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Das jüdische Echo · 1932-05-20 · 21 (20.5.1932) · p. Seite 172

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
21 (20.5.1932)
Date
1932-05-20
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
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172 Das Jüdische Echo Nr. 21 enttäuscht worden. In einer vom Stadtrat heute herausgegebenen Mitteilung heißt es kurz: „Der Stadtrat stimmt einem Antrag der Fraktion der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei zu, wonach das betäubungslose Schächten im Gemeindeschlachthaus verboten werden soll.“ Nationalsozialistische Anwälte wollen die Wiener Anwaltskammer sprengen Weil der Jude Dr. Kantor zum Präsidenten gewählt wurde Wien, 11. Mai. (JTA.) Die Wiener Anwaltskammer hat mit etwa 1000 von ungefähr 1600 abgegebenen Stimmen den um die Anwaltschaft Wiens hochverdienten und über Österreich hinaus als Jurist einen großen Ruf genießenden Dr. Siegfried Kantor zu ihrem Präsidenten gewählt. Auf den Kandidaten der „arischen“ Anwaltschaft entfielen gegen 600 Stimmen. Die Wiener Nationalsozialisten haben nun eine scharfe Kampagne gegen die Leitung der Anwaltskammer eingeleitet, sie sprechen von der Verjudung des Anwaltstandes in Wien und erklären die Wahl Dr. Kantors als ein Symbol der „jüdischen Herrschaft“ in Österreich. Der nationalsozialistische Rechtsanwalt Dr. Walter Riehl versucht nun, die arisch gesinnten Anwälte zu organisieren und die Wiener Anwaltskammer dadurch zu sprengen, daß eine rein arische Anwaltskammer geschaffen wird. Es fanden bereits Versammlungen arischer Juristen statt, in denen sehr scharf gegen die jüdischen Rechtsanwälte gehetzt wurde. Dr. Siegfried Kantor betätigt sich aktiv in der zionistischen Bewegung. Die Massenwanderung zum Herzlgrab ruhig verlaufen Wien, 9. Mai. (JTA.) Der alljährlich am Geburtstag Theodor Herzls stattfindende Pilgerzug Wiener und auswärtiger Zionisten zum Herzlgrab auf dem Döblinger jüdischen Friedhof ging auch in diesem Jahre — ungeachtet der von verschiedenen Seiten geäußerten Warnungen und Besorgnisse im Hinblick auf das Erstarken des Nationalsozialismus und nationalsozialistischer Pogromdrohung — von statten. Die Polizei hat ihr Versprechen, den Pilgerzug gegen jede Belästigung von außen zu schützen, erfüllt. Ein außerordentliches Polizeiaufgebot sorgte für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung, während Tausende Zionisten, die zionistische Fahnen vorantragend, in geschlossenem Zuge zu dem Grabe des Führers pilgerten. An der Spitze des Zuges marschierte das zionistische Landeskomitee und die studentischen Korporationen, in der Mitte zionistische und zionistisch-sozialistische Jugend sowie radikale Zionisten. Den Abschluß bildeten die Revisionisten und der uniformierte Jugendbund „Trumpeldor“. In der Nähe des Döblinger Friedhofs hatten sich starke nationalsozialistische Sturmtrupps angesammelt, niemand aber wurde belästigt. Der Präsident der französischen Republik ein Freund des Palästinawerkes Paris, 13. Mai. (JTA.) Herr Albert Lebrun, der neugewählte Präsident der französischen Re- HahnsctoHtHirhA Delikatessen wIQUIiaU vl IC Weine Theatinerstr. 48 Tel. 24421 publik, hat in den letzten Jahren wiederholt seiner Sympathie für das Palästinawerk und den Gedanken des Jüdischen Nationalheims Ausdruck gegeben. Er ist tätiges Mitglied des Comite France- Palestine. Er präsidierte dem im vergangenen Jahre anläßlich der Schließung des Palästina- Pavillons auf der Internationalen Kolonial-Ausstellung veranstalteten Bankett. In der Ansprache, mit der er das Bankett einleitete, fand er Worte höchster Anerkennung für die jüdische Arbeit in Palästina. Die Ansprache mache damals auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Synagogenschändung in England Ein in England noch nie dagewesener Akt von Vandalismus London, 13. Mai. (JTA.) Über einen in England noch nicht dagewesene Akt von Vandalismus an einer Synagoge wird heute aus Leeds berichtet. Am 12. Mai nachmittags brachen bisher nicht ermittelte Täter in das Gebäude der Talmud Thora-Schule von Leeds, das der Synagoge angebaut ist, ein und richteten dort ungeheure Verheerungen an. Von der Schule kamen sie in den Betraum der Synagoge, brachen die Thoralade auf, warfen die Thorarollen auf den Boden und schlugen einen großen Teil der Einrichtung in Trümmer. Die Wände der Klassenräume in der Talmud Thora-Schule beschmierten sie mit obszönen Worten, sie zerrissen die Gebetbücher der Schulkinder, vernichteten die Unterrichtszwecken dienenden Wandbilder und streuten die Schulutensilien überall umher. Die Zerstörung wurde von jüdischen Schulkindern entdeckt, die abends zum Religionsunterricht in die Schule kamen. Die Polizei nahm sofort die Untersuchung auf. Sie sucht die Täter unter den christlichen Knaben der Nachbarschaft, die mit den jüdischen Kindern in ständiger Feindschaft leben. Der angerichtete Schaden ist, obwohl nichts gestohlen wurde, beträchtlich. In der jüdischen Gemeinde von Leeds herrscht ungeheure Entrüstung über den Vandalismus. Die lettländische Regierung entzieht der Jüdischen Landwirtschaftsschule die Subvention Die Schule wird aufgelöst Riga, 12. Mai. (JTA.) Die Neuorientierung der lettländischen Regierung gegenüber dem autonomen Schulwesen der Minderheiten, auch gegenüber dem jüdischen Schulwesen, äußert sich nun auch in der Entziehung der 10 000 Lat jährlich betragenden staatlichen Subvention für die einzige jüdische Landwirtschaftsschule des Landes. Die Budgetkommission beschloß gemäß dem Antrag der Regierung. Den jüdischen Deputierten gelang es schließlich, einen Beschluß herbeizuführen, wonach der Schule die Subvention bis zu Ende des Schuljahres bewilligt wird, wo dann die Schule in Liquidation zu treten habe. — Die Regierung strich aus dem Etat das Gehalt für den einzigen jüdischen Ratgeber beim Finanzministerium, den bekannten Volkswirtschaftler Dr. W. Siw, so daß dieser Posten als abgeschafft erscheint. Die lettländische Regierung verbietet die Konferenz lettländischer Juden Riga, 12. Mai. (JTA.) Der lettländische Innenminister Kaulin hat die von der Regierung am 7. April erlassene Verordnung über das Zusammelitreten der ersten Konferenz lettländischer Juden am 18. und 19. Oktober in Riga annulliert und die Konferenz verboten. Die Konferenz sollte das Ausdrucksorgan des lettländischen Judentums sein, dessen Gemeindeorganisation noch sehr we-

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