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Das jüdische Echo · 1932-04-22 · 17 (22.4.1932) · p. Seite 138

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
17 (22.4.1932)
Date
1932-04-22
Page
Seite 138 (sequence 2)
Language
German
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138 Das Jüdische Echo Nr. 17 ist es gewesen, aus der heraus sich die moderne Wiiedergeburtsbewegung des jüdischen Volkes entwickelte. Das, was in der gegenwärtigen Epoche der jüdischen Geschichte als das Wesentlichste vor sich “geht, ist das Drängen nach W| i e d'e r ih e r & t e 11 u n g der Grundlagen des jüdischen Volkstums. Nach dem Auszug Ägyptens sind wir Volk geworden, und sind es 'in verschiedenem Ausmaße und Grade durch drei Jahrtausende geblieben. Die moderne Zeit hat dieses Bewußtsein unserer Volksindividualität getrübt und verwischt. Wir sind innerlich heimatlos geworden, und als Reaktion in den Seelen ,der Besten unseres Volkes erwachte der Wunsch, wieder Volk zu werden. Der Zionismus will, so gesehen, durch die Wiedererlangung des Elementes Land, die geschwächten zwei anderen Elemente, Volksbewußtseim und gemeinsame Sprache wieder neu schaffen. Er folgt den Lehren der Geschichte. Er ist ein neuer Auszug aus fremden Milieu, aus der Gefahrenzone der Auflösung und des Niederganges, er will an dem Punkte der Erde, wo einst unser Volkstum in seinen Grundlagen vollendet wurde, das Kraftzentrum eines normal geschichteten, normal lebenden Teiles des jüdischen Volkes schaffen. Dieses Zentrum soll wieder normative jüdische Werte erzeugen. Ein jüdisches Leben in der Galuth wird immer schwieriger. Die Galuth ist nicht mehr imstande den Faden der jüdischen Geschichte weiterzuspinnen. In Palästina wollen wir wieder Volk werden, Volk in vollstem Sinne dieses Wortes, Volk, dessen Art richtunggebend sei für diejenigen Teile der jüdischen Gemeinschaft, die in der Zerstreuung leben und ihre Seele verloren haben. 1. w. Die Levante-Messe in Tel Äwiw Am 7. April, nachmittags, wurde in Tel-Awiw die große Levante-Messe eröffnet. Die Zeremonie vollzog sich mit allen Zeichen eines außerordentlichen Ereignisses. Unter den 2000 geladenen Gästen, die sich aus allen Teilen Palästinas, aus den Nachbarländern und dem ferneren Ausland in der Haupt- Messehalle eingefunden hatten, befanden sich der High Commissioner für Palästina, General Sir Arthur Wauchope, der Patron der Messe, sämtliche Leiter der Regierungsdepartements, die Konsuln der fremden Mächte, Vertreter der großen jüdischen Organisationen und Institutionen, Vertreter auswärtiger Handelsorganisationen und Abordnungen verschiedener Auslandsregierungen. Die Versammlung festlich gekleideter Menschen bot ein imposantes Bild. Über der Haupt-Messehalle wehten die Fahnen von 24 Ländern. Wie offiziell bekannt gegeben wird, sind die folgenden Regierungen auf der Messe vertreten und haben auch ihre Vertreter zur Eröffnungsfeier entsandt: Palästina, England, Ägypten, Schweiz, Rußland, Cypern, Rumänien, Bulgarien, Lettland. Besonders stark ist die britische Industrie vertreten, i Der Bürgermeister von Tel-Awiw, Mayer Dizengoff, begrüßte die Gäste im Namen der Stadt Tel- Awiw, wandte sich besonders an die Vertreter der einzelnen Länder und sprach dem High Commissioner als dem Patron der Messe und den einzelnen Regierungsdepartements für die Unterstützung, die sie dem Messe-Ausschuß zuteil werden ließen, den Dank der Stadt aus. Dizengoff erklärte, diese Messe sei international, während die früheren Messen in Tel-Awiw rein palästinensisch waren. Während,die vorangegajigene Messe 609'Aussteller zählte, sind auf der Levante-Messe mehr als 12001 Aussteller aus 24 Ländern zu verzeichnen. Nach Dizengoff sprach der High Commissioner General Sir Arthur Wauchope. Ich habe, sagte er, bereits einen Rundgang durch die Levante-Messe und -Ausstellung gemacht, habe alle Pavillons besucht und die Feststellung gemacht, daß die Messe eine grandiose Schau ausgezeichneter lokaler und auswärtiger Erzeugnisse bietet. Die Messe ist ein weiteres Beispiel der Energie und des Fleißes der Bevölkerung von Tel-Awiw, ein Beispiel, das die Bürgschaft für noch größere Leistungen in der Zukunft bietet. Die Stadt Tel-Awiw hat alles Recht, auf diese Levante-Messe stolz zu sein. Aber die Messe erfüllt außer dem unmittelbaren Zweck der Belebung von Produktion und Handel noch einen weiteren Zweck: sie zeigt die Möglichkeiten und Gelegenheiten für die zukünftige Entwicklung von Handel, Industrie und Landwirtschaft in Palästina auf. Der High Commissioner begrüßte zum Schluß noch die Abordnungen der auswärtigen Regierungen. Das Orchester des britischen Militärs in Palästina spielte die englische Hymne und die hebräische „Hatikwah“. Nachdem die Eröffnungszeremonie in der Haupt- Messehalle beendet war, eröffnete Bürgermeister Mayer Dizengoff um 6 Uhr nachmittags bei Anwesenheit eines tausendköpfigen Publikums die Messe auf der Radiostation von Tel-Awiw, der ersten hebräischen Funkstation. Er wies in seiner Ansprache auf den organischen Zusammenhang von Makkabiah, Levante-Messe und grandioser Purimfeier als den Ausdrucksmitteln der großen jüdischen Stadt Tel-Awiw hin und sagte, diese drei Lebensäußerungen Tel-Awiws beweisen, daß das Judentum Palästinas über zahlreiche junge schöpferische Kräfte verfügt, die nur strenger zusammengefaßt und weitblickend geleitet werden müssen. Tel-Awiw w^erde nicht allein das Zentrum der Palästina- Judenheit, sondern der Gesamtjudenheit werden. Dizengoff richtete an alle auswärtigen jüdischen Gäste das Ersuchen, der Judenheit in der Galuth den Gruß und den Dank der Palästina-Judenheit zu übermitteln und auch dem Glück der palästinensischen Juden Ausdruck zu verleihen, denen es gegeben ist, im Lande der Väter zu weilen und das Jüdische Nationalheim aufzubauen. Brodetzkys Verhandlungen mit Wauchope J erusalem. Prof. Dr. Selig Brodetzky, Mitglied und Leiter der politischen Abteilung der Exekutive der Jewdsh Agency in London, hat nach einem mehrtägigen Aufenthalt in Palästina am 10. April Jerusalem verlassen, um nach London zurückzukehren. Am Tage vor seiner Abreise besuchte er noch einmal den High Commissioner General Sir Arthur Wauchope, den Landentwicklungsdirektor Lewis French, den Chef Sekretär der Regierung, Herrn Young, und den stellvertretenden Chefsekrelär, Herrn Mills, und besprach mit ihnen verschiedene politische und praktische Fragen, insbesondere auch die Einwanderungs- und Bodenfrage. In einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur äußerte sich Prof. Brodetzky über seine Unterredungen mit dem High Commissioner und den übrigen Mitgliedern der Palästina-Regierung u. a. wie,folgt: Ich habe in diesen Unterredungen die Haltung der Juden dargelegt, deren Ziel es nach wie vor ist, in Zusammenarbeit mit der Mandatarmacht das Land aufzubauen. Ich erörterte mit ihnen insbesondere

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