Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 21 (20.5.1932)
- Date
- 1932-05-20
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21 Das Jüdische Echo 171 Heute wird ein anderer Weg eingeschlagen. Statt gleich irgendwo mit dem Geld hineinzugehen, wird es erst einmal im Lande in Banken untergebracht. Hier liegt es und man kann in Ruhe untersuchen, was damit zu machen ist. Von Investitionen großen Stiles — vielleicht eine oder zwei ausgenommen — hört man bis jetzt überhaupt nichts. Und auch die kleineren und kleinen sind nicht zahlreich. Man verhandelt, sucht ein entsprechendes Objekt oder zumindest eine geeignete Bodenfläche zum Pflanzen — auch das ist nicht so ganz leicht zu finden — und wartet ab. Die Summe der im Lande bis heute importierten ■— nicht etwa investierten! — Gelder wird heute auf gegen eine halbe Million Pfund gschätzt. Wir geben diese Zahl mit Vorbehalt, aber sie scheint uns nach vorsichtiger Schätzung ziemlich richtig gesehen. Ein wirtschaftlicher Anstoß ist jedenfalls durch diese Saison gegeben und es wird sich im Laufe des nächsten Jahres zeigen, wie das palästinensische Wirtschaftsleben davon befruchtet wird. Jüdische Trauer um Älbert Thomas Paris, 9. Mai. (JTA.) Das plötzliche Ableben des Leiters des Internationalen Arbeitsamts beim Völkerbund und früheren französischen sozialistischen Ministers Albert Thomas hat auch in jüdischen Kreisen Trauer hervorgerufen. Albert Thomas hat, seit dem Tode Frithjoff Nansens, neben den Agenden des Arbeitsamtes auch die Interessen der Flüchtlinge, unter denen sich zahlreiche Juden befinden, wahrgeommen und die Kontrolle über die sogenannten Nansen-Pässe, die Auswanderungsangelegenheiten usw. innegehabt. Er bekundete wiederholt sein tiefes Interesse für die Lage und das Schicksal der in vielen Ländern verstreut lebenden jüdischen Flüchtlinge und stand in engem Kontakt mit den jüdischen Repräsentanten in den mit dem Völkerbund und insbesondere mit dem Internationalen Arbeitsamte zusammenarbeitenden Verbänden und Kommissionen. Albert Thomas hat für das jüdische Aufbauwerk in Palästina stets tiefes Interesse bekundet und seiner Sympathie für den Gedanken des jüdischen Nationalheims wiederholt in der Öffentlichkeit Ausdruck gegeben. Dem im Sommer 1929 in Zürich stattgefundenen Zionistenkongreß sandte er eine Botschaft, in der es u. a. hieß: „Vor 10 Jahren pflog ich gemeinsam mit Nahum Sokolow und meinem Freunde Andre Spiro Unterhaltungen mit vielen französischen Politikern mit dem Ziele, für die Zionisten Bürgerrechte in der neuen Welt, die die Friedensverträge schaffen sollten, zu erlangen. Wir hatten viele Schwierigkeiten zu überwinden: Vorurteile, Ubelwollen, Mangel an Kenntnis auf seiten der Franzosen und sogar der Juden, Zaudern seitens der französischen Minister, die, auch nachdem sie der Balfour-Deklaration ihre Zustimmung gegeben hatten, später noch gewisse Gründe hatten, sich einstweilen noch zurückzuhalten. Ich hatte den Vorzug und die Genugtuung, den Sieg der zionistischen Sache sichern zu helfen. Den letzten Zionistenkongreß in Basel begrüßte Thomas persönlich. Albert Thomas hat als Direktor des Internationalen Arbeitsamtes der Lage der Arbeiterschaft in Palästina große Aufmerksamkeit gewidmet und war für die Schaffung eines fortschrittlichen Arbeitsrechtes eingetreten. Mit den Führern der jüdischen und zionistischen Arbeiterschaft unterhielt er freundschaftliche Beziehungen. „Davar“ über den voraussichtlichen Inhalt des French-Berichtes Jerusalem, 11. Mai. (JTA.) Die hebräische Arbeiter-Tageszeitung „Davar“ bringt ihr zugegangene Informationen über den voraussichtlichen Inhalt des Berichtes des palästinensischen Landentwicklungsdirektor Lewis French, der, wie verlautet, in diesen Tagen fertiggestellt und der Regierung bereits unterbreitet worden ist. French schlägt laut „Davar“ der Regierung vor, vier der Landentwicklung zu unterstehende Gebiete in Palästina zu statuieren: Beersheba, Beisan, Jordantal und Hulek-See-Distrikt. Zuerst sollen die depossedierten Araber in diesen Gebieten angesiedelt werden; wenn dann noch freie Böden übrig bleiben und aus der palästinensischen Landentwicklungsanleihe (Palestine Development Loan) noch Gelder verfügbar sind, sollen auch Juden in diesen Gebieten angesiedelt werden. Ein anderer Vorschlag Frenchs ist laut „Davar“ der Erlaß eines Verbots von Bodenübertragungen. Solche Übertragungen sollen nur unter ausdrücklicher Billigung der Regierung vor sich gehen können. Die Regierung soll Optionsrecht auf gewisse zum Verkauf angebotene Böden haben. Schließlich schlägt French die Gründung eines Palestine Development Board vor. Wie „Davar“ weiter berichtet, erklärt French in seinem Bericht an die Regierung, daß die Juden über genügend Böden in der Küstenebene verfügen und daß die arabischen Fellachen darum vor dem von den Immigranten ausgehenden Druck geschützt werden sollten. Zu diesem Zwecke fordert er ein Generalverbot für Bodenverkäufe, die den Verkäufer landlos machen. Nur wenn der Bodenbesitzer für sich selbst ein gewisses Minimalgebiet zurückbehält, darf er Boden verkaufen. French schiebt die Schuld an den bestehenden Bodenverhältnissen in Palästina sowohl dem Jüdischen Nationalfonds als auch den arabischen Großgrundbesitzern zu. Aus der jüdischen Welt Wieder Friedhofs- und Synagogenschändung Berlin, 12. Mai. (JTA.) Auf dem jüdischen Friedhof in Durbach bei Offenburg wurden, wie dem Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mitgeteilt wird, 13 Grabsteine umgestürzt. Die Aufklärung der Tat ist schnellstens zu erwarten. Die Synagoge in Krossen a. d. O. wurde mit der Inschrift „Zerschlagt die Judenpest“ besudelt. Obwohl der Bürgermeister selbst die Untersuchung des Falles leitet, konnten die Täter noch nicht ermittelt werden, doch vermutet man sie in den gleichen Kreisen, die schon oft die Fenster und Geschäfte der jüdischen Bewohner mit Hakenkreuzen und Inschriften verunziert haben. Schächtverbot in Heidelberg Heidelberg, 12. Mai. (JTA.) Der Mitte Februar von der stärksten Fraktion des Stadtrats, der NSDAP., eingebrachte Antrag, das betäubungslose Schächten zu verbieten, ist seinerzeit dem Ausschuß zur weiteren Behandlung überwiesen worden. Man hoffte, daß angesichts des internationalen Weltrufs Heidelbergs und der möglichen Schädigung der städtischen Belange der Antrag keine Zustimmung erlangen werde. Diese Hoffnung ist jedoch durch die Sitzung vom 11. Mai