Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 19 (6.5.1932)
- Date
- 1932-05-06
- Page
- Seite 157 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Das Jüdische Echo 157 anderen wurden ihre Kleider vom Leibe gerissen, Schuhe und Socken wurden ihnen abgenommen, damit sie sich nicht durch Flucht ihren Peinigern entziehen konnten. Zwei Studentinnen wurden vom dritten Stock in den Hof geschleift und nach Verabreichung von Ohrfeigen durch die Aula abgeführt. Auch an der Hauptuniversität und an den anderen Hochschulen Wiens versuchten die Nazi-Studenten ihren Siegestaumel an den jüdischen Kollegen auzutoben. Sie haben u. a. die Parole für eine „judenreine Woche“ an den Hochschulen ausgegeben. Brodetsky bei Cunüffe-Lister Wohlwollende Erwägung der jüdischen Forderungen London, 28. April. (JTA.) Professor Dr. Selig Brodetsky, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, hatte im Unterhause eine Besprechung mit dem britischen Kolonienminister Sir Philipp Cunliffe-Lister über die allgemeine Regierungs- Politik in Palästina und die schwebenden Fragen des Palästina-Aufbaus. Brodetsky berichtete dem Kolonienminister über die Eindrücke während seines letzten Palästina-Besuches, über seine Besprechungen mit dem High Commissioner Sir Arthur Wauchope und den übrigen Palästina-Beamten und erörterte gemeinsam mit Sir Philip Cunliffe- Lister die mit dem Bericht des Landentwicklungsdirektors Lewis French verbundenen Probleme, ferner die Frage der Bewilligung der von der Jewish Agency angesuchten Zahl der Einwandererzertifikate, schließlich die allgemeine politische und wirtschaftliche Situation Palästinas. Prof. Brodetsky forderte im Namen der Jewish Agency, daß die britische Regierung eine Initiative zur Förderung der jüdischen Aufbauinteressen in Palästina entfalte. Es verlautet, daß Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister Brodetsky das Verprechen gegeben hat, die von ihm ausgesprochenen Forderungen wohlwollender Erwägung zu unterziehen. Ritualmordhetze in der griechischen Stadt Cavalla Saloniki, 24. April. (JTA.) Am Vorabend des Pessach-Festes wurde in der griechischen Stadt Cavalla die Legende eines jüdischen Ritualmordes verbreitet. Die Frau des Schuhmachers Jean Theodoridou lief durch die Straßen und rief, Juden hätten ihr sechsjähriges Kind geraubt und ihm Blut zu Ritualzwecken abgezapft. Das Kind selbst bezeichnete einen jüdischen Bürger der Stadt als den „Täter“. Der Angeschuldigte konnte aber sofort die Grundlosigkeit der kindlichen Aussage nachweiseil. Das Kind wies nun auf einen gewissen Moise Levy als den Täter hin. Sofort fiel die aufgehetzte Menge über Levy her und wollte ihn lynchen. Nur mit großer Mühe konnte die Polizei Levy aus den Händen der erregten Menge befreien und in Schutzhaft nehmen. Nach Feststellung der Grundlosigkeit der Aussage des Kindes wurde Moise Levy aus der Haft entlassen. Die Nebi Musa-Prozession in Jerusalem ruhig verlaufen Jerusale rn , 25. April. (JTA.) Das Nebi-Musa-Fest, das in diesem Jahre mit dem jüdischen Pessach-Fest zusammenfiel, ist in ganz Palästina ruhig verlaufen. Die Nebi-Musa-Prozession in Jerusalem vollzog sich in vollster Ordnung. Die Pilger aus Nablus trafen am Sonnabend in langem Zuge in Jerusalem ein und marschierten direkt zur Omar-Moschee. Auch bei dem Eintreffen der Pilger aus Hebron am Sonntag kam es zu keinerlei Zwischenfällen. Das Organ des Mufti „Al Jamea al Arabia“ teilt mit, daß der High Commissioner General Sir Arthur Wauchope in den letzten Tagen eine Beratung mit Repräsentanten der arabischen Exekutive über Fragen der öffentlichen Ruhe und Ordnung abgehalten und die arabischen Führer ersucht hat, dahin zu wirken, daß während der christlichen, jüdischen und moslemitischen Frühjahrsfeste die Ordnung in keiner Weise gestört werde. Zur Sicherung der Aufrechterhaltung der Ruhe hat die palästinensische Polizei im Zusammenhang mit dem Nebi-Musa-Fest in Jerusalem 41, in Haifa 15 und in Tel-Awiw 11 Kommunisten, Juden und Araber, verhaftet. Wie seitens der Polizei mitgeteilt wird, handelt es sich bei den Verhafteten um Personen, die unter dem Verdacht stehen, kommunistische Literatur verbreitet zu haben. Neuyorker Feier des siebenten Jahrestages der Hebräischen Universität in Jerusalem Führende Persönlichkeiten der Alten Welt sprechen durch Telefon für den amerikanischen Rundfunk Neuyork, 1. Mai. (JTA.) Aus Anlaß des siebenten Gründungstages der Hebräischen Universität in Jerusalem, der auf den 1. Mai fiel, veranstaltete das amerikanische Komitee der Freunde der Hebräischen Universität in Neuyork eine Feier, deren Verlauf durch den amerikanischen Rundfunk übertragen worden ist. Im Mittelpunkt dieser Feier standen neben den Ansprachen amerikanischer Persönlichkeiten Ansprachen hervorragender europäischer Persönlichkeiten, wie des englischen Innenministers Sir Herbert Samuel, des französischen Oberrabbiners Israel Levi, James de Rothschilds, des deutschen Dichters Thomas Mann und des Führers der Jewish Agency in Deutschland Direktor Oscar Wassermann. VON ODEN REY Bill