Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 15 (8.4.1932)
- Date
- 1932-04-08
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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122 Das Jüdische Echo Nr. 15 rufsumschichtung junger Juden betreibt, eine Subvention zu gewähren, wie es bei vielen anderen Organisationen der Fall ist, ohne daß man sich nach der jüdisch-weltanschaulichen Stellungnahme dieser Organisationen erst lange zu erkundigen pflegt. Nun ist aber in der Berliner j ii d i s c h e n Gern e inde in diesem Jahre die Subvention für den Hechaluz abgelehnt worden, weil gegenwärtig in der Berliner Jüdischen Gemeinderepräsentanz die liberalen Heißsporne, wie Bruno Woyda und andere, maßgebend sind. Dieser Vorgang in der Berliner Judengemeinde hat zu schweren Konflikten zwischen Liberalen und Zionisten geführt. Das in der Berliner Gemeinde verübte Unrecht sollte nun im Landesverbände durch eine ähnliche Stellungnahme gegen den Hechaluz eine Sanktionierung erfahren. Die liberalen Abgeordneten des Landesverbandes aus der Provinz wären nie auf den Gedanken gekommen, von einer zehnjährigen Übung abzuweichen und den Hechaluz, der immer als ,,koscher“ galt, auf einmal für „trefe“ zu erklären. Aber die Berliner Liberalen verstanden es, ihre Kollegen aus der Provinz zu zwingen, sich als Helfer bei der Fortsetzung eines in der Berliner Gemeinde begangenen Unrechts mißbrauchen zu lassen. Den kriegerischen Berliner Liberalen ging es darum, die Methode der brutalen Machtanwendung, die sie seit Monaten in der Berliner Gemeinde üben, auch im Landesverbände rücksichtslos anzuwenden. Es handelt sich bei ihnen wahrlich nicht um die Frage des Hechaluz, sondern um die Durchsetzung eines Standpunktes, der die national-jüdische Einstellung innerhalb des deutschen Judentums diffamiert. Würde es sich nur um den lächerlich geringen Subventionsbetrag für den Hechaluz handeln, so hätten die volksparteilichen Abgeordneten der Verbandstagung niemals das schärfste Opposilionsmiftel gebraucht und ihre Zustimmung zu der notwendigen Beitragserhöhung der Mitgliedsgemeinden für den Landesverband versagt. Es war ein schwerer Entschluß, der keineswegs leichten Herzens gefaßt wurde. A b e r e s g a 1 t g e g e n e i n U n r echt zu protestier e n , d a s sich v o n der B e r - 1 i n e r j ii d i s c h e n G e m e i n d e in den La nd e s v e r b a n d fortgepflanzt hatte. Die zionistische Richtung im Judentum, die, man mag zu ihr stehen wie man will, in den letzten Jahrzehnten die jüdische Gesamtheit in der ganzen Welt am einschneidensten beeinflußt und umgestaltet hat, die namentlich in den westlichen Ländern einen großen Teil der jüdischen Jugend, der sonst dem Judentum verloren gegangen wäre, wieder dem Judentum gewonnen hat, die den Prozeß der Auflösung, der unter liberalem Regime unaufhaltsam forlschritt, erfolgreich unterbrach, kann unter keiner Bedingung zugeben, daß sie sozusagen als jüdisch illegitim behandelt werde. Die Stellungnahme der Jüdischen Volksparlei auf dem Verbandstage war der schärfste Protest gegen eine Tendenz, die es darauf angelegt hat, zum Schaden der jüdischen Gesamtheit in Deutschland Unrecht zu üben und dieses Unrecht zu verewigen. 1. s. Zur Wahl! Die Veröffentlichungen sowohl der bayerischen amtlichen Pressestelle wie des preußischen Innenministeriums über die Vorgäinge kurz vor und am 13. März, die unseren Lesern sicherlich aus der Tagespresse bekannt sind, haben erneut gezeigt, zu welchen Dingen die Nationalsozialistische Partei bereit war und damit auch wiederum in welch akuter Gefahr das deutsche Judentum geschwebt hat. Ob diese Gefahr bereits endgültig, oder auch nur für die nächste Zeit abgewendet ist, kann heute niemand wissen. Es braucht indessen wohl nur noch einmal darauf hingewiesen zu werden, daß kein jüdischer Wähler am 10. April der Wahlurne fernbleiben darf, und auch das leuchtet wohl jedem deutschen Juden ein. daß jede .Stimme, die nicht für Hindenburg abgegeben wird, dem Feind des Judentums zugute kommt, und darum erfülle am 10. April jeder jüdische Wahlberechtigte seine Pflicht und wähle Hindenburg. Der RJF auf Abwegen Das „Kölner Jüdische Wochenblatt“ veröffentlicht in seiner letzten Nummer folgende bemerkenswerte Zuschrift aus Front bundkreisen, die nur Gedanken Ausdruck gibt, die ' man sieh mit Sorge auch in außenstehenden Kreisen schon gemacht hat. Wenn über die Bundeshauplvcrsammlung des Reichsbundes bisher in den offiziellen Berichten nur Günstiges und Erfreuliches zu lesen war, so sollten doch auch die Mahnungen dieser Zuschrift die ihnen gebührende Beachtung finden. „Es ist höchste Zeit, dem RJF die Frage vorzulegen, ob er immer weiter in den militärischen Sumpf abgleiten will, ob er die Anbetung des Reichswehrminisleriums fortsetzen will, obwohl man sich allerortens an dieser geradezu grotesken Heldenverehrung stößt und den Fronlbund im bewußt jüdischen Lager schon als jüdischen „Stahlhelm“ bezeichnet. Wir Juden müssen Werl darauf legen, in dieser Gesellschaft nicht gesehen und nicht geachtet zu werden; wir lehnen die Mililärspielerei in jeder Form ab. Wenn der RJF seine Abwehrarbeit in den Vordergrund jetzt stellt, so wissen wir sehr genau, daß diese Arbeit verdienstvoll ist, aber ihre Grenzen hat; soweit sie im Namen des Judentums arbeitet, bedeutet sie eine Diskriminierung, wenn sie den Maßstab der Wertung von der heute so beliebten Heldenerprobung abhängig macht, die bekanntlich ganz anders aussieht, als sie heute gezeigt wird. Die Infektion mit diesen Gedankengängen ist erklärlich: wenn heute nach dreizehn Jahren die Spekulation auf die Heldengesinnung dafür herhallen muß, um ein von Not und Entbehrung durchschiittelles Volk auf weniger beunruhigende Gegenstände abzulenken; wenn diese Eliminierung der Krise im Wehrministerium gern gesehen wird, so müßte sich eine Vereinigung jüdischer Frontsoldaten auf die wahren Werte, die sie propagieren müßte, besinnen und nicht dem Heldenrummel folgen. Oder etwa will man uns einreden, daß diese schauerlichen Kriegs¬ und Haßgesänge, dieses Buhlen um die Gunst der Slahlhelmer und ihrer Geistesverwandten nur irgendeinen Sinn für die jüdische Situation hat? Wenn es in der jüdischen Öffentlichkeit bis jetzt nur vereinzelt Stimmen gegeben hat, die sich gegen diesen neuen militaristischen Kurs des RJF aus jüdischem Schamgefühl gewandt haben, so wird man das mit der augenblicklichen Lage des deutschen Judenlums erklären, aber nicht entschuldigen können. Auch dem Langmütigsten und Vorsichtigsten ist es jetzt allmählich zuviel geworden. Die Instinktlosigheit, mit der die augenblickliche Leitung des RJF ausgezeichnet ist, hat sie dazu verführt, bei diesen Kreisen eine Anlehnung zu suchen, die im Innersten über diese jüdische Mimikry lächeln. Es gibt Erfahrungen genug, die deren Einstellung gegenüber den Juden kennzeichnen; sie kann durch die selbstverleugnende und selbstzerstörende Anbiederung der Frontbündler nicht geändert werden. Wir wären nicht bestürzt, wenn diese Einstellung nicht geändert wird. Man möge uns ruhig vorwerfen, daß die Juden feige sind, weil sie den