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Das jüdische Echo · 1932-05-06 · 19 (6.5.1932) · p. Seite 156

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
19 (6.5.1932)
Date
1932-05-06
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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156 Das Jüdische Echo Nr. 19 Torturen der früheren Jahrhunderte zurückzuführen ist. Gegen diesen Haß gibt es anscheinend keine Medizin, obwohl man sich denken könnte, daß in den jahrhundertealten menschlichen Beziehungen zwischen Polen und Juden die Haßkrankheit hätte geheilt werden können. Das Heraustreten eines Teils der polnischen akademischen Jugend gegen die jüdischen Studenten an der Wilnaer Universität war eben nur eine Reaktion auf diesen jüdischen Haß. Es wäre natürlich gewesen, wenn die jüdischen Studenten in der Universität selbst sich zur Wehr gesetzt hätten. Aber nein, der jüdische Haß explodierte und löste sich in Exzessen in den Straßen der Stadt Wilna. Es war ein Pogrom von Juden gegen Nichtjuden. Die Verteidigung hat gegen das Urteil Revision eingelegt. Wulfin wurde gegen Hinterlegung einer Kaution aus der Haft entlassen. Der Freispruch in Verria — Auch die überiührten Brandstifter gehen strailos aus Saloniki. (JTA.) Nach mehrstündiger Beratung sprach das Schwurgericht in Verria, das gegen die Anstifter des Pogroms in Saloniki im Juli vor. Jahres zu urteilen hatte, gegen 1 Ulli morgens das Verdikt: Der Vorsitzende der Geschworenen teilte mit, daß die Mehrheit der Geschworenen bei 8 der Angeklagten eine Schuld für nicht erwiesen erachtete und nur drei der Angekagten, Vellissaridis, Abadjidis und Boussolidis, der direkten Teilnahme an der Brandstiftung, durch die das jüdische Wohnviertel Campbell in Flammen aufging, für schuldig befunden habe. Daraufhin zog sich das Gericht zur Beratung zurück und verkündete in den Morgenstunden den Freispruch sämtlicher elf Angeklagter, auch der drei direkt der Brandstiftung überführten. In Saloniki und in ganz Griechenland hat das Urteil des Gerichtes, das sich während des ganzen Prozesses sehr loyal verhielt und dessen Vorsitzender bei verschiedenen Gelegenheiten den Pogrom und die Brandstiftung scharf verurteilte, tiefes Befremden hervorgerufen. Man erklärt sich das freisprechende Urtejl nur dadurch, daß sich das Gericht der Auffassung der Verteidigung anschloß, wonach nur ein vollständiger Freispruch eine Versühnung zwischen dem jüdischen und griechischen Element in Saloniki anbahnen könne. Aus der jüdischen Welt Eine Altonaer „Schwarze Liste“ beschlagnahmt Hamburg, 29. April. (JTA.) Vor wenigen Tagen wurde in Altona von der Polizei im Büro der nationalsozialistischen Gauleitung eine Liste beschlagnahmt, die mit den Überschriften versehen ist: „Altonaer Hebräer“ und „Fort mit den Davidsamen“. Insgesamt fanden sich darauf 264 Namen verzeichnet, deren Träger zu 95 Prozent jüdische Bürger sind. Es handelt sich um eine sorgfältige Aufstellung mit Telephonanschlüssen, Geschäfts- und Privaträumen; sehr aufschlußreich sind die Anmerkungen über die Familienverhältnisse der Aufgeführten. S?JT Stadtküche Weins Theatinerstr. 48 Tel. 24421 Bei einem früheren Mitglied der verfassunggebenden Nationalversammlung in Weimar befindet sich in Klammern die Aufforderung „sofort verhaften, Wohnung beschlagnahmen“, bei einem prominenten Gemeindemitglied findet sich die Bezeichnung „Synagogenhengst“, bei schon Verstorbenen wird notiert „Krepiert, Frau und Kinder wohnen noch dort“. Auch „Mann war Rabbi“, „Sohn Reichsbanner“, „rumänischer Jude aus Braila“, „Grundstückskommissar der Synagoge“, „Zionistenvorsitzender“ usw. Daß die Taufe die Aufnahme nicht unmöglich macht, zeigen Namen wie die des bekannten Klinikers Professor Dr. Lichtwitz u. a. Die polizeilichen Ermittlungen haben zur Feststellung der Informatoren geführt, gegen die ein Teil der betreffenden jüdischen Persönlichkeiten privatklägerisch Vorgehen will. Friedhofsschändungen Kürzlich wurde auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde in Rückingen, Kreis Hanau, ein Grabstein völlig zertrümmert, mehrere Inschriftplatten wurden beschädigt. Auf dem Waldfriedhof in Wanne-Eickel wurde die Grabstätte einer jüdischen Familie geschändet. An der Rücklehne einer Bank wurde durch Wegschneiden verschiedener Verbindungsstücke ein Hakenkreuz ausgesägt und die Inschrift „Juda verrecke“ eingeritzt. K o w n o , 29. April. (JTA.) In der Stadt Alita haben junge Huligans auf dem jüdischen Friedhof große Verwüstungen angerichtet. Sie zerstörten 21 Grabsteine und einige Mausoleen bekannter Rabbiner. Drei etwa 13jährige Burschen wurden als die Täter ermittelt und in Haft genommen. Die Eltern werden nach dem Gesetz für den Schaden aufzukommen haben. Wahlsieg der Antisemiten in Österreich Wien, 29. April. (JTA.) Die Wiener jüdischen Zeitungen dieser Woche nehmen zu den am vergangenen Sonntag auch in verschiedenen österreichischen Bundesländern durchgeführten Landtagswahlen, die den Nationalsozialisten große Erfolge gebracht haben, Stellung. Robert Stricker stellt in der „Neuen Welt“ fest: Die Gefährlichkeit der Lage der Juden in Österreich ist durch den Umstand charakterisiert, daß fast alle Beamten der staatlichen Behörden das Hitlersche Programm des blutrünstigen Antisemitismus voll und ganz akzeptiert haben. In der Provinz hat die Beamtenschaft in ihrer Gesamtheit, in Wien haben nachweislich 75 Prozent aller Polizisten und über 40 Prozent aller Bundessoldaten nationalsozialistisch gewählt. Das heißt: der jüdische Bürger, der sein Recht sucht, Schutz für Leben, Ehre und Eigentum, sieht sein Schicksal von Menschen bestimmt, die von der Nichtswürdigkeit und Gefährlichkeit der Juden zutiefst überzeugt sind und die Austilgung aller Juden mit allen, auch den barbarischsten Mitteln herbeisehnen. Siegesfeier der Wiener antisemitischen Studentenschaft Wien, 29. April. (JTA.) Die nationalsozialistische Studentenschaft der Wiener Hochschulen feierte das Ansteigen nationalsozialistischer Stimmen bei den Landtagswahlen in Österreich durch eine Orgie der Bestialität. An der Technischen Hochschule wurden mehrere jüdische Studenten in einen engen Raum eingeschlossen und sehr schwer mißhandelt. Sieben der Mißhandelten erlitten Riß- und Quetschwunden am Kopf, einigen

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