Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 9 (26.2.1932)
- Date
- 1932-02-26
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9072829-9103089-9179893--12238-9084308- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 9 Das Jüdische Echo 75 i'i f^':,; >' „ / -» : ui k.J L s*4w%. tischer Gebärde, die den Aufschrei des Glaubensbekenntnisses eindringlich begleitet, wird die aufwühlende Kraft der Ichud erlebt. Der überstrahlende Glanz, durch den die Erscheinung des Beters von seiner Umgebung geschieden und gleichzeitig herausgehoben wird, dient ebenso wie die bewegten Konturen des Gebetmantels zur Verbildlichung des geistigen Gehalts, der das Werk erfüllt. Das hier zur Wiedergabe gelangende Ölgemälde ,,Ha-01im“ drückt die Verbundenheit seines Urhebers mit der Leitidee des jüdischen Zukunftsglaubens einprägsam aus. Zu der im lichten Sonnenglanze strahlenden Stadt strebt unter der Führung eines rüstig ausschreitenden Greises, den Bender als Personifikation des heimkehrenden Ahasver empfindet, eine zielbewußte Schar Jugendlicher empor. Unschwer erkennen wir in ihnen die Chaluzim der geistigen und körperlichen Renaissance von Erez Israel, denen mit dem Anblick Jerusalems gleichzeitig das verheißungsvolle Bild des Pflügers entgegentritt. Neben diesen Gemälden hat Bender beachtenswerte Porträts geschaffen. Da ist aus jüngster Zeit sein Selbstbildnis und das sonnen- und farbendurehglühte Bild seiner Tochter hervorzuheben. Die Betätigung als Graphiker hat cs Bender ermöglicht, im Reklamewesen, auf dem Gebiete des Plakats, des Inserats und dem damit verwandten Bezirken erfolgreich Fuß zu fassen. Die Schlagkraft seiner auf klare Wirkung ausgehenden Blätter ist immer beachtlich, die Erfindungsgabe zeigt hei der Verschiedenwertigkeit der Aufgaben die große Vielseitigkeit des Künstlers. Daß er auch ungewöhnlichen Anforderungen gewachsen ist, beweist die Ausführung des im Außenwie Innenhau und in der Dekoration von ihm entworfenen „Vobach“-Hauses auf der Kölner „Pressa“ vom Jahre 1928. Dem rührigen Künstler wie liebenswürdigen Menschen wünschen wir weitere schaffende, erfolgreiche Jahrzehnte. München Theodor Harhurger Revisionisten versuchen 9 Bentwichs Antrittsvorlesung an der Jerusalemer Universität zu stören Jerusalem, 11. Februar. Die am Mittwoch, IG. Februar, nachmittags an der hebräischen Universität zu Jerusalem slattgefundene Antrittsvorlesung des früheren Oberstaatsanwalts Palästinas Norman Benlwichs, der zum Inhaber des Weizmann-Lehrsluhls für internationales Recht und Frieden an der Universität ernannt wurde, ist*durch Revisionisten erheblich gestört worden. Die Revisionisten brachen hei Erscheinen von Benlwich in feindliche Rufe gegen ihn aus, warfen Stinkbomben, riefen: „Nieder mit Bentwich, er möge dem Mufti Frieden predigen!“ usw. Die Störung war von einigen Führern der revisionistischen Jugend, unter ihnen Achi Mayer, arrangiert worden. Nachdem der Tumult etwa eine Viertelstunde gedauert hatte, erschien Polizei und verhaftete zwölf Ruhestörer. Die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency Dr. Chaim Arlosoroff, Dr. Maurice B. Hexler und Dr. Berkson, die der Vorlesung beiwohnten, bemühten sich, die wie wild sich gebärdenden jungen Leute zum Schweigen zu bringen. Die Revisionisten riefen: „Entfernt die Polizei aus dem Saale!“ Der Kanzler der Universität Dr. J. Magnes versprach, die Polizei zum Verlassen des Saales zu bewegen, wenn die Führer der Tumultanten sich verpflichten, für Wiedereinkehr der Ruhe zu sorgen. Schließlich trat Ruhe ein. Norman Bentwich, der diesen Vorgängen ruhig lächelnd zuschaute, nahm nun die Vorlesung auf und sprach eine Stunde lang über die Aufgabe seines Lehrstuhls. Als er mit dem Vorschlag endete, Jerusalem zum Zentrum der Weltfriedensbewegung zu machen, spendeten ihm die mehr als 600 Zuhörer enthusiastischen Beifall. Der Kanzler der Universität Dr. J. Magnes veröffentlichte nach Beendigung der Vorlesung von Bentwich die folgende Erklärung: „Ich bedauere es unendlich, daß sich heule nachmittag aus Anlaß der Antrittsvorlesung des Herrn Bentwich an der hebräischen Universität in Jerusalem, der Stadl des Friedens, Zwischenfälle solcher Art ereignen konnten. Ich habe sofort eine Untersuchung über Ursache und Urheber der Störung angestellt und kann auf Grund derselben feslslellen, daß es sich hei den Störenfrieden nicht um Studenten der Universität, sondern um Eindringlinge, die nicht Studenten sind, handelt. Ich erachte es als von Wichtigkeit, daß dies der Öffentlichkeit in Palästina und im Auslande zur Kenntnis gebracht wird.“ Aus der jüdischen Welt Neue Friedhofschändung Ein Grabstein auf dem Israelitischen Friedhof in Gleidingen (Kreis Hildesheim) wurde zur Nachtzeit von seinem Platz entfernt und auf einen Feldweg geschleppt. In den Gedenkstein sind ein Hakenkreuz und darunter die Namen zweier Gleidinger Nationalsozialisten, auf der anderen Seite ein Sowjetstern