Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 20 (13.5.1932)
- Date
- 1932-05-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug : Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis* jährlich: RM. 8—. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich: RM. 2.—. Einzelnummer 20 Rpf. I Verlag, Auslieferung des ,,Jüdischen Echos“: München. Plinganserstraße Nr. 64. I N HÄLT Bemerkungen — Europäische Stimmen auf der Feier zum Gründungstag der Hebräischen Universität — Aus der jüdischen Welt — Gemeinden- und Vereins-Echo — Spenden-Ausweis Anzeigen: Die viergespaltene Millimeter-Zeile 30 Rpf. / Famllien- Anzeigen Ermäßigung / Anzeigen- Annahme: Verlag des J B d Ischen Echos. München. Plinganserstraße 64 / Telephon 73664/65 Postscheck - Konto: München 3987 Nr. 20 München, 13. Mai 1932 19. Jahrgang Bemerkungen Auch sie.... In Württemberg beabsichtigen, wie man in den letzten Tagen verschiedentlich lesen konnte, die Demokraten in ein Kabinett einzutreten, dessen Führung von den Nationalsozialisten gestellt wird. Nach anderen Veröffentlichungen, etwa nach der „Frankfurter Zeitung“, haben sie sich ihre endgültige Stellungnahme noch Vorbehalten. Diese schüchterne Ausdrucksweise läßt beinahe darauf schließen, daß es jedenfalls nicht an den Demokraten liegen dürfte, wenn sie in einer neuen Regierung mit Nationalsozialisten etwa nicht vertreten sein werden. Was diese ganzen Verhandlungen, Möglichkeiten, Behauptungen und Dementis vom Standpunkt der deutschen Innenpolitik aus bedeuten mögen, sei nicht weiter untersucht; liier interessiert nur, welchen Reim wir Juden uns darauf machen, bzw. zu machen haben. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Demokraten in Württemberg so gut wie anderwärts jüdische Stimmen und wohl auch jüdisches Geld erhalten haben. Wenn sie gleichwohl den Gedanken eines Eintritts in eine Regierung mit Nationalsozialisten nicht weit von sich weisen, so kann man gewiß den Schluß daraus ziehen, daß auch diese Partei für die Gleichberechtigung der Juden nicht mehr offen einzutreten wagt oder zum mindesten, daß ihr diese Forderung unter den heutigen'Umständen ein Problem Xsten Ranges darstellt. Ob man auch den Schluß daraus ziehen darf, daß kein Jude mehr seine Stimme dieser Partei geben dürfe, erscheint nicht ebenso sicher. Denn darin liegt das Problem der deutschen Juden ja recht eigentlich: ob es überhaupt noch eine Partei gibt, die in ihrer Politik jüdische, und sei es auch noch so berechtigte, Forderungen berücksichtigt. Wer sich keine Illusionen macht und an gewisse Vorgänge etwa im Zusammenhang mit der bayerischen Schächtgesetzgebung denkt, wird zugeben müssen, daß sich durchaus Umstände denken lassen, in denen die sämtlichen Linksparteien zu einer Politik bereit sind, die über jüdische Interessen zur Tagesordnung übergeht — um nur einen sehr milden Ausdruck zu gebrauchen. Diese Tatsache läßt sich durch mancherlei Umstände erklären; sie läßt sich nicht ableugnen. In der deutschen Politik jedenfalls sind die deutschen Juden heimatlos, trotz der vierzigjährigen „Aufklärungs“- arbeit des Central-Vereins, die jetzt offenbar sogar da versagt, von wo sie früher geradezu ihren Ausgang genommen hat. Rundfunklehren Der Rundfunk wird gern auch als Instrument der Volksbildung bezeichnet und belehrende Vorträge gibt es Tag für Tag. Der Deutschlandsender Königswusterhausen bewies dabei, indem er am 26. April ein Zwiegespräch über „Antisemitismus“ auf sein Programm setzte, zweifellos ein recht gutes Gefühl für das, worüber heute Belehrung besonders nötig ist. Schade nur, daß diese Belehrung recht einseitig erfolgte: der eine der beiden Redner, Polizeimajor a. 1). Borck ist Mitglied der deutschnationalen Fraktion im Preußischen Landtag, bewies aber, daß er ganz gut auch bei den Nationalsozialisten sitzen könnte und der andere, Herr von Oppeln-Bronikow'ski, bezieht anscheinend sein Wissen in jüdischen Dingen hauptsächlich von Herrn Max Naumann und den nationaldeutschen Juden. Man kann sich also vorstellen, welchen Inhalt das Zwiegespräch gehabt hat; nicht recht kann man sich dagegen vorstellen, was die Leitung des Deutschlandsenders sich eigentlich gedacht hat, als sie gerade diese beiden Herren einander gegenüberstellte. Es ist gar nicht unwahrscheinlich, daß man sogar glaubte, den Juden einen Dienst zu erweisen, indem man einen Mann, der sich sicher einen Freund der Juden nannte, in aller Öffentlichkeit mit einem Antisemiten debattieren ließ. Es wäre nicht der einzige Fall, in dem sich zeigte, daß wir Juden fast ebenso sehr Anlaß haben, uns vor unseren „Freunden“ zu schützen, wie vor unseren Feinden, und jedenfalls ist es ein Bew'eis dafür, daß wir selbst am besten geeignet sind, unsere Sache zu führen. Diese Lehre ward nun hoffentlich der allgemeine Protest auch der Leitung des Deutschlandsenders klarmachen. Sie wollen nicht. Wir haben vor einiger Zeit über die Vorgänge in der Berliner jüdischen Gemeinde, die den Auszug der volksparteilichen Mitglieder aus der Repräsentanz zur Folge hatten, berichtet. In der Zwischenzeit wraren Bemühungen zu einem Ausgleich in Gang gebracht worden, die allerdings jetzt durch eine von der Mehrheit des Berliner Gemeindevorstandes in Abwesenheit der volksparteilichen Mitglieder beschlossene und an der Spitze der Mainummer des Gemeindeblattes veröffentlichte Erklärung auf das bedauerlichste erschwert werden. Die Erklärung hat folgenden Wortlaut: „Die Vorgänge in der Repräsentantenversammlung vom 7. April 1932 geben uns Anlaß, folgendes zu erklären: In einer Zeit, wüe der heutigen, in einem Augenblicke, in dem die Existenz der deutschen Juden aufs schwerste bedroht ist, bedarf unsere Gemeinde mehr denn je der Zusammenfassung aller