazis sind zu einem System geworden. Am 16. Juni wurde gegen die „Ravag“ (österreichischer Rundfunk) demonstriert, weil sie die Übertragung der Rede Gregor Strassers aus dem Deutschland-Rundfunk abgelehnt hatte. Dabei wurden jüdische Passanten beschimpft und belästigt, jüdische Geschäftsleute bedroht, die Straßen widerhallten von dem Ruf „Juda verrecke!“ Die Polizei mußte mehrmals einschreiten. Das offizielle Organ der östereichischen Nationalsozialisten „Kampfruf“ veröffentlicht heute eine scharfe Drohung an die Adresse des Wiener Polizeipräsidiums, dem es Übergriffe gegen die Nazi- Demonstranten vorwirft. Das Batt schreibt: „Wir konnten schon seit langem beobachten, daß man am Schottenring (Sitz der Polizeidirektion) ungemein nervös wird und die Sicherheitswache besonders gegen unsere Parteigenossen hetzt, wenn es sich um Demonstrationen in der Nähe des Judenviertels handelt. Judenkaffeehäuser, das Ghetto in der inneren Stadt, und insbesondere in der Leopoldstadt, scheinen unter besonderem Schutz der Wiener Polizeidirektion zu stehen. Wenn sich dieses Verhältnis nicht bald ändert, wenn die derzeitigen verantwortlichen Leiter der Wiener Polizei nicht bald zu der Erkenntnis kommen, daß sie nicht für die Juden, sondern für die deutschen Wiener da sind, dann wird es vielleicht das nationalsozialistische Wien mit einem „Spaziergang“ am Schottenring“ versuchen müssen.“ Wie das christlich-soziale Regierungsblatt „Reichspost“ erfährt, wird die Polizeidirektion gegen das Nazi-Organ wegen Bedrohung von Behörden Strafantrag bei Gericht stellen. In der Bundesratssitzung des Parlaments haben die Nazi-Bundesräte wiederum eine Reihe antisemitischer Anträge eingebracht. Insbesondere fordern sie die baldigste parlamentarische Verabschiedung des Studentenrechtes und die Annullierung aller seit 1914 an Juden erteilten Gewerbeberechtigungen und Konzessionen. Nahum Sokolow beim französischen Präsidenten Paris, 19. Juni. (JTA.) Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, Nahum Sokolow, wurde vom französischen Präsidenten, Herrn Lebrun, in einer Audienz empfangen. Hernach erstattete Nahum Sokolow dem Minister für Volksgesundheit Justin Godart, Präsi- . denten des Comite France-Palestine, sowie dem Führer der französischen Sozialisten Leon Blum Besuche ab. Der für Sokolow geplant gewesene Empfang in Paris blieb aus technischen Gründen aus, Sitzung des Zionistischen Aktions-Committees am 25. Juli in London London, 20. Juni. (JTA.) Die Sitzung des Aktions-Kommittees der Zionistischen Weltorganisation beginnt am 25. Juli in London. Der A.C.-Sitzung wird eine Tagung des Administrative-Committee der Jewish Agency folgen. Neun weitere jüdische Kolonien mit 1000 Familien werden in Palästina errichtet Jerusalem, 15. Juni. (JTA.) Der Jüdische Nationalfonds hat 18 850 Dunam seines Wadi Havarith-Bodens zur Errichtung von neun jüdischen Kolonien zur Verfügung gestellt. Auf diesem Boden werden tausend jüdische Familien landwirtschaftlich angesiedelt werden; 425 dieser Familien werden sogenannte Mittelstands-Siedler sein. Buchbesprechung Al-Harizi als Übersetzer der Makamen Al-Hariris Seit einiger Zeit liegt eine in München entstandene wissenschaftliche Arbeit vor, die ein interessantes Thema aus der Geschichte der hebräischen Literatur behandelt. Bekannt ist, daß die hebräische Poesie in ihrem „goldenen Zeitalter“ viele bedeutsame Anregungen vom arabischen Schrifttum her empfangen hat. Wissenschaftliche Untersuchungen über diese Einflüsse und befriedigende Editionen der Werke damaliger Dichter aber stehen nur teilweise zur Verfügung. Da nun gerade in letzter Zeit die mittelalterliche hebräische Poesie die Forscher in erhöhtem Maße beschäftigt, sei hier ein größerer Kreis auf die Arbeit von A. Percikowitsch über „Al-Harizi als Übersetzer der Makameu Al-Hariris“ aufmerksam gemacht, wenn auch gerade ihr wissenschaftlicher Wert sich dem Urteil des Laien entziehen muß. Die Makame, eine wichtige Gattung der arabischen Poesie, ist in ihrem Gerippe eine epische Dichtungsform. Dieses Gerippe tritt aber in seiner Bedeutung weit zurück hinter die lyrischen, humoristischen und lehrhaften Gedichte, zu deren Einfügung und geistreicher Ausgestaltung die verschiedenen Abenteuer des Helden dem Dichter Gelegenheit geben. Die wertvollste und meistgeschätzte arabische Dichtung dieser Art, die Makamen Al-Hariris, hat im Anfang des 13. Jahrhunderts der jüdische Dichter Al-Harizi ins Hebräische übertragen und damit in die hebräische Poesie eine neue Form eingeführt, die er selbst später in seinem original hebräischen Werk, dem Tachkemoni, angewendet hat und in der das ganze Mittelalter hindurch noch viel gedichtet worden ist. Es wird demnach einleuchten, welchen Wert die Erkenntnis der Übersetzerpersönlichkeit Al-Harizis für die Erforschung der hebräischen Poesie und ihrer Quellen haben muß. Nach einer Einleitung über die Zeit und die Person Al-Harizis untersucht Percikowitsch im ersten Hauptteil seines Buches die Übersetzungstechnik des Dichters. Die Prinzipien, zu denen sich Al-Harizi selbst an verschiedenen Stellen seiner Werke bekennt, werden zusammengestellt und erforscht, inwieweit sie in Machberot It.iel (das ist der Titel der Übersetzung) tatsächlich Anwendung gefunden haben. Besonders wichtig ist der Abschnitt, in dem gezeigt wird, mit welcher Geschicklichkeit und Sprachgewandtheit der Dichter auch die spezifisch arabischen und mohammedanischen Elemente seiner Vorlage, wie Koranzitate, Sprichwörter usw., in die hebräische Nachdichtung eingeführt und dem jüdischen Kulturkreis angepaßt hat.