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Das jüdische Echo · 1932-03-04 · 10 (4.3.1932) · p. Seite 85

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
10 (4.3.1932)
Date
1932-03-04
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 85 Gemeinden- und Vereins-Echo Zionismus und Neudeutscher Nationalismus Am Mittwoch, dem 17. Februar, sprach im Rahmen der zionistischen Ortsgruppe München Herr Kurt Blumenfeld, der Leiter der ZVfD., vor einem zahlreichen interessierten Publikum. Kr begann seine Ausführung mit der Darstellung und der Entwicklung der Begriffe Nation und Nationalismus. Nationalismus bricht immer an Wendepunkten in der Geschichte eines Volkes hervor, rein emotional, triebhaft, ohne jede Ideologie und geistige Fundierung. In solchen Zeilen muß die Kultur vernachlässigt werden, erst später werden die Instinkte durch Normen gezügelt, neue Schranken gesetzt, die Geschichte aller Völker, besonders auch der Juden weist solche Entwicklung auf. Wir stehen heute in Deutschland mitten in. einem Ausbruch der nationalen Erhebung. Das Judentum in Deutschland hatte in der Zeit des vorherrschenden Liberalismus geglaubt, daß eine völlige Verständigung zwischen Deutschtum und Judentum nicht allzu schwierig sein könnte. Heute aber müssen wir erkennen, daß keine Verständigungsbasis zwischen den deutschen Nationalisten und den Juden vorhanden ist. Es hat deshalb keinen Sinn, dies immer wieder zu versuchen. Das einzige ist, Distanzierung, Aufbau einer eigenen Politik, Pflege des eigenen. Nationalismus. Eine Lösung der Judenfrage für Deutschland allein ist unmöglich, nur eine allge- •mein jüdische Weltpolitik, der Zionismus, kann und wird die nationaljüdischen Kräfte wecken und sie zum Palästinaaufbau vereinigen. Die Realität des Kollektivs in Palästina wird den Juden eine innere Sicherung geben und dadurch die äußere Selbstbehauptung in der Galulh stärken. Die außerordentlich interessante und geistesgeschichtlich bedeutsame Darstellung der gegenwärtigen deutschen und jüdischen Situation, die Kurt Blumenfeld gegeben und an einer Fülle von Beispielen belegt hatte, schlug alle seine Zuhörer in Bann; sie dankten ihm durch großen Beifall. Die Auseinandersetzung mit Herrn Dr. Werner Cahnmann, die sich dem Vortrag anschloß, hätte in gleicher Weise auch vor 10 Jahren stattfinden können. Was in Deutschland vorgehl, scheint vielen Juden noch immer nicht die Augen geöffnet zu haben; das Schlußwort Blumenfelds enthüllte auch diese Tatsache mit erschreckender Deutlichkeit. Die Zionistische Ortsgruppe und der Jungzionistische Arbeitskreis München veranstalten anläßlich des 30jährigen Jubiläums des Palästina Bodenfonds, einen Abend, an dem Herr Dr. Ernst M e c h n e r , Berlin, der Leiter des Jüdischen National-Fonds für Deutschland, einen Lichtbildervortrag halten wird, über: „30 Jahre Keren Kajemeth Lejisrael“ (Neue Wege der Palästina Arbeit) Der Vortrag findet am Montag, dem 7. März, abends 8.30 Uhr, im Kunstgewerbesaal, Pfandhausstraße 7, statt. Da Herr Dr. Mechner aus seiner Tätigkeit und aus eigener Anschauung Palästinas, mit den Fragen des Aufbaus besonders gut vertraut ist, wird der Abend allen jüdischen Kreisen neue und wesentliche Gesichtspunkte erschließen. Eintritt frei! Der Jüdische National-Fonds, München, veranstaltet am Samstag, dem 9. März, in den Räumen des Regina-Palast-Hotels ein Purimfesl mit Tanz. Wir machen heute schon auf diese Veranstaltung aufmerksam und bitten alle unsere Freunde, sich diesen Abend freizuhalten. Jüdischer Kulturverein J. L. Perez, München Samstag, den 5. März, abends 8,45' Uhr, Lessingsaal, Herzog-Rudolf-Slraße 1. Herr Dr. Rafael Levi: Der Geist des Talmud. ln Anbetracht der Persönlichkeit des Referenten und des sehr interessanten Themas ersuchen wir unsere Mitglieder, vollzählig zu erscheinen und sehen zahlreichem Besuch entgegen. V o r a n z e i g e! Samstag, den 12. März, abends 9 Uhr, Lessingsaal, Herzog-Rudolf-Slraße 1. Anläßlich des 50jährigen Jubiläums des jüdischen Dichters und bedeutenden Dramaturgen Perez Ilirschbein Klubabend: Referat und Rezitationen Joseph Löwy. Jüdischer Jugendverein, München Donnerstag-Abende, Lessingsaal. Beginn 20.30 Uhr. 10. März. Vortrag Eduard Schöpflich: „Aus der Geschichte der Juden in München.“ Gäste sind herzlich willkommen. Das Jüdische Kammerorchester, München, wurde vom Verein zur Abwehr des Antisemitismus eingeladen, hei seiner am 10. März stattfindenden Goelhefeier mitzuwirken. Das J.K.O. hat seine Mitwirkung zugesagt. Es kommen hiebei folgende Werke zur Aufführung: Gluck, Iphigenia in Aulis (Ouvertüre); Beet h o v e n , Die Geschöpfe des Prometheus (Ouvertüre). Die Generalprobe zu dieser Aufführung findet Mittwoch, den 9. März, im Lessingsaal, Herzog-Rudolf-Slraße 1/0, statt. Sozialistischer Arbeitskreis Am Donnerstag, dem 10. März, wird Harry Obermayer im Jüdischen Jugendheim, abends 8.30 Uhr, über folgende Themata sprechen: I. Die Widersprüche der kapitalistischen Produktionsweise. II. Analyse der Ware. Der Wert. III. Der Wert als spezifische Erscheinungsform der gesellschaftlichen Arbeit. IV. Die Wertformen. Geld und Preis. V. Der Warenfetischismus, lim zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird gebeten. VON ODEN :REY ✓

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