Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 22 (27.5.1932)
- Date
- 1932-05-27
- Page
- Seite 179 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 Das Jüdische Echo 179 eine große politische Rede, die in der Öffentlichkeit und in der Presse Südafrikas große Beachtung gefunden hat. Weizmann führte u. a. aus: Die Unruhen, die im Spätsommer 1929 in Palästina ausbrachen, und die eine Reihe Untersuchungskommissionen und Weißbücher zur Folge hatten, sind noch heute nicht gänzlich liquidiert. Seit der Veröffentlichung des Briefes des Premierministers Rarnsay MacDonald an mich, in welchem das vom früheren Kolonienminister Paßfield herausgegebene Weißbuch über Palästina in wesentlichen Punkten richtig gestellt wurde, ist bereits ein Jahr vergangen; dennoch fürchte ich, daß wenig Fortschritte nach der Richtung der Erfüllung der im MacDonald-Brief enthaltenen Versprechungen gemacht worden sind. Ja, es will scheinen, als ob wir in naher Zukunft neuen Schwierigkeiten werden begegnen müssen. Aber wir werden auch diese Belastung mit Tapferkeit und Würde zu tragen wissen, gestärkt durch die Erkenntnis, daß die wirtschaftliche Lage in Palästina und die moralisch-geistige Haltung des Jischuw gesund sind und standhalten werden. Unser Bau ist auf einer festen Grundlage errichtet, und es ist mein fester Glaube, daß ein gesunder und starker Jischuw der politischen Situation seinen Stempel aufprägen wird. Die Mitteilungen über die bevorstehende Veröffentlichung eines neuen Berichtes über Palästina, der schmerzlich an den Simpson-Bericht erinnern soll, fuhr Weizmann fort, erfüllen mich mit böser Ahnung. Wlir haben den Simpson-Bericht, der voller pseudo-wissenschaftlicher Behauptungen war. überwunden und hofften, daß das Kapitel solcher Berichte geschlossen sei. Es will aber scheinen, daß irgendeine Seite geradezu darauf erpicht ist, durch konstante Veröffentlichung solcher Berichte Palästina in einem Zustand der Gährung und der Unruhe zu halten. Gemeinsames Merkmal aller dieser Berichte ist die unaufhörliche Betonung einer Tatsache, die uns nur zu gut bekannt ist: Palästina ist ein kleines Land. Aber wir wollen doch nicht unsere Heimat auf dem Rücken anderer bauen. Die Araber haben es nicht nötig, gegen uns in Schutz genommen zu werden: sie haben ihre eigenen Nationalheime, die sich vom Euphrat bis zum Indischen Ozean erstrecken. Alles, was wir wollen und um was wir bitten, ist, daß auch uns gestattet werde, zu arbeiten und uns unsere eigene Heimstätte zu bauen. Ja, Palästina ist ein kleines Land, aber als die Politik des Jüdischen Nationalheims erdacht und angenommen wurde, stellten Palästina und Transjordanien eine untrennbare Einheit dar. Wären sie es auch heute noch, es gäbe hinsichtlich der Kleinheit des Landes keine Schwierigkeiten. Transjordanien ist beinahe unbewohnt, dennoch wird dieses natürliche Hinterland Palästinas dem Zugang der Juden durch künstliche Grenzen und Mittel versperrt. Transjordanien wurde von Palästina losgetrennt aus Gründen, die nichts mit der zionistischen Politik zu tun haben. Wir beanspruchen nach wie vor das Recht, nach Transjordanien zu gehen und das Land in Zusammenarbeit mit seiner Bevölkerung zu entwickeln. Wir haben, sagte Weizmann, in England viele Freunde, und das bestärkt uns in unserem Glauben, daß sich die Überzeugung von der Gerechtigkeit unserer Ansprüche schließlich durchsetzen wird. Der neue High Commissioner, General Sir Arthur Wauchope, ist ein Mann von Gerechtigkeitssinn, Fairnes und einfühlenden Verstänidnis; mit Glauben, Mut und Festigkeit auf Seiten der Juden werden wir es schon schaffen. Zum Schluß seiner Rede nahm Weizmann Abschied von der südafrikanischen Judenheit und gab seiner großen Bewunderung für ihre Opferbereitschaft und ihre Hingabe an die Sache Palästinas Ausdruck. Ich freue mich, sagte Weizmann, daß zwei der Führer der südafrikanischen Juden, Gitlin und Braudo, jetzt in Palästina sind und bald Gelegenheit haben werden, den südafrikanischen Juden aus erster Hand Bericht über die jüdischen Leistungen in Palästina zu geben. Dr. Weizmann sprach Worte warmer Anerkennung für Dr. Alexander Goldstein, der ihm bei der Werbearbeit in Südafrika zur Seite gestanden hat und der auch weiter in Südafrika verbleibt, um die Keren-Hajssod-Kampagne weiter zu führen. Aus der jüdischen Welt James Simon gestorben In der Frankfurter Zeitung schreibt Ernst Feder zum Tode James Simon: Wer James Simon an seinem 80. Geburtstag (am 17. September 1931) in voller Frische und Geisteskraft gesehen hat, der mochte nicht glauben, daß dieser seltene Mann so schnell weggenommen werden würde. Die ungewöhnlichen, nach Tausenden zählenden Ehrungen, die er aus diesem Anlaß empfing, haben ihn gewiß erfreut, mehr noch als die Glückwünsche der besten Namen aus Handel, Industrie, Kunst und Wissenschaft, der Beamten- Vertreter der Republik und des Kaiserreichs bis zu Wilhelm II., der dem ehemaligen Freunde sein Bild und interessante Äußerungen über die jüngsten vorderasiatischen Ausgrabungen sandte. Mehr noch haben ihn die Kundgebungen Unbekannter erfreut, die ihm schrieben, sie würden seinen Geburtstag dadurch feiern, daß sie sich in den Museen an den von ihm der Öffentlichkeit geschenkten Kunstschätzen erfreuten. Ihn pries — ein in Deutschland seltener Fall ■— die Öffentlichkeit ohne Unterschied der Parteirichtung, von der „Deutschen Zeitung“ bis zum „Vorwärts“ als den besten Typus des großen deutschen Kaufmanns und als den großartigsten Kunstmäzen, den das neuere Deutschland gesehen Hat. Lächelnd nahm er die Huldigungen entgegen, die dem „Vater der Königinnen Nophretete und Teje“ gewidmet wurden. Die eindrucksvollste Ehrung, die ihm zuteil wurde, war das Heft der preußischen Kunstsammlungen, in dem die Leiter der ägyptischen Abteilung und der vorderasiatischen Abteilung des Kaiser-Friedrich-Museums, der Sammlung für deutsche Volkskunde und des Münzkabinetts mit der Aufzählung eines Bruchteils der erlesenen Kunstwerke, die er den staatlichen Sammlungen geschenkt oder deren Erwerb er ihnen ermöglicht hat, Seiten um Seiten füllten. CAFE KONDITOREI DER VORNEHME AUFENTHALT IM STADTZENTRUM WEINSTRASSE 4 TÄGL. geöffnet VON 8 UHR VORM. BIS 1 UHR NACHTS