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Das jüdische Echo · 1932-06-17 · 24/25 (17.6.1932) · p. Seite 198

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
24/25 (17.6.1932)
Date
1932-06-17
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
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198 Das Jüdische Echo Nr. 24/25 Geschäftsinhaber aber vereinigten sich zu einer Selbstwehr und trieben die nationalsozialistischen Banden auseinander, wobei ihnen jüdische Passanten geholfen haben. Die Polizei, die anfangs gegen die Demonstranten nur zögernd vorging, entschloß sich später zu einer energischeren Haltung und stellte nach kurzer Zeit die Ruhe wieder her. — Der neugewählte Wiener Gemeinderat, in dem zum erstenmal 15 Nationalsozialisten Sitze errungen haben, wählte mit einer Mehrheit von 65 sozialdemokratischen Stimmen den bisherigen sozialdemokratischen Bürgermeister Seitz wieder zum Bürgermeister. Wien, 30. Mai. (JTA.) Nach einer seil mehreren Tagen von der Wiener nationalsozialistischen Presse geführten antisemitischen Hetze kam es am 30. Mai an den Wiener Hochschulen, insbesondere an der Hauptuniversität und an der Hochschule für Welthandel zu Angriffen von Nationalsozialisten auf jüdische Studenten und Professoren. Es begann eine Treibjagd auf die jüdischen Studierenden, wobei mehrere jüdische Studenten schwer verprügelt und aus dem Universitätsgebäude hinausgeworfen wurden. Fünf jüdische Studenten wurden schwer blutend in die Polizeirettungsstation eingeliefert und dort verbunden. Auch in andere Rettungsstellen wurden verletzte jüdische Studierende gebracht. Die Anschlagekästen des jüdischen Hochschulausschusses in der Universitätsaula wurden zertrümmert. Jüdische Professoren wurden gezwungen, die Vorlesungen einzustellen. Sie konnten sich der ihnen angedrohten Mißhandlung nur durch Flucht entziehen. Ein Augenzeuge erzählte, er habe mit angesehen, wie ein jüdischer Student von Hakenkreuzlern in ein Klosett geschleppt und dort derart verprügelt wurde, daß er am Kopf und am Halse läutete. Auch an den übrigen Wiener Hochschulen erfolgten planmäßig vorbereitete antisemitische Ausschreitungen. Die Mitglieder des Präsidiums des jüdischen Hochschulausschusses erschienen beim Rektor der Universität, um gegen die Gewalttätigkeiten der Hakenkreuzler zu protestieren. Der Rektor erklärte, er bedauere die Vorfälle aufs tiefste. Im Verlauf des Nachmittages wurden die Hauptuniversität und die Hochschule für Welthandel geschlossen. Große Trupps nationalsozialistischer Studenten zogen nach 1 Uhr nachmittags in die innere Stadt. Ihr Ziel war die Judengasse, wo bekanntlich vor einigen Tagen dort eingedrungene natinonalsozialistische Studenten von den angegriffenen jüdischen Geschäftsleuten wieder hinausgetrieben wurden, wobei einige Nationalsozialisten Prügel erhielten. Für diese Prügel sollte nun Rache genommen werden. Es kam zu einem Sturm auf die jüdischen Kaufläden und zu Angriffen auf Läden in den benachbarten Straßen. Die Kaufleute, die sich einer starken Übermacht gegenüber sahen, schlossen rasch die Läden und ließen die Rolljalousien herunter. In einen Trödlerladen aber, der nicht schnelle genug geschlossen werden konnte, stürzte ein Horde von Hakenkreuzlern und richtete ein Zerstörungswerk an. Mehrere jüdische Kaufleute eilten ihrem schwer bedrängten Genossen zu Hilfe, es entwickelte sich ein Kampf, bei dem ein nationalsozialistischer Student, der mit einem Messer auf den jüdischen Trödler losgehen wollte, durch einen anderen jüdischen Geschäftsmann einen Schlag mit einer Stange auf den Kopf erhielt und erheblich verletzt wurde. Elf weitere Studenten wurden bei dem Handgemenge verletzt. Auf dem Franz-Josefs-Quai rief der nationalsozialistische Student Rudolf Schnaller dem vor seinem jüdischen Laden stehenden jüdischen Fleischhauergehilfen Jaques Klar antisemi Ische Schimpfworte zu. Als Klar sich dies verbat, stach Schnaller mit einem Messer auf ihn ein und verletzte ihn am Oberschenkel schwer. Schnaller erklärt, daß Klar ihn vorher angegriffen hätte. Die Polizei leitete gegen beide ein Verfahren ein. Klar liegt im Hospital schwer darnieder, während Schnaller nach kurzem Verhör freigelassen wurde. Die Stimmung in Wien ist eine sehr gespannte. Die Judenschaft ist erbittert über diese Überfälle auf jüdische Studenten, Arbeiter und Kaufleute in der Verbindung mit den Linzer und Innsbrucker Ereignissen, mit denen die Juden nicht das Geringste zu tun gehabt haben. Man erwartet ein Einschreiten der verantwortlichen jüdischen Stellen. Selbstverteidigung gegen den Nazi-Terror in Wien Wien, (?. Juni. (JTA.) In einer vom Zionistischen Landeskomitee einberufenen Massenversammlung zum Protest gegen den zunehmenden antisemitischen Terror der Nationalsozialisten in Wien sprachen Dr. Oskar Grünbaum, Präsident des zionistischen Landeskomitees, Dr. Desider Friedmann, Vorsitzender des Klubs zinonistischer Mandatare, und Dr. Josef Löwenherz, Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde, über den überhandnehmenden antisemitischen Terror auf den Straßen, an den Hochschulen und in der nationalsozialistischen Presse. Die Redner riefen die jüdische Bevölkerung zur Sammlung um die national jüdische Fahne und zur Selbstverteidigung auf. Die Wiener Israelitische Kultusgemeinde beschloß, bei allen zuständigen Stellen gegen das Überhandnehmen des Nazi-Terrors in Wien auf das energischste zu intervenieren. Nazis schlagen ein jüdisches Schulmädchen nieder Wien, 8. Juni. (JTA.) Der Terror der Hakenkreuzler in den Wiener Straßen dauert fort. Eine Gruppe Nationalsozialisten mißhandelte in einer Straße der Leopoldstadt ein zwölfjähriges jüdisches Mädchen, das sich auf dem Wege von der Schule nach dem Elternhaus befand, so heftig, daß es eine schwere Kopfwunde erhielt und längere Zeit das Bett hüten muß. „Hakoah“ behält den Platz in der ersten Sport-Klasse Wien, Ö. Juni. (JTA.) Der berühmte iiidisebe Sportklub „Hakoah“, der eine Zeitlang von der ersten in die zweite Sportklasse herabgeglitten war, dann sich wieder in die erste Sportklasse heraufgearbeitet hat, hat in den letzten Tagen unter der Fahne Blau-Weiß Sportsiege errungen, die seinen Verbleib in der ersten Klasse sichern. „Hakoah“ besiegte in den letzten Fußballkämnfen die ein hohes Ansehen in der Sportwelt genießende „Vienna“- Mannschaft. Nach Beendigung des Kampfes wurde die jüdische Mannschaft von den tausenden indischen Zuschauern begeistert begrüßt. Die blauweißen Sieger wurden auf den Schultern vom Sportplatz fortgetragen. Die Sportberichterstatter der Wiener Blätter sind einhellig in ihrem Urteil, daß „Hakoah“ wieder einen Kampfgeist gezeigt hat, der ein abermaliges Abgleiten für absehbare Zukunft nicht mehr befürchten läßt.

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