Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 13 (25.3.1932)
- Date
- 1932-03-25
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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106 Das Jüdische Echo Nr. 13 Nachkriegszeit Es soll nun hier der Versuch gemacht werden, auf Grund des Steuerertrags der Jüdischen Gemeinde in Berlin das Einkommen der Berliner Juden in der Nachkriegszeit zu ermitteln. Im Jahre 1929 betrug das Steuersoll der Jüdischen Gemeinde in Berlin! 6 Millionen Reichsmark. Die Gemeindesteuer beläuft sich auf 10 Prozent der Einkommensteuer. Die Juden Berlins haben somit im Jahre 19282 an Lohn- und Einkommensteuer einen Betrag von 60 Millionen Reichsmark aufgebracht. Das Gesamtaufkommen an Lohn- und Einkommensteuer betrug in Berlin im Jahre 1928 etwa 440 Millionen Reichsmark. Der jüdische Anteil am Gesamtsteueraufkommen beträgt demnach 13,7 Prozent, während der Anteil an der Bevölkerung nur 4,3 Prozent ausmacht. Verglichen mit der Vorkriegszeit, wo die Juden mehr als 30 Prozent der gesamten Einkommensteuer aufgebracht haben, ist jetzt der (jüdische Anteil stark zurückgegangen. Zum Teil hat hier die Umgestaltung des Steuersystems in der Nachkriegszeit eine Rolle gespielt (die relativ stärkere Erfassung der niedrigen Einkommen). In der Hauptsache aber ist die Verringerung des jüdischen Anteils am Gesamtaufkommen der Einkommensteuer durch einen entsprechenden Rückgang des jüdischen Anteils am Gesamteinkommen bedingt, wie im folgenden gezeigt werden soll. Das Gesamteinkommen der Berliner Bevölkerung betrug im Jahre 19283) etwa 6,5 Milliarden Reichsmark. Auf die Juden würde somit, ihrem Anteil an der Bevölkerung entsprechend, ein Betrag von etwa 280 Millionen Reichsmark entfallen. Dies ergäbe aber nur eine Steuerleistung von 19 Millionen Reichsmark, während die Juden in Wirklichkeit 60 Millionen an Einkommensteuer aufgebracht haben. Welcher Einkommenssumme entspricht nun der relativ überschüssige .Steuerbetrag von 41 Millionen Reichsmark? Der Steueranteil am besteuerten Einkommen schwankt je nach der Höhe des Einkommens zwischen 10 und 34 Prozent. Nach dem niedrigsten Steuersatz berechnet erhalten wir somit ein Einkommen von 410 Millionen, nach dem höchsten Steuersatz hingegen einen Betrag von nur 120 Millionen Reichsmark. Nun ist es allgemein bekannt, daß unter den Juden Berlins die höchsten wie die niedrigsten Einkommen (etwa 55 Prozent der jüdischen Erwerbstätigen in Handel und Industrie sind in Berlin Angestellte und Arbeiter) stark vertreten sind. Legt man einen durchschnittlichen Steueranteil von 20 bis 25 Prozent zugrunde, so kommt man auf einen Betrag von 164 bis 205 Millionen Reichsmark. Insgesamt dürfte sich somit das Einkommen der Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Berlins auf 444 bis 485 Millionen Reichsmark belaufen. Neben der großen jüdischen Gemeinde gibt es aber noch in Berlin die orthodoxe Religionsgemeinde, die „Adaß Jisroel“, deren Etatsumme etwa 5 Prozent des Etats der Großgemeinde beträgt. Man wird dementsprechend das Einkommen der Mitglieder der „Adaß Jisroel“ auf rund 22 bis 25 Millionen Reichsmark schätzen dürfen.4 Für die 2 Die Gemeindesteuer wird gewöhnlich nach der im Vorjahre geleisteten Einkommensteuer berechnet. 3 Berechnet auf Grund der Daten der Lohn- und Einkommensteuer unter Hinzurechnung der steuerlich nicht erfaßten Einkommen. gesamte jüdische Bevölkerung Berlins erhalten wir auf diese Weise ein Einkommen von etwa 466 bis 510 Millionen Reichsmark. Bei einer jüdischen Bevölkerung von 175 000 Seelen ergibt sich somit ein durchschnittliches Einkommen von 2660 bis 2910 RM. pro Kopf, gegenüber einem Gesamtdurchschnitt von etwa 1550 RM. pro Kopf. Verglichen mit der Vorkriegszeit, wo das durchschnittliche jüdische Einkommen dasjenige der Gesamtbevölkerung um zwei- bis dreimal überstieg, ist jetzt der jüdische Anteil wesentlich zurückgegangem. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ist die wirtschaftliche Situation der Juden auch in der Nachkriegszeit noch als verhältnismäßig günstig zu bezeichnen. Von einem außerordentlichen Reichtum der Juden, wie Sombart anzunehmen glaubt, kann aber, wie die obigen Ergebnisse zeigen, keine Rede sein. (Gekürzt aus dem Märzheft der ausgezeichneten Zeitschrift: Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik.) Landwirtschaftlicher Bericht der Paläsiinaregierung Die palästinensische Regierung veröffentlichte in diesen Tagen einen Bericht ihres Departements für Land- und Forstwirtschaft für die Jahre 1927 bis 30. Das umfangreiche Buch enthält Berichte über sämtliche Arbeitszweige dieses Departements (der Abteilungen für Ackerbau, Forstwirtschaft, Vieh-, Geflügel- und Bienenzucht, Gartenbau und Veterinärdienst), desgleichen einen ausführlichen Bericht über Citruspflanzungen usw. Aus dem Finanzbericht ist ersichtlich, daß die Ausgaben der Abteilung in den letzten zehn Jahren eine ständige Steigerung erfahren haben und zwar von £ 45 000 im Jahre 1921 auf £ 76 000 im Jahre 1930 .(dazu kommen im Jahre 1930 weitere £ 27 000 für den Kampf gegen die Heuschreckenplage). Ebenso stiegen die Einnahmen des Departements im Laufe dieser Jahre von £ 4500 im Jahre 1921 auf £ 20 700 im Jahre 1930. In dem Budget des Departements stehen an erster Stelle die Ausgaben für den Veterinärdienst, dann folgen Forstwirtschaft, Entomologie usw. Eine Statistik der verschiedenen Ernten in den letzten zehn Jahren zeigt das Steigen und Sinken der Erträge, z. B.: Weizen: 72 000 t im Jahre 1921, 87 000 t im Jahre 1930; Maximalertrag 1925: 101 000 t, Minirnalertrag 1928: 65 000 t. Gerste: 1921: 61 000 t, 1930: 60 000 t, Maximalertrag 1926: 69 000 t, Minimalertrag 1923: 26 000 t. Dürr ha zeigt ein Steigen der Erträge von 14 000 t in 1921 auf 37 000 t in 1930. Hingegen ist bei M e 1 o n e n ein Sinken der Erträge festzustellen und zwar 1921: 18 000 t, 1927: 37 000 t und 1930: 14 000 t. Verschiedene Obstsorten (außerWeintrauben und Feigen) haben ein stetiges Steigen ihrer Erträge von 2700 t in 1921 auf 7500 t in 1930 zu verzeichnen. 4 Die Mitglieder der „Adaß Jisroel“ zahlen nur freiwillige Beiträge. Die Etatsumme der „Adaß“ steht daher in keinem festen Verhältnis zum Steueraufkommen und dementsprechend auch zum Einkommen ihrer Mitglieder. Das wirkliche Einkommen der Mitglieder der „Adaß“ läßt sich daher schwer berechnen.