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Das jüdische Echo · 1932-05-13 · 20 (13.5.1932) · p. Seite 162

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
20 (13.5.1932)
Date
1932-05-13
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nr. 20 102 Kräfte. Politische Auseinandersetzungen innerhalb der Gemeinde müssen vermieden werden. Unsere Gemeinde trägt als Einheitsgemeinde den Bedürfnissen der verschiedenen religiösen Richtungen Rechnung. Es hegt ihr ob, neben ihrer Tätigkeit auf dem Gebiete des Kultus jüdische, soziale und kulturelle Bestrebungen zu förderji, deren Unterstützung den gemeinsamen Wünschen ihrer Mitglieder entspricht. Sie sorgt daher für die Verbreitung jüdischen Wissens und entfaltet eine umfassende Wirksamkeit für die mannigfaltigsten Zweige des Wohlfahrtswesens. Ihr Aufgabengebiet, zumal in einer Zeit der Not wie der jetzigen, ist ein so vielfältiges, daß jedes Mitglied, unbeschadet seiner persönlichen Überzeugung in strittigen Fragen des Gemeindelebens, die Möglichkeit finden kann, gleichberechtigt au dem von ihm frei gewählten Platze Helfer beim Werke der Gemeinde zu sein. Berlin, den 25. April 1932. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde.“ Diese Veröffentlichung mit ihrer geflissentlichen Betonung ausgesprochen liberaler Grundsätze und ebenso geflissentlichen Vermeidung auch des geringsten Entgegenkommens den volksparteilichen Forderungen gegenüber ist ein erneuter Beweis dafür, daß den Liberalen an Verständigung ganz und gar nicht gelegen ist. Sie wollen offenbar den Kampf und sie dürfen sich darum auch nicht wundern, wenn dieser so lange weitergeht, bis sie sich von dieser schonungslosen Ausnützung ihrer Majorität so weit haben abbringen lassen, daß sie Andersgesinnten nicht Teilnahme und Mitarbeit an der Gemeinde unmöglich machen. Der Landesvorstand der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hat denn auch in seiner Tagung am 5. Mai in Berlin einstimmig folgende Resolution angenommen: „Landesvorstand und Gemeindekommission der Zionistischen Vereinigung für Deutschland billigen einmütig das Verhalten der Fraktion der Jüdischen Volkspartei in der Berliner Jüdischen Gemeinde und im Preußischen Landesverband und fordern konsequente Fortsetzung der Gemeindepolitik im Sinne einer Einheitsgemeinde, die unabhängig von den jeweiligen Mehrheitsverhältnissen den Lebensbedürfnissen aller Richtungen Befriedigung gewährt. I. E. Europäische Stimmen auf der Feier zum Gründungstag der Hebräischen Universität Wie bereits in der vorigen Nummer kurz berichtet wurde, veranstaltete am 1. Mai aus Anlaß der siebenten Wiederkehr des Gründungstages der Hebräischen Universität in Jerusalem das amerikanische Komitee der Freunde der Hebräischen Universität in Neuyork eine Feier, deren Verlauf durch den amerikanischen Rundfunk übertragen worden ist. Im Mittelpunkt des Interesses standen telephonische Ansprachen aus Europa, und zwar des englischen Innenministers Sir Herbert Samuel, des französischen Oberrabbiners Israel Levi, James de Rothschild, Thomas Manns und des Führers der Jewish Agency in Deutschland, Direktor Oscar Wassermann. Sir Herbert Samuel führte aus: Ideen, nicht Sachen, beherrschen die Welt; intellektuelle und geistige Kräfte, nicht materielle und ökonomische. Wir leben in einem Zeitalter des Übergangs, nirgends aber war die Veränderlichkeit der Dinge einschneidender als im Nahen Osten. Ein schlagendes Beispiel ist die völlige Umbildung und Umwertung in der Türkei. Eine rapide Entwicklung nahmen auch die von der Türkei als Ergebnis des Weltkrieges abgetrennteu Länder, vor allem Palästina, das kleinste und dennoch wichtigste dieser Länder, mit seiner einzigartigen Geschichte, seinem religiösen Appell an die Menschheit, seinen das Interesse der ganzen Welt in Anspruch nehmenden Gegenwartsproblemen. Dort leben Seite an Seite und auch durcheinander gemischt zwei hochintelligente Völker: die Araber und die Juden; Völker, die in den finsteren Zeiten des Mittelalters gemeinsam die Fakkel der Gelehrsamkeit brennend erhielten. Ich glaube, diese beiden Rassen sind immer noch dazu berufen, freundschaftlich zusammenzuarbeiten, zu ihrem eigenen Nutzen, zum Nutzen Palästinas und der ganzen Welt. Diesem Ziele dient auch die Hebräische Universität in Jerusalem. Die Idee einer Universität ist der Idee eines engeren Nationalismus scharf entgegengesetzt. Die Hebräische Universität in Jerusalem darf nicht eine trennende, sie muß eine vereinigende Kraft sein. Im Zentrum der Alten Welt, sichtbar auf den Hügeln über der erlesensten aller Städte erbaut, unsichtbar über den Jahrtausenden bedeutsamer Geschichte thronend, steht die Hebräische Universität. Ihre Eröffnung vor sieben Jahren war die denkwürdigste Feier in den fünf Jahren meiner Regentschaft in Palästina. Die die Menschheit trennenden und entzweienden Kräfte sind außerordentlich mächtig und in diesen Tagen besonders aktiv, aber ihnen zum Trotz kommt die Einigung der Welt zustande. Leichtere Verbindungsmittel helfen dazu. Die Möglichkeit einer internationalen Radio-Übertragung, wie diese heute, ist ein Beispiel hierfür. Aristoteles, an kleine Stadt-Staaten gewöhnt, sagte, ein Staat wäre dann zu groß, wenn nicht die Stimme eines einzigen Herolds von allen Menschen im Staate gehört werden könne. Heute vermag die Stimme eines einzigen Herolds in die entferntesten Winkel der Welt zu dringen und — für eine nicht so ferne Zukunft, wie die meisten Menschen denken mögen — zuerst die geistige, dann die politische Einigung der Menschheit prophezeien, ln dieser großen Evolution wird, so glaube ich, der Mittlere Osten — Palästina im besonderen — eine führende, eine inspirierende Rolle spielen. Auch Direktor Oscar Wassermann hielt seine telephonische Ansprache aus Berlin in englischer Sprache. Sie lautet in gekürzter deutscher Übertragung ungefähr: Die Hebräische Universität in Jerusalem steht da als die Verkörperung unseres Aufbauwillens. Die Juden, Schöpfer einer alten Zivilisation, haben in Palästina dem Geiste ihrer Rasse eine Heimstätte errichtet. Die Universität,, das intellektuelle Zentrum einer lebenskräftigen und hoffnungsvollen jüdischen Bevölkerung, ist bestimmt, dauernde Fundamente für die nationale Renaissance zu legen. Noch einmal wenden wir uns dem Osten zu, aus dem so viele große Zivilisationen kamen, und mit dem unsere Geschichte seit ihren ersten Anfängen verknüpft ist. Die Herrlichkeit dieser Welt, ihre zahllosen blühenden, auch an Schätzen des Wissens reichen, Städte sind verschwunden. Das ausgedehnte Gebiet, einst die Heimstätte vieler Millionen, ist heute spärlich bevölkert. Ruinen bezeichnen die Stätten einstiger Größe. Aber das

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