Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 10 (4.3.1932)
- Date
- 1932-03-04
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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84 Das Jüdische Echo Nr. 10 lu*Liren Zersplitterungen gegeben. Man muß annehmen, daß sie in der Tendenz des beabsichtigten neuen Gesetzes liegen. Entsprechend dieser Tendenz ist auch die Anerkennung des Landesverbandes auf das bescheidenste Maß zurückgeführl. Der Entwurf besagt lediglich (§ 16), daß Synagogengenieinden sich zwecks Erfüllung gemeinsamer rechtlicher Aufgaben zu einem Gemeindeverband zusammenschließen dürfen. Wiewohl hier nur wiederholt wird, was besser und wirkungsvoller in Artikel 137 der Reichsverfassung gesagt ist, sind die Verfasser des Entwurfes schon hierbei ängstlich geworden und halten es für nötig, in der Begründung hervorzuheben, daß die „in der Rechtslehre umstrittene Frage, unter welchen Voraussetzungen derartige Gemeindeverbände Körperschaften des öffentlichen Rechts werden“ vom Entwurf nicht entschieden werden soll. Auch auf diesem Gebiete also bedeutet der Entwurf nicht den geringsten Fortschritt, sondern liier wie überall einen Rückschritt. Der Entwurf ist unannehmbar. Die preußischen Juden werden nach dem Vorbilde, das der Rat des Landesverbandes in seinem Beschluß vom 10. Januar gegeben hat, in geschlossener Einmütigkeit gegen die Verkleinerung der jüdischen Werte und gegen die Zertrümmerung ihrer Einheit protestieren müssen. Sie werden mit allen Mitteln vom Landtage verlangen müssen, daß er seine Hand zu dieser Entrechtung des Judentums nicht bietet. Aus der jüdischen Welt Die Stadt Berlin droht erwerbslosen nichtdeutschen jüdischen Familien mit Ausweisung ln der letzten Sitzung der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin stellte Moses Goldmann im Namen der Fraktion der Volkspartei die folgende Anfrage an den Vorstand: „ln Verfolg ihrer Sparmaßnahmen hat die Stadt Berlin einer ganzen Anzahl nichldeutschen jüdischen Familien mitgeteilt, daß ihnen die bisher gezahlten Wohlfahrtszuwendungen in Zukunft nicht mehr gezahlt werden und daß diese Familien bei weiterer Inanspruchnahme des städtischenWohlfahrlswesens mit sofortiger Ausweisung bedroht seien. Wir fragen an, ob diese Tatsache im Gemeindevorstand be- ■ kannt ist und welche Schritte er zu unternehmen gedenkt, um diese Familien zu schützen.“ Alfred Berger (Volksp.) berichtete auch über i bergriffe nachgeordneter Beamter, die Ausländer, die schon lange in Berlin wohnen, die Pässe abfordern und sie so der Gefahr ausselzen, als Paßlose verhaftet zu werden. Fr sei überzeugt, daß die Vorgesetzten Instanzen diese Angelegenheiten mit Verständnis behandeln werden. Dr. Oskar Cohn meint, es seien nicht einmal Polizeiorgane, sondern andere Organe, die eine solche Praxis üben. Dr. Wilhelm Kleemann (Vorsitzender des Vorstandes) erklärt, das Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde habe bereits in diesen Angelegenheiten Schritte unternommen und werde auf eine günstige 10r 1 edi gun g hinarbei ten. Duisburg. In der Nacht zum 26. Februar wurden am Jüdischen Gemeindehaus und an einer Reihe von Häusern, in denen Juden wohnen, große Hakenkreuze und die Worte: „Tod den Juden!, Juda verrecke!, Wählt Hitler!“ in roter Ölfarbe angemall. Die Jüdische Gemeinde hat für die Ermittlung der Täler eine Belohnung von 200 RM. ausgeselzt. Schon mehrfach wurden die Fensterscheiben des Gemeindehauses, auch die Scheiben der Häuser jüdischer Bürger eingeworfen. Boykottpropaganda mittels Flugzeugen Wie in anderen Teilen Polens wird seit kurzem auch in Krakau die antijüdische Boykottpropaganda mittels Flugzeugen geführt. Jüngst hat ein Aeroplan massenhaft Flugblätter mit Aufrufen der „Liga vom Grünen Band“ auf die Straßen Krakaus geworfen. Auch die Städte Lublin und Biala- Podloska wurden mit Boykottaufrufen von Flugzeugen aus überschwemmt. Konflikt zwischen der Leitung der hebräischen Universität und den revisionistischen Studentengruppen J e r u s a 1 e m. In Jerusalem ist am Mittwoch, den 10. Februar, ein schwerer Konflikt zwischen der Leitung der Universität und dem revisionistisch gesinnten Teil der Studentenschaft ausgebrochen. Am Tage, bevor Bentwich seine Antrittsvorlesung hielt, verbreiteten revisionistische Studentengruppen Pamphlets mit schweren Angriffen auf Bentwich. Da von der Leitung der Universität ein ursächlicher Zusammenhang zwischen diesen Pamphleten und der Demonstration bei Beginn der Vorlesung von Bentwich angenommen wird, hat das Disziplinargericht der Universität vier einer revisionistischen Studentengemeinschaft angehörende Studierende als Verbreiter der Flugschriften für ein ganzes Jahr aus der Universität verwiesen. Ferner wurde ausgesprochen, daß revisionistische Studentenvereine von der Universität nicht länger anerkannt werden. Unter der revisionistischen Studentenschaft herrscht wegen dieser Verweisungen große Erregung. Der revisionistische Studentenverein Elal hat angekündigt, daß er sich mit der Studentengruppe Hulda solidarisch erkläre. Man erwartet in diesem Zusammenhang weitere Verweisungen revisionistischer Studenten. 4075 Juden kamen 1931 nach Palästina Im Jahre 1931' kamen, wie jetzt mitgeteilt wird, 4075 Juden, 1245 Christen und 1211 Moslems nach Palästina. In dem gleichen Jahre verließen 666 Juden, 573 Christen und 107 Moslems das Land. Die Schulen in Palästina wieder eröffnet Der Verband der hebräischen Lehrer Palästinas hat beschlossen, die vom Waad Leumi gemachten Vorschläge zur Beilegung der Differenzen zwischen den hebräischen Lehrern und der Exekutive der Jewish Agency anzunehmen und den Lehrern zu empfehlen, den Unterricht an den Schulen sofort wieder aufzunehmen. Nachdem infolge des Lehrerstreiks die Schulen mehr als vier Wochen lang geschlossen waren, wurde am Mittwoch, den 10. Februar, der Unterricht an allen Schulen wieder aufgenommen. Voranzeige Das Purim-Fest des Jüdischen National Fonds findet wegen des Tanzverbots erst am Samstag den 9. April i. d. Räumen des Regina Palast Hotel statt.