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Das jüdische Echo · 1932-01-24 · 26 (24.1.1932) · p. Seite 207

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
26 (24.1.1932)
Date
1932-01-24
Page
Seite 207 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 26 Das Jüdische Echo 207 Kapitel: Allgemeine Verwaltung bemerkte der Referent, daß die Ziffern nicht nur Verwaltungsausgaben, sondern auch den Zinsendienst enthalten. Die vorgenommene Reorganisation, die eine erhöhte Möglichkeit zur Kontrolle des Verwaltungsapparates gibt, läßt hoffen, daß man den Etat wird aufrecht erhalten können. Der Beamtenabbau kann als abgeschlossen gelten. Es folgte eine großangelegte Rede von Bruno Woyda. Im ersten Teil referierte Woyda als Vorsitzender der Etatkommission über die Arbeiten dieser Kommission während sieben anstrengenden Sitzungen. Der Redner unterstrich die Tatsache, daß die Großgemeinde Berlin ungeachtet ihrer eigenen schweren Finanzlage dennoch dem Preußischen Landesverband aus dem Jahresetat eine Summe von 400 000 RM. zahlt, die den um ihre Existenz ringenden Kleingemeinden zugute kommt. Im zweiten Teil seiner Rede nahm Woyda als Sprecher der liberalen Fraktion zu dem Etat und seinen Aufgaben grundsätzlich Stellung. Nach einer Darstellung der Grundsätze der liberalen Fraktion hinsichtlich der Gemeindeaufgaben schloß der Redner: Wir müssen Frieden halten, auch wenn wir weiter um unsere Ansichten ringen. Gemeinsame Arbeit ist unser Ziel. Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, Vorsitzender der Fraktion der Jüdischen Volkspartei, führte in einer großangelegten Rede ungefähr aus: Der Etat wird uns vorgelegt in einer Zeit, wie wir sie in der Berliner Gemeinde noch nicht erlebten. Es gehört eine gute Portion Idealismus dazu, zu glauben, daß sich die Gefahren nicht zu einer Katastrophe für das Judentum entwickeln. Wenn uns ein Gedanke heute noch aufrecht erhalten kann, so ist es der Gedanke an die Ewigkeit Israels, an Erez Israel. Der Redner nahm vom volksparteilichen Standpunkt Stellung zum Etat, dessen Grundsatz es sein muß: Kürzen, aber nicht abbauen. Auf die Gefahr hin, unpopulär zu sein, sagte Dr. Klee, muß ich sagen: Wenn andere Gemeinden, z. B. die Frankfurter und die Breslauer Gemeinde, sich entschlossen haben, von ihren Mitgliedern eine erhöhte Opferbereitschaft zu fordern und die Steuerquote erhöhten, dann könnte auch die Berliner Gemeinde es wagen, die Steuerquote um ein bis eineinhalb Prozent zu erhöhen. Das wäre keine Oberbelastung des Einzelnen, dagegen werde dadurch ermöglicht werden, vieles zu erfüllen, was heute in den Hintergrund gedrängt werden muß. Heute gilt es: Erhaltung der jüdischen Substanz; alles Jüdische sorgsam pflegen und zur Blüte bringen. Der Redner sprach von den Gefahren, die die jüdische Jugend heute nicht nur materiell, sondern auch geistig bedrohen, von der „roten Assimilation“, die die Jugend aus der jüdischen Welt herausführt, ja sie zu einer feindlichen Einstellung zum Judentum führt und meinte, Aufgabe der Gemeinde sei es, den jüdischen Geist der Jugend zu pflegen, damit in Verbindung, der Jugend eine Selbstverwaltung zu gewähren. Monatelang, führte Dr. Klee weiter aus, saßen wir in diesem Hause mit der traurigen Empfindung, daß alles, was wir wollen, an taube Ohren schlägt. So reifte in uns der schwerwiegende Entschluß, diesen Saal zu verlassen. Dank der Initiative des Vorsitzenden der Versammlung, Heinrich Stern, kamen wir doch noch an den gemeinsamen Tisch und zu gemeinsamer Arbeit. Die Hechaluz-Frage wurde gelöst, denjenigen jungen Menschen, die die jüdische Schule wollen, stehen die Türen zu dieser Schule offen. Der Abbau der Mittelschulen sollte durch eine Erhöhung der Zahl der Volkschulklassen kompensiert werden. Die 200 000 Berliner Juden, schloß Dr. Klee, sind ein Kraflreservoir, das für unsere staatsrechtliche Stellung und unseren wirtschaftlichen Existenzkampf eingesetzt werden muß. Auf den Preußischen Landesverband muß eingewirkt werden, daß er sich innerhalb des kommenden Reichsverbandes für Gleichberechtigung der aus dem Osten stammenden Juden einsetzt. Wir sagen den hessischen und sächsischen Juden, in deren Gemeinden den Ostjuden keine oder mindere Rechte eingeräumt sind: Die innere Gleichberechtigung ist Voraussetzung für unsere Forderung nach Gleichberechtigung im außerjüdischen Leben. Der Reichsverband soll die amtliche Stelle der deutschen Judenheit, der Wächter auf der Zinne sein. So werden wir die Bitterkeit, die uns die Zukunft bringen mag, überwinden in dem Bewußtsein: Wir alle sind Kinder derer, die am Sinai standen. Dr. Alfred Wiener gibt als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der religiösen Mittelpartei und der Oberpartei seiner tiefen Freude über die in der Gemeinde zustande gekommene Einigung und die im Geiste der Versöhnlichkeit gehaltenen Ausführungen von Woyda und Dr. Klee Ausdruck. Wilhelm Graetz (Vorstand) macht Ausführungen, um das Bild vom Etat zu ergänzen, und appelliert an die Repräsentantenversammlung, keine Ausgaben zu beschließen, für die keine Deckung vorhanden ist. Er kündigt an, daß er in einer der nächsten Repräsentantensitzungen Näheres über den Stand der Finanzen der Gemeinde sagen wird. Schulden, die nicht bezahlt sind, bilden stets eine Gefahr. Reserven haben wir nicht; auf der Einnahmeseite sind keine Lorbeeren mehr zu holen; die Erfahrung lehrt, daß Steuererhöhungen oft zu einem Rückgang der Steuereingänge führen. Wenn es — was wir nicht hoffen wollen — hart auf hart geht, so werde man auf manchen Einzelwunsch verzichten müssen, um das Ganze zu halten. Auf die ausgesprochenen Wünsche hinsichtlich der Ostjuden anspielend, sagte der Redner, es sei an der Zeit, daß die Bezeichnungen „Ostjude“ und „Westjude“ fallen und nur „Jude“ zurückbleibt. Die Gemeinde kennt keine Unterschiede in dieser Hinsicht. Aus der jüdischen Welt Weitere Synagogen- und Friedhofsschändungen Berlin, 16. Juni. (JTA.) Auf dem über 150 Jahre alten jüdischen Friedhof in Dreißigacker bei Meiningen wurden 13 Grabsteine umgeworfen. Auf dem jüdischen Friedhof in Osterberg (Schwaben) wurden 6 Grabsteine umgeworfen und 2 zerbrochen. „Vorwärts“ meldet, daß Nationalsozialisten die Fensterscheiben der Synagoge zu Breslau eingeworfen haben. „Welt am Abend“ teilt mit, daß Nazis in Chemnitz die Fensterscheiben eines jüdischen Bethauses durch Steinwürfe zertrümmerten. Nazi-Antrag auf Schächtverbot in Frankfurt a. M. abermals abgelehnt Frankfurt a. M„ 16. Juni. (JTA.) Im wirtschaftspolitischen Ausschuß des Frankfurter Stadt- CAFE KONDITOREI CITY DER VORNEHME AUFENTHALT IM STADTZENTRUM ■ WEINSTRASSE 4 TÄGL. GEÖFFNET VON 8 UHR VORM. BIS 1 UHR NACHTS

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