Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 11 (11.3.1932)
- Date
- 1932-03-11
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 91 Aus der jüdischen Welt Eugen Landau 80 Jahre Generalkonsul Eugen Landau, einer der hervorragendsten deutschen Wirtschaftsführer und einer der Führer des sozialen Hilfswerkes im Judentum, vollendet am 17. März 1932 sein 80. Lebensjahr. Eugen Landau wurde in Breslau als Sohn des Bankiers Geh. Kommerzienrats Jakob Landau geboren, studierte in Bern und Berlin und übernahm dann mit seinem Bruder Hugo das väterliche Bankhaus Jakob Landau, das in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts mit an erster Stelle im Berliner Finanzwesen stand, die Bankverbindung der Stadt Berlin war, deren Anleihen unterbrachte und u. a. die Königs- und Laurahütte, die A.E.G. und die Nationalbank für Deutschland mitgründete. Im Jahre 1875 wurde Eugen Landau zum spanischen Generalkonsul ernannt. Bei der Gründung, Fusionierung und Konzernbildung zahlreicher Unternehmungen wirkte Eugen Landau stark anregend auf die moderne Entwicklung des Wirtschafts- und Finanzwesens in Deutschland. Er fusionierte z. B. die Breslauer Disconto-Bank und die Bayerische Bank mit der Darmstädter Bank, die Patzenhofer Brauerei mit der Schultheiß-Brauerei usw. Außerdem beteiligte er sich an der Gründung verschiedener großer Industrie-Unternehmungen. Die Firma Jakob Landau hat Emil Rathenau, dem Vater Walther Rathenaus, und seinem Mitarbeiter Felix Deutsch die Mittel zur Gründung der Edison-Gesellschaft zur Verfügung gestellt, aus der sich dann die A.E.G. und die B.E.W. entwickelt haben. In der Berliner Gesellschaft genießt Eugen Landau hohes Ansehen. Er war Präsident des ältesten Klubs von Berlin, der „Ressource“ von 1794, Vorsitzender des „Literarischen Klubs“, dem auch Spielhagen und Wildenbruch angehört haben. Im jüdischen öffentlichen Leben Deutschlands nimmt Eugen Landau von je eine führende Stellung ein. Für jüdische Zwecke hat er stets eine offene Hand. Er bekleidet auch eine Reihe von Ehrenämtern in jüdischen Institutionen. Er ist u. a. Vorsitzender des Auerbachschen Waisenhauses, der Jüdischen Altershilfe und, als Freund des Palästinawerkes, Vizepräsident des Keren Hajessod für Deutschland. Ein besonderes Kapitel bildet seine Wirksamkeit im Hilfsverein der Deutschen Juden, den er 1901 mit Dr. James Simon, Paul Nathan, Rabbiner Marcus Horovitz und einigen anderen jüdischen Führern gründete und dessen erster Vorsitzender er wurde. Als er infolge Arbeitsüberbiirdung nach kurzer Zeit den Vorsitz niedergelegt hatte und an seiner Stelle Dr. James Simon gewählt worden war, verblieb er als erster stellvertretender Vorsitzender im Präsidium des Hilfsvereins und wirkt als solcher bis zum heutigen Tage. Die Essener Synagoge geschändet ln einer Nacht der vergangenen Woche wurde die Essener Synagoge, das Meisterwerk Professor Körners, die als die schönste und monumentalste des Reiches, wahrscheinlich ganz Europas, gelten kann, geschändet, ln riesigen Lettern wurde über dem Portal die Inschrift „Juda verrecke!“ angebracht. Die Untat hat in weiten Kreisen der Bevölkerung Empörung hervorgerufen. Man ist den Tätern, die in nationalsozialistischen Kreisen zu suchen sind, auf der Spur. Sitzung des zionistischen Actions-Comitees London. In einer gemeinsamen Beratung der Zionistischen Exekutive mit dem Vorsitzenden des Actions-Comitees, Herrn Leo Motzkin. wurde der Beschluß gefaßt, die jetzt fällige Sitzung des Actions-Comitees in Anbetracht der Abwesenheit des Präsidenten der Organisation und um die jetzt in vollem Gang befindliche Arbeit für die Fonds nicht zu stören, erst nach den Pessachfeiertagen abzulialten. Diese Tagung, deren Ort und genaue Zeit noch bekanntgegeben werden, soll auch das Budget für das kommende Jahr beschließen. Es wird beabsichtigt, im Anschluß an die Tagung des Actions-Comitees auch eine Sitzung des Administrative Committee der Iewish Agency einzuberufen. Ein neuer Judenstaat? Man verfolgt mit lebhaftem Interesse die Entwicklung der Dinge in Biro Bidschan, wo mehrere Tausend Juden mit Hilfe des Komzet und unterstützt von der Sowjetregierung, den Ansatz zu einer jüdischen landwirtschaftlichen Großsiedlung bilden, Michael Kalinin, der Präsident der Sowjetunion, will aber mehr als das, er will eine Art Judenstaat in Biro Bidschan gründen mit allen Kriterien eines innerhalb der Sowjetunion sein autonomes Eigenleben führenden Staates. Laut Beschluß des Zentralexekutivkomitees soll sich in Biro Bidschan die Gründung einer jüdischen Republik spätestens Ende 1933 vollziehen. Nicht ausgeschlossen ist es, daß die Gründung noch vor diesem Endtermin geschieht. Es ist nicht notwendig, damit zu warten, bis die Juden in diesem Territorium die Mehrheit der Bevölkerung bilden. Die Krim z. B. ist eine tartarische Republik, obwohl die Tartaren dort nur 22 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Warum sollen nicht Russen, Ukrainer und andere Nationalitäten ebensogut in einer jüdischen Republik leben, wie Juden in der Ukraine, in Weißrußland und in anderen nichtjüdischen Republiken leben. Werden 10 000 bis 15 000 Juden in Biro Bidschan konzentriert sein, dann wird die Vorbedingung der Proklamierung von Biro Bidschan als jüdische Republik gegeben sein. Zusammengehen der jüdischen und arabischen Citruspflanzer in Palästina in der Steuerfrage Citrus-Pflanzer in Palästina wehren sich gegen die von der Regierung ausgeschriebene Steuer von 7 Mils pro Kiste Citrusfrüchten zur Deckung der Kosten der Bekämpfung der sogenannten „schwarzen Schuppe“ (eine durch Insekten hervorgerufene Obstkrankheit). Die Citrus-Pflanzer wählten ein Komitee, bestehend aus Francois Gelat, Shukri Effendie Tazi, Mohammed Effendi, Abdul Rahoum, Kenyon, Rokasch, Rabinowitsch und Riklis, das mit der Regierung wegen Aufhebung dieser Steuer unterhandelt. Auch in diiesem Wirtschaftszweig ist also ein Zusammengehen zwischen den arabischen und den jüdischen Interessenten festzustellen. Die Citrus-Pflanzer stehen auf dem Standpunkt, daß sie selbst ihre Plantagen unter Aufwand hoher Kosten von Schädlingen säubern. Wienn ein Züchter seine Plantage nicht sorgfältig genug behandelt, so möge er selbst für die Folgen aufkommen. Citrusfruchsteuer wird fallen gelassen Der High Commissioner General Sir Arthur W(auchope hat nach einer längeren Aussprache mit der Abordnung der Citrus-Züchter bekanntgegeben, daß die geplante Steuer auf Citrusfrüchte, aus welcher die Kosten für die Bekämpfung der