Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 13 (25.3.1932)
- Date
- 1932-03-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Erscheinuneszeit: Jeden Frelta*. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis' jährlich: RM. 8.—. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich: RM. 2.—. Einzelnummer 20Rpf. I Verlag, Anslleferung des „Jüdischen Echos": München. Plinganserstraße Nr. 64. I N H Ä L T : Uber die Einkommensverhältnisse der deutschen Juden in der Vor- und Nachkriegszeit — Landwirtschattlicher Bericht der Palästinaregierung — Aus der jüdischen Welt — Gemeinden- und Vereins-Echo — Spenden-Ausweis Anzeigen: Die vlergespaltene Millimeter-Zeile 30 Rpf. / Familien- Anzeigen Ermäßigung / Anzeigen- Annahme: Verlag des Jüdischen Echos. München. Plinganserstraße 64 / Telephon 73664/65 Postscheck - Konto: München 3987 Nr. 13 München, 25. März 1932 19. Jahrgang Über dieEinkommensverhältnisse der deutschen Juden in der Vor- und Nachkriegszeit A. M e n e s . Berlin Über den Wohlstand und die Einkommensverhältnisse der deutschen Juden herrschen auch in berufenen Kreisen ziemlich unklare, meistens stark übertriebene Vorstellungen. Die Tatsache, daß unter den führenden Persönlichkeiten im Bankwesen, Handel1 und in gewissen Industriezweigen die Juden verhältnismäßig stark vertreten sind, wird allgemein als Zeichen für ihre äußerst günstige wirtschaftliche Situation angesehen. Andererseits bekommen wir, besonders in den letzten Jahren, auch sehr viel von jüdischer Not zu hören. Und obgleich man auch hier vor Übertreibungen warnen muß, so steht immerhin soviel fest, daß dem Wohlstand auf der einen Seite auch, bei den Juden große Not auf der anderen Seite gegenübersteht. Wie die Verhältnisse der großen Masse der jüdischen Bevölkerung in Wirklichkeit aussehen, und wie insbesondere die Entwicklung in den Nachkriegsjahren verlaufen ist, darüber lassen sich auf Grund einzelner Beobachtungen und zufälliger Daten keine Schlüsse ziehen. Leider geben uns auch die allgemeinen statistischen Daten über diese Frage so gut wie keine Auskunft. Die Ergebnisse der Berufszählungen lassen uns zwar die allgemeine soziale und berufliche Struktur der jüdischen Bevölkerung ziemlich klar erkennen. Nur darf man dabei nicht außer acht lassen, daß die einzelnen sozialen Gruppen ihren Einkommenverhältnissen nach durchaus verschiedenartige Verhältnisse zusammenfassen. So werden neben den- Großindustriellen und Großhändlern auch die kleinen Handwerker und Krämer zu den Selbständigen gezählt. Und auch unter den Angestellten und Arbeitern sind bekanntlich die Einkommensdifferenzen verhältnismäßig groß. Für die Vorkriegszeit hat W. Sombart1 den Versuch unternommen, auf Grund der von den jüdischen Gemeinden erhobenen Steuern die Einkommensverhältnisse der deutschen Juden zu ermitteln. Es hat sich ergeben, daß die Juden an de v Gesamtaufkommen der Einkommensteuer viel stärker beteiligt waren, als ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht. So brachten die Juden in Berlin (im Jahre 1907) 30,8 Prozent der Gesamteinkommensteuer auf, während ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung nur fünf Prozent ausmachte. Ähnlich waren die Verhältnisse in den meisten anderen deutschen Städten. 1 „Die Juden und das Wirtschaftsleben“, Leipzig 1911, S. 218 ff. Sombart gebührt unstreitig das Verdienst, die Bedeutung dieses wichtigen Materials erkannt zu haben. Nur macht er einen Fehler, wenn er Steueraufkommen und Einkommen ohne weiteres gleichsetzt. Er hat dabei den äußerst wichtigen Umstand übersehen, daß das moderne, progressive Steuersystem die höheren Einkommensgruppen relativ stärker belastet. Aus der Tatsache, daß die Juden sechs- bis siebenmal so viel Steuern zahlen wie die Christen, läßt sich noch keineswegs der Schluß ziehen, daß dementsprechend die Juden in bezug auf ihr Einkommen die Christen übertreffen. Es ist daher ein Irrtum, wenn Sombart meint: „Die Ziffern für Berlin und Mannheim weisen den sechs- bis siebenfachen Reichtum der gesamten jüdischen Bevölkerung in Vergleich mit den Christen nach.“ (S. 218.) Abgesehen davon, daß hier die nichtbesteuerten Einkommen völlig unberücksichtigt geblieben sind, waren die Steuersätze, wie schon erwähnt, je nach Höhe der Einkommen durchaus verschieden. Soviel ist jedenfalls klar, daß der Steueranteil am Einkommen bei den Juden wesentlich größer war als im allgemeinen Durchschnitt, weil hier die höheren Einkommen und dementsprechend die höheren Steuersätze prävalierten. Die Ziffern für Breslau und Frankfurt a. M. — wo uns die Daten über das Einkommen der jüdischen und nichtjüdischen Steuerzahler vorliegen — zeigen, daß in Wirklichkeit der jüdische Anteil am Gesamteinkommen wesentlich geringer war. Der Anteil der Juden am Gesamteinkommen war demnach dreimal so hoch als ihr Anteil an der Bevölkerung (4,3 Prozent). In Frankfurt a. M. dürfte die Differenz zwischen der Einkommenshöhe der Juden und der Christen noch wesentlich geringer sein. Auch ohne Berücksichtigung der steuerlich nicht erfaßten Einkommen (die übrigens in einer reichen Stadt wie Frankfurt nicht so stark ins Gewicht fallen) ist der Anteil der Juden am Gesamteinkommen noch nicht ganz dreimal so hoch wie ihr Anteil an der Bevölkerung. Auch in Berlin und den meisten anderen deutschen Städten dürfte das durchschnittliche Einkommen der Juden höchstens um zwei- bis dreimal den Durchschnitt übertreffen. Da die höheren Einkommensgruppen verhältnismäßig am gesamten Steuerertrag weit stärker beteiligt waren, so ist es verständlich, daß der jüdische Anteil am Steueraufkommen ihren Anteil am gesamten Einkommen noch wesentlich übersteigt.