Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 7 (12.2.1932)
- Date
- 1932-02-12
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 7 Das Jüdische Echo 59 Fragen, welche mit der Ansiedlung von Juden auf dem flachen Land und der Möglichkeit ihrer Berufstätigkeit in der Landwirtschaft Zusammenhängen, fanden eine tiefschürfende und für die Lösung des Problems bedeutungsvolle Behandlung. Daneben stand eine Reihe von Angelegenheiten auf der Tagesordnung, welche nicht die einzelnen Landesverbände betreffen, sondern über diese hinaus für das ganze Reich von Wichtigkeit sind. Insbesondere handelte es sich dabei um die Aufbringung der Mittel für Organisationen, die sich auf das Reichsgebiet erstrecken, insbesondere solche der Wohlfahrt und der Ausbildung, ferner der Mittel für die Gewährung von Unterstützungen an solche Beamten im Ruhestande, deren Tätigkeit sich auf mehrere Länder verteilte, und an Rabbiner, die früher im abgetretenen Gebiet amtiert haben. Dabei wurde auf Grund von eingehenden Mitteilungen über die Wirksamkeit des an der Universität Gießen tätigen Lektors der rabbinischen Wissenschaften und seiner Vorgänger die weitere Aufrechterhaltung der durch ihn bekleideten Stelle als im höchsten Grade wünschenswert bezeichnet. Während das Fortbestehen der großen Landesverbände trotz der immer wachsenden Schwierigkeiten, die die Aufbringung der Mittel mit sich bringt, gesichert erscheint, hat die sinkende Zahl der Juden und vor allem das allmähliche, aber unaufhaltsame Schwinden ihrer Steuerkraft die kleineren Landesverbände fast durchweg in die äußerste Gefahr gebracht. Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um sie zu erhalten und ihnen die Erfüllung der ihnen obliegenden Aufgaben zu ermöglichen. Ein besonderer Ausschuß der Reichsarbeitsgemeinschaft wird sich mit dieser Frage befassen, der im Interesse der den kleineren Landesverbänden angehörenden Gemeinden die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden ist. Alles in allem hat sich herausgestellt, daß in den für das ganze Reich gemeinsamen Angelegenheiten häufige Beratungen und Beschlußfassungen, unter Umständen auch ein tatkräftiges Handeln, nicht entbehrt werden können. Solange es nicht gelingt, die seit langer Zeit in Angriff genommenen Arbeiten zur Begründung eines Reichsverbandes der deutschen Juden zu einem glücklichen Ende zu führen, muß die Reichsarbeitsgemeinschaft im Rahmen der ihr gegebenen Möglichkeiten weiter die Interessen der deutschen jüdischen Gesamtheit wahrnehmen. Auf Grund des auch hierüber erfolgten gründlichen Meinungsaustausches kann gesagt werden, daß die niemals zum Stillstand gekommenen Bemühungen um die Schaffung einer Gesamtorganisation nicht vergeblich sein, sondern aller Voraussicht nach in absehbarer Zeit zur Erreichung dieses von allen Seiten mit Sehnsucht angestrebten Zieles führen dürften. Aus der jüdischen Welt Das Präsidium des KJV beim Rektor lm Zusamenhang mit den jüngsten judenfeindlichen Ausschreitungen an der Berliner Universität erschienen drei Vertreter des Präsidiums des Kartells jüdischer Verbindungen (KJV), nämlich Heinz Gerling, Hans Klee und Franz Brüll, beim Rektor und legten ihm die Auffassung der zionistischen Studentenschaft dar. Sie überreichten dem Rektor eine Entschließung des KJV, die folgenden Wortlaut hat: „Wieder ist es in den letzten Tagen zu antisemitischen Ausschreitungen an der Berliner Universität gekommen. Jüdische Studenten, Angehörige eines Volkes, dem Lehre und Studium in den Jahrtausenden seiner Geschichte Lebensinhalt gewesen sind und das seine Kämpfe mit geistigen Waffen auszutragen gelernt hat, können durch Beschimpfungen dieser Art in ihrer Ehre nicht getroffen werden. Wir verwahren uns jedoch gegen diese Angriffe,'die unsere Sicherheit und damit unsere Lernfreiheit, die ungestörte Vorbereitung auf unseren akademischen Beruf, bedrohen. Wir verlangen mit aller Entschiedenheit Schutz unserer Rechte von dem Kulturstaat, dessen Bürger wir sind, und von der Universität, deren geistiges Leben Juden lehrend und lernend gefördert haben und fördern.“ Der Rektor erklärte seine entschiedene Ablehnung gegen Kampfmethoden dieser Art, betonte, daß die „Deutsche Studentenschaft“, wie die Asta- Wahlen bewiesen haben, nur eine Minderheit der Studenten vertrete, und daß er die Forderungen der jüdischen Studentenschaft dem Senat der Universität übermitteln werde. Als unparteiischer Leiter lege er großen Wert darauf, mit allen Kreisen der Studentenschaft in lebendiger Fühlung zu bleiben. Wieder eine Friedhofsschändung ln der Nacht vom 23. auf 24. Januar d. J. wurden auf dem jüdischen Friedhof in Barnstorf (Bezirk Bremen) zwei Grabmäler geschändet. In Barnstorf leben drei jüdische Familien im besten Einvernehmen mit ihren nichtjüdischen Mitbürgern. In der Nacht der Tat fand in Barnstorf ein Ball der NSDAP, statt. Die Täter konnten bisher noch nicht ermittelt werden. Der C.-V. bei Minister Groener Wie der C.-V. mitteilt, wurden das Präsidium des C.-V. und einige andere Herren dieser Tage vom Reichsinnenminister Groener empfangen. Die Deputation wies auf die schädlichen Wirkungen der nationalsozialistischen antisemitischen Agitation im Innern und die dadurch bewirkte Schädigung des deutschen Ansehens im Auslande hin. Aus der Antwort des Ministers Groener empfing die Deputation, wie das Communique erklärt, die Überzeugung, „daß die Reichsregierung die Angriffe gegen die jüdische Religionsgemeinschaft und ihre Bekenner scharf mißbilligt und daß sie fest entschlossen sei, die verfassungsmäßigen Rechte aller deutschen Staatsbürger mit äußerster Entschiedenheit und mit Einsetzung aller Machtmittel zu schützen.“ — Die jüdische Öffentlichkeit wird von dieser Haltung des Reichsinnenministers mit Genugtuung Kenntnis nehmen, man darf ihr aber nicht einzureden versuchen, daß Erklärungen dieser Art ausreichen, um die Juden und Judentum bedrohenden Gefahren zu beseitigen. Der Krieg in China und die Juden Shanghai. Unter der Beschießung der Stadt Shanghai durch die Japaner, die zahlreiche Opfer unter der chinesischen Bevölkerung der Stadt gefordert hat, hat die jüdische Bevölkerung bisher nicht zu leiden gehabt. Jüdische Tote gab es bisher nicht, auch haben Juden keinen Vermögensschaden erlitten. Zahlreiche jüdische Einwohner von Shanghai sind in das Freiwilligenkorps zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Stadt eingetreten. In Shanghai existiert eine zahlreiche jüdische Bevölkerung, die sich aus verschiedenen Gruppen, den indischen Juden, den sogenannten Bagdad- Juden, den aus England und den westeuropäischen Ländern und den aus Rußland eingewanderten Juden, zusammensetzt. Wie aus Anlaß der Bedro-