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Das jüdische Echo · 1932-03-18 · 12 (18.3.1932) · p. Seite 100

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
12 (18.3.1932)
Date
1932-03-18
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
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100 Das Jüdische Echo Nr. 12 Aus der Arbeit des Hilfsvereins der Deutschen Juden im Jahre 1931 Von den fünf Soinmerferienkolonien für Kinder der ärmsten Schichten in Polen, zu deren Errichtung vom Hilfsverein in den letzten anderthalb Jahren HM. 50 000.— zur Verfügung gestellt wurden, sind im Sommer 1931 drei in Betrieb genommen worden. 083 Knaben und Mädchen vom Säuglingsaller bis zum 18. Lebensjahr fanden dort Erholung; zwei weitere Sommerferienkolonien werden im Mai 1932 eröffnet werden. Der Bau des Kinderhauses in Kowno, zu dem der Hilfsverein RM. 24 000.— beigesteuerl hat, wurde im Jahre 1931 begonnen und zu Ende geführt. Es hat vier Stockwerke, 6500 cbm Raum, einen Garten von 2000 qm, und ist für 120 Kinder eingerichtet, davon 50 Säuglinge. Das Haus ist im Februar 1932 eröffnet worden. Der Hilfsverein sorgte für Verschickung von erholungsbedürftigen Kindern mittelloser Eltern in Memel. Dem Israelitischen Kindersparverein in Köln bewiligte er auch im Jahre 1931 einen namhaften Betrag. In Rumänien wurden wie in den Vorjahren die jüdische Volksuniversität, die zentrale jüdische Berufsberatungsstelle, die Knabengewerbeschule „Ciocanul“, eine Mädchengewerbeschule und das jüdische Mädchenheim in Bukarest, ferner eine Anzahl von Elementar- und Fachschulen sowie gewerbliche Kurse bei Waisenanstallen in Galatz, Jassy lind Kischinew unterstützt. Die Gesamtzahl der Schüler in diesen Anstalten betrug 2500. Für Schulen in Polen und Palästina wurden RM. 10 677.— bewilligt. Die Ambulatorien in den jüdischen Kolonien in der Ukraine und Krim haben im Jahre 1931 eine rege Tätigkeit entwickelt. Aus Mitteln der Haffkine-Sliftung wurden im Jahre 1931 erstmalig Jeschiwot (Talmudhochsehulen) in Litauen, Polen, Rumänien, Ungarn und der Tschechoslowakei unterstützt. Die Emigrantenfürsorge, die sich infolge der Weltkrise, Arbeitslosigkeit und Absperrung der meisten Länder gegen die Einwanderung überaus kompliziert gestaltet, erforderte im Jahre 1931 hohe Anspannung der organisatorischen und finanziellen Kräfte des Hilfsvereins. Vom Bahnhofsdienst des Hilfsvereins am Schlesischen Bahnhof in Berlin sind 18 900 Personen, Aus- und Rückwanderer, betreut worden. Uber Neu-Bentschen, wo ein Vertrauensmann des Hilfsvereins sich der Wanderer annimmt, gingen 4200 Personen, über Hamburg und Bremen 4400 Personen. Der Hilfsverein gewährte Subventionen an Komitees für jüdische Durchwanderung in Aachen, Danzig, Frankfurt a. M. und Köln. Die Emigranlenhilfe erforderte im Jahre 1931 einen Aufwand von insgesamt RM. 88 000.—. Gemeinden und Wohlfahrtsämter wurden hierdurch wesentlich entlastet. Das Studentenhilfswerk erforderte im Jahre 1931 einen weiteren Zuschuß in Höhe von RM. 6191.—. Der Verfassungsentwurf für den Reichsverband fertiggestellt Der zur Ausarbeitung eines Verfassungsentwurfs für die zu schaffende Gesamtorganisation der deutschen Juden eingesetzte Ausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden hat einen solchen Entwurf einstimmig angenommen. Offen geblieben ist lediglich die Festsetzung des Namens des Verbandes, über den eine Übereinstimmung noch nicht zu erzielen war. In kurzem sollen die Vertreter der übrigen Landesverbände zu einer gemeinsamen Beratung mit den Vertretern des Preußischen Landesverbandes eingeladen werden, so daß der Verfassungsentwurf möglicherweise dem im März dieses Jahres stattfindenden Verbandstag des Preußischen Landesverbandes (jüdischer GemeFnden -wird vorgelegt werden können. Purimscherz oder Wirklichkeit? Frau Dr. Goebbels entstammt einer Mischehe! Das israelitische Familienblatt bringt folgende Notiz: Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei hat von geübten Sachverständigen sehr genaue Bestimmungen ausarbeiten lassen, die sehr deutlich vorsehen, welche Strafe den trifft, der ,.Rasseverrat“ begeht. Zu diesen Delikten wird in erster Reihe jede Verbindung mit einem Juden gerechnet, und eine Person zu ehelichen, die jüdisches Blut in den Adern hat, gilt als eines der schwejrs'ten Vergehen gegen die nationalsozialistische Gesetzgebung. Bei dieser Sachlage wird der Berliner Gauführer der Nationalsoziallisten, Herr Dr. Josef Goebbels, wenn das „Dritte Reich“ erst in Deutschland Recht spricht, nicht gerade glimpflich davonkommen. Er hat vor’einigen Monaten geheiratet, und ischon damals wisperten böse Zungen, daß seine Frau irgendwie vom Judentum abstammt. Wir können nunmehr authentisch feststellen, daß die Gattin des Herrn Dr. Josef Goebbels der Ehe eines Juden mit einer Nichtjüdin entstammt. Die Schwiegermutter des Herrn Goebbels, eine Frau Behrendt, war mit dem noch gegenwärtig dem Judentum angehörigen Kaufmann Friedländer verheiratet, von dem sie später geschieden wurde. Aus dieser Ehe ist Frau Goebbels hervorgegangen. Es wird schwer, an diesen Sachverhalt zu glauben, aber er ist einwandfrei festgestellt, und Herr Dr. Goebbels wird nunmehr erwarten müssen, daß ihn seine Partei, wenn sie erst über die Rechtsprechung zu gebieten hat, entsprechend bestrafen wird. Tagung der jüdischen Nationalversammlung Einigung im Jischuw Jerusalem, 6. März. Am Freitag, dem 4. März, ging die zweite Jahressession der ersten gesetzlich gewählten und anerkannten Deputierten-Versammlung der palästinensischen Juden (Assefah Hanivcharim) in Tel-Awiw zu Ende. Sie brachte eine Einigung zwischen allen Parteien des Jischuw. Die Revisionisten, die mit 16 Mitgliedern die zweitgrößte Partei in der Assefah bilden, haben nach diesem Ausfall der Abstimmungen beschlossen, ihre Vertreter in den Waad Leumi. der exekutiven Körperschaft der Assefah, zu entsenden. (Bekanntlich haben die Revisionisten die erste Jahressession der neugewählten Assefah zum Protest gegen die Annahme einer Resolution gegen die Assefah betreffend Teilnahme an den Verhandlungen zwischen der Jewish Agency und der englischen Regierung über das Passfield-W’eißbuch verlassen und die Entsendung von Vertretern in den Waad Leumi abgelehnt.) Der neugewählte Waad Leumi setzt sich aus zehn Vertretern der Arbeiterschaft, fünf Revisionisten, zwei Allgemeine Zionisten, zwei Misraehisten, je einem Vertreter der sephardischen Juden und der Yemeniten und einer Vertreterin der Frauen zusammen. Die Assefah Hanivcharim bestätigte in einer einmütig gefaßten Entschließung ihre in den Sessionen von 1931 und 1930 bereits gefaßte Resolution, in der erklärt wird, „der Jischuw werde

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