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Das jüdische Echo · 1932-01-24 · 26 (24.1.1932) · p. Seite 206

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
26 (24.1.1932)
Date
1932-01-24
Page
Seite 206 (sequence 2)
Language
German
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206 bas jüdische Echö Nr. 26 nämlich in den letzten Jahren gründlich gewandelt. Die eigentlichen Träger der Gemeindearbeil und auch diejenigen, welche die Hauptkosten der Gemeindeaufgaben tragen, sind heute ganz andere Personen als noch vor wenigen Jahren. Die Liberalen können sich nicht mehr darauf berufen, daß die Hauptsteuerträger einige wenige Persönlichkeiten ihrer Anschauung sind. Die Großzahler sind verschwunden. Die Berliner Jüdische Gemeinde wird in der Hauptsache von einem Kreis von Menschen getragen, die in ihrer Mehrheit keineswegs mit dem liberalen Scharfmacherkurse einverstanden sind. Dazu kam die allgemeine politische Entwicklung in Deutschland. Selbst dem verbohrtesten Gegner der volksparteilichen Ansichten ist allmählich die Erkenntnis aufgegangen, wie richtig die Prognosen dieser Richtung gewesen und wie logisch und begründet die Beurteilung der jüdischen Gegenwart gewesen sind. Unter dem doppelten Drucke der Außenwelt und der jüdischen Welt vollzog sich bei den Liberalen eine innere Wandlung. Dieselben Leute, die noch in den Monaten Februar, März und April 1931 nichts von einem Nachgeben gegenüber den volksparteilichen Forderungen und nichts von einer Einigung unter Anerkennung der Legitimität des nationaljüdischen Prinzips in den jüdischen Gemeinden wissen wollten, besannen sich unter der Wucht der Tatsachen eines Besseren. Es ist sicherlich so gewesen, daß im Kreise der Liberalen selbst sich die Stimmen gegen die unversöhnlichen Bekämpfe!’ der volksparteilichen Richtung gemehrt haben. Auf Grund einer liberalen Initiative traten Volksparteiler und Liberale zu Verhandlungen zusammen, die Wochen hindurch geführt wurden. Ohne daß man den Versuch gemacht hätte, irgendeine gemeinsam zu beschließende Deklaration zu verfassen, ging man in das Meritum der einzelnen Forderungen ein. Es ist festzustellen, daß die liberale Mehrheit bisher fast in allen Punkten, welche bis vor kurzer Zeit den Gegenstand1 erbittertster Streitigkeiten gebildet hatten, sich zum Nachgeben bereit fand. Die Subvention für den Heehaluz wurde bewilligt. Die Gegnerschaft gegen das jüdische Gemeindeschulwesen beträchtlich gemildert, der Personalabbau eingestellt, ein Übereinkommen geschlossen, daß in Zukunft in allen wesentlichen Fragen nicht die brutal eingesetzte Mehrheit, sondern ein Gentlemen’s Agreement zu entscheiden habe. Einzelne Verhandlungsgegenstände sind noch nicht bereinigt, wie die Frage einer Beteiligung am Palästinaaufbau und ähnliches. Doch hofft man, auch in dieser Hinsicht zu positiven Ergebnissen zu gelangen. Wenn man sich vor Augen hält, daß die Situation der Judenheit in der ganzen Welt und besonders in Deutschland sehr schwierig ist, wenn man ferner in Betracht zieht, daß kein Mensch vorauszusagen vermag, wozu dringend notwendig die Zusammenfassung und Einheitlichkeit aller deutschen Juden in den kommenden Monaten sein werden, dann soll man sich über die Wendung in dem innerjüdischen Streit in der Berliner Jüdischen Gemeinde freuen. Die Gegensätzlichkeit in der Auffassung der Judenprobleme bleibt nach wie vor bestehen, aber eines ist wohl allen Vertretern in der Berliner Jüdischen Gemeinde klar geworden: wie kaum zu einer anderen Zeit bildet die jüdische Gemeinschaft in Deutschland eine Schicksals- und Notgemeinschaft, und es wäre ein Verbrechen von jüdischer Seite, wenn man nicht in dieser Situation die innerjüdischen Streitigkeiten vergessen und' sich zur Wahrung der Rechte und zum Schutze der Gemeinschaft zusammenfinden würde. Etat der jüdischen Gemeinde Berlin 1932 Berlin, 17. Juni. (JTA.) Nachdem die Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde vor mehreren Wochen nach erbitterten Kämpfen zwischen Volkspartei und Liberalen in den Fragen der Heehaluzsubvention und des geplanten Abbaues des Schulwerks der Gemeinde im Zeichen des Sturms auseinanderging, so daß manche sogar eine Zerreißung der Einheit der Gemeinde befürchten zu müssen glaubten, trat die Repräsentantenversammlung am 16. Juni abends — nachdem inzwischen die Verhandlungen zwischen den Führern der beiden Fraktionen einen Ausgleich in den strittigen Fragen erbracht haben — zu einer Sitzung zusammen, die ganz im Zeichen des Friedens, der Versöhnlichkeit und des Willens zur Zusammenarbeit stand. Im Mittelpunkt der Tagesordnung stand die Beratung des Etats 1932'. Herr Dr. Walter Breslauer, der Verwaltungsdirektor der Gemeinde, gab einleitende Bemerkungen und Erläuterungen zum Etat. Der Referent gab eine kurze Führung durch den Etat und betonte dabei, daß man beim Abbau mancher Positionen in keiner Weise parteiisch vorgegangen sei. Die Gotteshäuser werden in vollem Umfange erhallen. In diesen Zeiten der Not sind die Gotteshäuser den Gemeindemitgliedern Bedürfnis und Trost; die Zahl der Besucher der Berliner Synagogen hat sich 1932 gegen 193b um 15—20 Prozent erhöht. Im großen ganzen zeige der Etat folgendes Bild: I. Kultuswesen: Ausgabe 1 645 291.40 RM., Einnahme 495 895.50 RM., Zuschuß 1 156 156.90 RM.; II. Friedhofsverwaltung: Ausgabe 1 154 986.10, Einnahme 1 151 892.—, Zuschuß 3 094.10; III. Schulverwaltung: Ausgabe 1 167 482.75, Einnahme 362 670.—, Zuschuß 804 842.751; IV.Wohlfahrtswesen: Ausgabe 1 542 284,96', Einnahme 713 587.65, Zuschuß 828 697.30; V. Anstalten: Ausgabe 2182 259.05, Einnahme 1 506'828.40, Zuschuß 676 430.65'; VI. Allgemeine Verwaltung: Ausgabe 507 981.15, Einnahme 19 900.—, Zuschuß 488 081.15; VII. Finanz- und Vermögensverwaltung: Ausgabe 2 081 026.70, Einnahme 1 139'738.—■, Zuschuß 941 288.701; Summe: Ausgabe 10 281 312.10', Einnahme 5 389 511.55', Zuschuß 4 898 561.55; Steuerbedarf 4 891 800.55. Bei der Erläuterung der einzelnen Positionen betonte der Referent, daß das Schulwesen der Gemeinde und der Religionsunterricht, ebenso die wissenschaftlichen Institutionen, Bibliotheken und Kunstsammlungen aufrechterhalten werden. Bei Erläuterung des Kapitels Wohlfahrtsetat, das 3,6 Millionen erfordert, appellierte der Referent an die Gemeindemitglieder, das Wohlfahrtswerk finanziell zu fördern; wer hierzu finanziell nicht in der Lage ist, möge seine Arbeitskraft der Gemeinde zur Verfügung stellen. Die Gemeinde hat hunderttausend Mahlzeiten verabfolgen lassen und im Winter 30 000 Zentner Kohle und 45 000 Brote bedürftigen Familien in die Wohnung geschickt. Wärmehallen und Kinderhorte wurden erhalten. Vor wenigen Tagen erst wurde das Abraham-Heim in Arendsee von der Gemeinde übernommen und mit 300 erholungsbedürftigen Kindern besetzt. In den nächsten Monaten wird ein neues Altersheim eröffnet, ferner ein kleineres Altersheim in der Münchenerstraße eingerichtet. Diejenigen, die in den Heimen nicht mehr Platz finden, werden mindestens in den Heimen verpflegt. Das Jugendpflege-Dezernat hat ein neues Heim in der Auguststraße eröffnet und wird noch in diesem Jahre ein Fürsorgeerziehungsheim errichten. Zum

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