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Das jüdische Echo · 1932-05-06 · 19 (6.5.1932) · p. Seite 155

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
19 (6.5.1932)
Date
1932-05-06
Page
Seite 155 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 19 Das Jüdische Echo 155 die Summen setzten sich aus Spenden sehr armer Juden zusammen und entlasteten in einem hohen Maße den englischen Steuerzahler. Es ist dies eine sehr heroische Leistung. Wenn in den Seelen der Judenheit in der Welt der Verdacht aufkommt, daß die englische Regierung ihre Verpflichtungen dem Geiste und dem Buchstaben gemäß nicht erfüllt, so wird überall in der Welt ernstestes Mißtrauen in die Rechtschaffenheit und den guten Willen Englands entstehen, und die Beiträge werden fortfallen. Deshalb möchte ich den Kolonienminister bitten, daß er sobald wie möglich eine Mitteilung über eine wesentliche Erhöhung der Einwanderungsquote mache; auf eine Zahl, die die Juden in der ganzen Welt, deren Lebensinteresse auf das Nationalheim konzentriert ist, befriedigt. Ich bin dahin informiert, daß Palästina heute Prosperitäts-Fortschritte auf industriellem und landwirtschaftlichem Gebiete macht. Jede solche Prosperität müßte sich in erhöhten Einwandererzahlen ausdrücken. Nur auf diese Weise würden Verdacht und Mißtrauen gegenüber England, die unglücklicherweise in den letzten Jahren innerhalb der gesamten Judenheit sich angehäuft haben, schwinden. Wir alle stimmen darin überein, daß die Zukunft Palästinas von der Hebung des wirtschaftlichen Status der Juden und der Araber und von der Zusammenarbeit beider Rassen auf ein gemeinsames wirtschaftliches Ziel hin abhängt. Nie gab es eine bessere Chance für eine solche Zusammenarbeit der Rassen als gerade heute, und ich möchte deshalb den Kolonienminister bitten, daß der Bericht der French Commission weise und zweckentsprechend angewandt werde, daß er sich auf die klar umschriebenen Aufgaben der Kommission allein beschränkt und nicht wie der Shaw- Bericht und der Simpson-Bericht Streitfragen berührt. Was wir in Palästina tun, wird überall in der Welt mit besorgten und kritischen Augen betrachtet, mit den Augen von Menschen, die, viel für ihr Ideal geopfert haben und in deren Seele nur allzuleicht ein Verdacht entsteht. Ich bin dessen gewiß, daß der Kolonienminister und der ausgezeichnete Soldat, der jetzt Palästina regiert, die Sachlage richtig beurteilen. * * * 2000 Einwandererzertiiikate für Chaluzim für das Halbjahr April-Oktober bewilligt Jerusalem, 1. Mai. (JTA.) Von der Exekutive der Jewish Agency in Palästina wird der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt, daß die Palästina-Regierung für das Halbjahr April-Oktober 1932 2000 Einwanderungszertifikate auf der Basis der Arbeiter-Schedule (Chaluzim-Einwanderung) bewilligt hat. 300 von diesen Zertifikaten sind für eingewanderte Touristen reserviert, die sich nachträglich entschließen, dauernd im Lande zu bleiben. Von den restlichen 1700 Zertifikaten sind 400 für Frauen bestimmt. Die Exekutive der Jewish Agency hatte bei der Regierung um die Bewilligung von 3750 Zertifikaten für Chaluzim angesucht und hat dabei auf das gegenwärtig in Palästina bestehende starke Bedürfnis nach Arbeiterhänden hingewiesen. Die Jewish Agency ist damit unzufrieden, daß die Regierung nicht die Gesamtzahl der angesuchten Zertifikate, sondern um 1750 Zertifikate weniger bewilligt hat und hat die Regierung um eine Erklärung ersucht. Sie brauchen kein Geld für Bergsport und Wochenend — um im soeben erschienenen, künstlerisch reich illustrierten Katalog, Sommer 1932, des bestbekannten Welt-Sporthauses Schuster. München 2 M, Rosenstraße 6, zu sehen, wie man sich für Bergfahrt, Wochenend und jeden Sport ungewöhnlich billig und gut bekleidet und ausrüstet. Die gigantische Organisation dieses weltberühmten Versand-Hauses liefert in alle Welt, selbst in die entlegenste Einöde und ins höchste einsame Gehöft. Viele zehntausende zufriedene Kunden. 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Dagegen wurde der Student Samuel Wulfin wegen Teilnahme an dem Exzeß, bei dem Waclawski getötet worden ist, zu zwei Monaten Kerkers verurteilt. Das Urteil gegen Wulfin hat nicht nur unter der jüdischen Öffentlichkeit, sondern auch unter allen gerecht denkenden Polen Erstaunen und Tadel hervorgerufen. Einen noch tieferen Eindruck als das Urteil selbst machte auf die Öffentlichkeit die antisemitische Begründung des Urteils, in der es u. a. heißt: Der Angeklagte Wulfin hat in seiner Verteidigungsrede betont, daß die polnischen Juden keinerlei Rassenhaß gegen die Polen hegen und hegen können, er belegte diese Behauptung mit einer Reihe historischer Tatsachen, die die menschlichen Beziehungen zwischen Polen und Juden kennzeichnen sollen. Demgegenüber sei festzustellen, daß unter den Juden nicht nur ein Widerwille, sondern sogar ein Haß gegen die Polen herrscht; denn wie anders könnte man sich die Haltung der jüdischen Menge erklären, die Steine schleuderte auf die Droschke, in der der schwerverwundete Waclawski in das Hospital geführt worden war; wie anders kann man es sich erklären, daß durch die jüdischen Viertel marschierende polnische Akademiker von jüdischen Gruppen angegriffen wurden. Vielleicht ist dieser Haß gegen die Polen bloß ein Reflex des Hasses der Juden gegen die christlichen Völker überhaupt, ein Haß, der in der jüdischen Seele verwurzelt ist seit undenklichen Zeiten bis auf den heutigen Jag und der auf die Scheiterhaufen und anderen

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