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Das jüdische Echo · 1932-03-11 · 11 (11.3.1932) · p. Seite 90

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
11 (11.3.1932)
Date
1932-03-11
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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90 Das Jüdische Echo Nr. 11 ganz genau weiß, daß ihre Kandidatur keine Aussichten hat, und die überdies weiß, daß sie auch nicht als Bundesgefährte für irgend eine andere Richtung in Frage kommt. Die kommunistische Partei kann sich darum den Luxus leisten, eine ideologisch völlig einwandfreie Politik zu treiben, und sie ist des Zwanges enthoben, Rücksichten auf die Gegebenheiten zu nehmen, denn sie geht von vornherein von der Voraussetzung aus, daß sie die reale Macht auf dem Wege demokratischer Methoden nicht erreichen wird. Die Tatsache eines prinzipienreinen und prinzipienfesten Radikalismus, die Sauberkeit eines rücksichtslos vertretenen Programms läßt die kommunistische Partei im gegenwärtigen Augenblick vielen Leuten in Deutschland und darunter auch manchen Juden sympathisch erscheinen, obwohl diese Leute und diese Juden in keiner Weise die Ansichten der kommunistischen Richtung teilen. Nur weil sich diese Menschen sagen, daß alle in Frage kommenden Kandidaten entweder a limine abzuweisen sind oder ein Produkt des Kompromisses darstellen, meinen sie recht zu handeln, wenn sie für den Vertreter einer ganz klar zum Ausdruck gebrachten unverwässerten Anschauung eintreten, auch wenn diese Anschauung nicht die ihrige ist. Derartige Gedankengänge wären durchaus verständlich, wenn es sich um ein harmloses Spiel handeln und wenn es nicht bei dieser Wahl besonders für die Juden um Sein oder Nichtsein gehen würde. Wie die Dinge liegen, kommt es bei den bevorstehenden Wahlen auf jede einzelne Stimme an. Und es kann nicht eindringlich genug davor gewarnt werden, an diese Wahl mit Ressentissements heranzugehen. Praktisch gesehen kommt nur eine einzige Kandidatur in Frage, die imstande ist, die Gefahr des Nationalsozialismus zu bannen: das ist die Kandidatur des bisherigen Reichspräsidenten H i n d e n b u r g. Es braucht nicht betont zu werden, daß Hindenburg, abgesehen von seiner über jede Kritik stehende Persönlichkeit, weltanschaulich und sozial nicht den idealen Vorstellungen eines großen Teiles von Menschen entspricht, die aufgefordert werden, für Hindenburg zu stimmen. Hindenburg ist sicherlich kein Judenkandidat, mögen auch nationalsozialistische Flugblätter diesen Unsinn ihren Anhängern vorlügen. Hindenburg ist aber unter den gegebenen Verhältnissen die einzige und die letzte Garantie, daß die Entwicklung der politischen Verhältnisse in Deutschland einigermaßen ruhig verläuft. Und stärker noch als alle anderen Kreise der deutschen Bevölkerung sind wir Juden daran interessiert, daß Ruhe und Ordnung herrschen und keine chaotischen Zustände eintreten. Denn alte historische Erfahrung sagt uns, daß in jedem Chaos die ersten und am meisten leidenden Opfer die Juden sind. Aus diesem Grunde hat ein jüdischer Mensch in Deutschland jetzt keine andere Wahl, als für die Kandidatur Hindenburgs einzutreten. Die jüdische Parole bei der Reichspräsidentenwahl muß daher lauten: Nur Hindenburg! 1. s. Pressekonferenz der Zionistischen Exekutive Am 29. Februar 1932 fand im Sitzungssaal der Zionistischen Organisation in London eine von der Exekutive einberufene Pressekonferenz statt. Herr Berl Locker, der den Vorsitz führte, begrüßte die Vertreter der Presse und verwies auf die wichtige Aufgabe, die der Presse in der Verbreitung richtiger Informationen zufällt. Im Namen der Exekutive referierten die Herren Professor Br odetzky, Emanuel Neumann und Berl Locker. Wichtige Erklärungen Brodetzkys Brodetzky führte u. a. aus: In den letzten paar Wochen haben die Gerüchte über einen angeblichen Versuch, eine jüdischarabische Verständigung auf der Basis einer Teilung Palästinas in jüdische und arabische Distrikte oder „Kantone“ herbeizuführen, große Aufregung hervorgerufen. Die Exekutive hat kategorisch erklärt, daß diese Gerüchte, die aus sehr unzuverlässigen Quellen stammen, unbegründet sind; daß man an sie weder offiziell noch inoffiziell; weder direkt noch indirekt betreffs einer Round Table Conference mit den Arabern auf irgendeinem Wege herangetreten ist; daß die britische Regierung jegliche Kenntnis eines solchen Vorschlages abgeleugnet hat: trotzdem haben sich weiterhin gewisse Teile der jüdischen Presse und der jüdischen öffentlichen Meinung in einer Weise mit diesen Gerüchten beschäftigt, die darauf schließen läßt, daß sie der Meinung sind, daß hinter den Kulissen etwas vor sich ginge, und daß die Exekutive sich mit geheimen Diskussionen in bezug auf irgendeinen derartigen Vorschlag beschäftige. Ich möchte daher die Gelegenheit ergreifen, um nochmals kategorisch zu erklären, daß die Exekutive nichts von irgendwelchen Diskussionen über solche Vorschläge, mit denen sich diese Gerüchte befassen, weiß. Die Exekutive hat niemals und hat auch augenblicklich keine Unterredungen mit irgendwelchen Arabern, Moslems, oder mit der Mandatarmacht über diese oder verwandte Fragen: die Exekutive kennt keine jüdische Persönlichkeit, die die Jewish Agency repräsentiert, die in derartigen Diskussionen begriffen ist. Das Kolonialamt hat uns heute wiederum versichert, daß ihm nichts über einen derartigen Vorschlag bekannt ist. Ich möchte nun im Namen der Exekutive erklären, daß ihre Politik stets auf der vom Präsidenten der Organisation auf dem letzten Kongreß abgegebenen Erklärung begründet war, ist und sein wird und daß die Exekutive ihre Funktionen dahin interpretiert, daß sie keine Macht hat, von dieser Politik abzuweichen und daß selbstverständlich jeder aus zuverlässiger Quelle stammende Vorschlag betreffend jüdisch-arabische Beziehungen, der der Exekutive vorgebracht wird, unverzüglich den höheren Instanzen der Bewegung, d. h. dem Actions Comitee der Zionistischen Organisation und dem Administrative Committee der Jewish Agency unterbreitet werden muß. — Da bisher von keiner beachtenswerten Stelle solche Vorschläge zur Kenntnis der Exekutive gelangt sind, besteht auch für die jüdische Öffentlichkeit keinerlei Veranlassung, sich über diese Angelegenheiten zu beunruhigen und wir appellieren an die jüdische Presse, alles zu tun, was in ihrer Macht steht, um die öffentliche Meinung zu beunruhigen und sie nicht unnötig zu erregen. Das wirklich wichtige, akute politische Problem ist momentan das des Landentwicklungsplanes und der Bodenpolitik und die vom Landentwicklungs- Direktor erwarteten Berichte. Stadtküche Weine Theatinerstr. 48 Tel. 24421

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