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Das jüdische Echo · 1932-03-11 · 11 (11.3.1932) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
11 (11.3.1932)
Date
1932-03-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Erscheinungszelt: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag, — Bezugspreis jährlich: RM. 8.—. halbjährlich: RM. 4.-. vierteljährlich: RM. 2.-. Einzelnummer 2üRpf / Verlag, Aaslieferung des ,Jüdischen Echos“: München. Plinganserstraße Nr. 64. I N H Ä L T : Vor der Reichspräsidentenwahl — Pressekonferenz der Zionistischen Exekutive — Aus der jüdischen Welt — Gemeinden- und Vereins-Echo Geschäftliches — Spenden-Ausweis Anzeigen: Die viergespaltene Millimeter-Zeile 30 Rpf. / Familien Anzeigen Ermäßigung / Anzeigen Annahme: Verlag des Jldl sehen Echos. München. Plln ganserstraße 64 / Telephon 73664/66 Postscheck - Konto: München 3987 Nr. 11 München, 11. März 1932 19. Jahrgang Vor der Reichspräsidentenwahl Es ist selbstverständlich, daß die in Deutschland lebenden Juden als Staatsbürger der deutschen Republik in gleicher Weise wie alle anderen Staatsbürger für sieh das Recht in Anspruch nehmen, bei jeder Gelegenheit und besonders bei solchen, bei denen ihr staatsbürgerliches und darüber hinaus durch die eigentümlichen Bedingungen, unter denen die Juden leben, ihre jüdischen Interessen berührt werden, nach Maßgabe ihrer Kräfte und Machtmittel auf die in Frage kommenden Entscheidungen zu wirken. Das tritt besonders hei politischen Wahlen in Erscheinung und zumal bei der gegenwärtig bevorstehenden Wahl des Reichspräsidenten für die Amtszeit der nächsten sieben Jahre. Die jüdische Gesamtheit in Deutschland ist sozial sicherlich nicht einheitlich, wiewohl man feststellen muß, daß sie, als Einheit genommen, viel homogener ist, als die Gesamtheit der übrigen in Deutschland lebenden nicht jüdischen Staatsbürger. Es ist eine anormale Erscheinung, auf die schon sehr oft hingewiesen wurde, daß der größte Teil der in Deutschland lebenden Juden wirtschaftlich und sozial eigentlich den Mitleiparteien zugezählt werden muß, während er kulturell'und politisch unter dem Druck der vorhandenen politischen Gegebenheiten sehr oft geneigt ist, Anschluß nach links zu suchen. Klar und schärfer ausgedrückt: die wirtschaftlichen Interessen der überwiegenden Zahl der in Deutschland lebenden Juden werden von Richtungen wahrgenommen, die auf dem Standpunkte des Privateigentums und der sogenannten kapitalistischen Wirtschaft stehen. Infolge des in Deutschland leider bei überwiegenden 'Feilen des nicht jüdischen Bürgertums vorhandenen Judenhasses werden die Juden jedoch gefühlsmäßig auf Parteien hingelenkl, deren wirtschaftliches Programm den Existenzbedingungen der jüdischen Bevölkerung entgegensieht, die jedoch auf Grund ihrer allgemeinen Grundsätze in der Behandlung der Judenfrage viel annehmbarer sind, als die ausgesprochenen bürgerlichen Richtungen. Bei der bevorstehenden Reichspräsidenteilwahl herrscht jedoch eine politische Situation, in der für prinzipielle Erwägungen und für Weltansehauungskämpfe leider nur wenig Raum gegeben ist. Wahlen sind ja im allgemeinen keine Gelegenheiten zur Herausarbeitung theoretisch am klarsten gefaßter Ideologien und Weltanschauungsfragen. Sie sind Vorkommnisse der Tagespolitik und Politik ist bekanntlich, praktisch betrieben, nichts anderes als die Kunst, auf dem Wege der Möglichkeiten das größte Maß des Wünschenswerten oder des Gewünschten zu erlangen. Immer ist es so, daß man im Alltag des Geschehens und des Handelns vor die Wahl gestellt ist, zwischen verschiedenen Übeln zu unterscheiden. Nur im luftleeren Raume kann man sich das Allerbeste und das ideologisch Entsprechendste Vorbehalten. Im Gestrüpp der einander befehdenden Machtfaktoren jedoch ist es gut, von den Höhen kristallklarer Ideologie zu den Niederungen des Vorhandenen herabzusteigen. Während des Wahlkampfes, der jetzt mit besonderer Leidenschaft von den einzelnen Richtungen ausgefochten wird, ist uns Juden gar keine Möglichkeit gegeben, irgendwie entscheidend an bemerkbarer Stelle mitzuwirken. Die allgemeine Stimmung in Deutschland ist leider derartig, daß jede einzelne Partei es so ungern sieht, wenn jüdische Anhänger besonders sichtbar als Werbe- und Vorkämpfer dieser Partei in den Vordergrund rücken. Wenn man von den radikal-antisemitischen Parteien absieht, in denen die Juden naturgemäß nichts zu sagen haben, so ist auch hei anderen Richtungen die Beobachtung zu machen, daß entgegen der bisherigen Gepflogenheit jüdische Wortführer dieser Richtungen entweder freiwillig oder durch den Zwang der Situation im Hintergrund bleiben. Weder Staatspartei noch Sozialdemokratie, geschweige denn der Hindenburg-Auschuß lassen jüdische Politiker, Redner oder Publizisten in diesen Tagen auf den Plan treten. Es ist sicherlich keine besondere Absicht dieser Parteien, dadurch eine Minderbewertung ihrer jüdischen Anhänger zum Ausdruck zu bringen, sondern darin liegt mehr das stillschweigende Zugeständnis, daß der Sache, die diese Richtungen vertreten, besser gedient ist, wenn man dem Hauptgegner, den Nationalsozialisten, keine für sie bequemen Angriffspunkte bietet und ihnen überflüssigerweise ein zugkräftiges Agitationsmittel an die Hand gibt, mit dem sie imstande wären, in ihren Versammlungen und auf ihren Plakaten anstatt viele Worte zu machen, bloß ein paar jüdische Namen zu nennen, um den gegnerischen Kandidaten in den Augen weiter Schichten zu diffamieren, denen man im Laufe von Jahren die Lehre eingetrichtert hat, daß Judentum und Verderben Deutschlands identische Begriffe sind. Diese Sachlage ist selbstverständlich für sehr viele Juden äußerst peinlich. Man lieht es nur sehr ungern ins Oberbewußtsein,-daß man durch die bisherige Entwicklung leider außerhalb der Gesellschaft gestellt ist. Aus diesem Grunde sehnen sich sehr viele Juden, und nicht gerade die schlechtesten, danach, in diesen bewegten Tagen für eine Richtung einzutreten, welche als rein kämpferische und radikale keinerlei Rücksichten auf das Leben, wie es ist, zu nehmen braucht und darum entschlossen ist, am klarsten ihre Prinzipien zum Ausdruck zu bringen. Wir meinen damit die kommunistische Partei, die JUilA -V s INSTITUTS NEW YORK

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