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Das jüdische Echo · 1932-04-08 · 15 (8.4.1932) · p. Seite 123

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
15 (8.4.1932)
Date
1932-04-08
Page
Seite 123 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 15 Das Jüdische Echo 123 Krieg verabscheuen, man möge uns als vaterlandslos scheiten, weil wir Besinnung haben, um die Interessen der internationalen Rüstungsindustrie nicht wahrzunehmen; wir verabscheuen sogar eine Gesinnung, die im Kriege ihr größtes Heltentum erblickt. Wir werden unsere Pflicht als Staatsbürger stets tun, wir werden uns aber hüten müssen, alles, was die Herren des Wehrministeriums als Staatsbürgerpflicht statuieren, als solche anzuerkennen. Man muß das einmal ganz klar aussprechen, unter Berücksichtung aller Folgen, die sich aus einer solchen Aussprache ergeben. Unser Platz ist nicht dort, wo man mit Krieg und Menschen spielt, sondern bei den „vaterlandslosen“ Gesellen, den Pazifisten. Und das seit einigen hundert Jahren. Daß aber auch, politisch gesehen, die Einstellung des RJF unnütz ist, ja sogar eine peinliche Entgleisung mangels genügender jüdischer Selbstkritik bedeutet, das müßte man aus den unterirdischen Beziehungen des Wehrministeriums mit den Nazioffizieren schon längst ersehen haben. Die vom RJF Umbuhlten hüten die schlimmsten Feinde des deutschen Judentums vor dem Absturz in den Orkus der Illegalität, sie geben ihnen sogar manche Hilfsstellung, die die Nazis mit großem Lungenaufwand auszunützen verstehen. Das alles müßte man doch an führender Seite des RJF schon längst eingesehen haben, man müßte dieses Spiel der Militärs durchschaut haben, das ja nicht nur für uns als Juden, sondern für den Weimarer Staat von einer ziemlichen Gefahr ist. Was uns bevorsteht, wenn die Träume der Militärs in Erfüllung gehen, bedarf keiner Schilderung. Man müßte von jüdischer Seite doch alles vermeiden, was diesem Spiel eine moralische Rückensteifung gibt. Wir werden uns wirklich nicht einsam fühlen, wenn wir als Juden zu den Menschen gehören, die sich eine klare Vernunft und eine scharfe Überlegung bewahren, die die Heldenspielerei nicht mitmachen, auch wenn es den Militärs nicht paßt. Der RJF steht aber vor einem Wege, der in die Vereinsamung führt, wenn er sich nicht auf seinen richtigen Standort besinnt.“ Aus der jüdischen Welt Boris Schatz, der Schöpfer des „Bezalel“. gestorben Am 23, März verstarb in New York der berühmte jüdische Bildhauer Professor Boris Schatz aus Jerusalem im Alter von 66 Jahren. Mehr als alle anderen jüdischen Künstler seiner Zeit hat er, der Schöpfer der Bezalel-Schule in Jerusalem, auf die Entwicklung einer spezifischen jüdischen Kunst eingewirkt. Boris Schatz, der 1866 in Kowno geboren wurde, lebte von 1890 bis 1896 als Schüler und Gehilfe des großen jüdischen Bildhauers Antokolski in Paris. Später wurde er nach Sofia berufen, wo er als Bildhauer des bulgarischen Königshofes viele Monumente errichtete, die Bulgarische Akademie mitbegründete und das Kunslleben in dem jungen Staate stark befruchtete. Als die moderne zionistische Bewegung von Theodor Herzl begründet wurde, schloß sich ihr Boris Schatz begeistert an. Im Jahre 1906 ging er nach Jerusalem und begründete dort di»' Bezalel-Schule für jüdische Kunst und Kunsthandwerk, später das Bezalel-Museum. Unter großen peisönlichen Opfern kämpfte er viele Jahre für den Bestand dieser beiden Institute, die er selbst geleitet hat. Vor vielen Monaten sah er sich genötigt, die Bezalel-Schule wegen finanzieller Schwierigkeiten vorübergehend zu schließen. Er ging nach Amerika, um dort Mittel für den weiteren Bestand der Schule aufzubringen. Den Strapazen dieser Reise und der Werbung war seine seit einiger Zeit geschwächte Gesundheit nicht gewachsen und er ist ihnen nun in New York erlegen. Rabbi Sonnenfeld t Der Führer der palästinensischen Agudas Jisroel, Rabbi Chajim Joseph Sonnenfeld, ist am 26. März im Aller von 83 Jahren in Jerusalem gestorben. Sein Ableben hat unter der orthodoxen Judenschaft tiefe Trauer und in ganz Palästina lebhafte Teilnahme hervorgerufen und die Bestattung am 27. März gestaltete sich zu einer gewaltigen Kundgebung, an der viele Tausende Personen, darunter auch viele Touristen, leilnahmen. Die Regierungsbehörden, die Stadtverwaltung Jerusalem, die Jewish Agency, der Waad Leumi usw. waren vertreten. Mit Sonnenfeld ist eine der merkwürdigsten und charakteristischsten Figuren des alten Palästina dahingegangen. Er war der Repräsentant des Chalukkah-Judentums, das in seiner Weise im vorigen Jahrhundert eine bemerkenswerte Funktion als Vortrupp der jüdischen Besiedlung Palästinas erfüllt hat, jedoch keine Verbindung zu der neuen Zeit und dem neuen Geist des Wiederaufbaus finden konnte. In den von dieser jüdischen Schicht bewohnten Vierteln Jerusalems verkörpert sich ein Stück jüdisches Mittelalter (wobei mit diesem Wort keine Bewertung verbunden werden soll). Es ist ein in sich festgefügtes, in seiner alten Lebensform verharrendes Judentum, das unberührt und unerschüttert ist von dem Anstrum einer neuen Zeit, die sonst fast überall zu einem tiefgreifenden Gestallwandel des Judentums geführt hat. Rabbi Sonnenfeld lebte ungefähr sechzig Jahre in Palästina. Er stammte aus der Slowakei und war der Leiter des sogenannten „ungarischen Kolel“, der innerhalb der Chalukkah einer der größten ist. Sonnenfeld galt als einer der bedeutendsten Talmudisten seiner Zeit. 30 000 Zuschauer — 4000 Teilnehmer Te 1 A w i w. Am Montag, dem 28. März, wurde in Tel Awiw die „Makkabiade 1932“ feierlich eröffnet. Noch in den Morgenstunden des Montags waren Schiffe mit Sportlern und Makkabiah-Gästen im Hafen von Jaffa eingetroffen. Die Ankömmlinge wurden vom Makkabiah-Ausschuß und der Bevölkerung von Tel Awiw herzlich begrüßt. Am Vorabend trat das Hauptrichterkollegium zusammen, stellte ein genaues Programm der Spiele und der verschiedenen Konkurrenzen auf. Am Abend fand im Amphitheater des „Beth-Am“ in Tel Awiw bei Anwesenheit von Vertretern der Regierung, des Konsular-Ivorps, der staatlichen Sportinstitutionen, der Jewish Agency u.a.m. die Eröffnungsfeier mit Ansprachen des High- Commissioner General Sir Arthur Wauchope und des Präsidenten des Makkabi-Weltverbandes Dr. Hermann Leiewer statt. Es folgten Ansprachen von Vertretern jener Regierungen, aus deren Ländern Sportgruppen zur Teilnahme an der Makkabiah sich begeben haben. Nach Schluß der Veranstaltung defilierten alle Sportgruppen mit Orchestern und den Landesfarben vor dem Volkshaus. Dienstag wurde die Makkabiah mit dem Einzug der 4000 Teilnehmer aus 27 Ländern der Welt feierlich eröffnet. 30 000 Zuschauer füllten das eigens für diese Veranstaltung erbaute Stadion bis auf den letzten Platz. Der Verlauf der Makkabiah wird von allen anwesenden Sporlfachmännern als überaus glänzend bezeichnet. Über den Ausgang der bedeutenderen am Mittwoch ausgetragenen Konkurrenzen ist zu melden: Die deutsche Hockeymannschaft und die deutsche Handballmannschaft gewannen über die

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