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Das jüdische Echo · 1932-02-12 · 7 (12.2.1932) · p. Seite 58

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
7 (12.2.1932)
Date
1932-02-12
Page
Seite 58 (sequence 2)
Language
German
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58 Das Jüdische Echo Nr. 7 setzt waren, die am deutschen öffentlichen Leben teilgenommen haben, haben auf viele von uns abschreckend gewirkt und die allgemeine Lethargie, die auch weite Kreise der nichtjüdischen Bevölkerung ergriffen hat, noch erheblich verstärkt. Dazu kommt für uns Juden noch, daß augenblicklich die jüdische Not sowohl der deutschen Juden als vor allen Dingen weiter Kreise des Weltjudentums so ungeheuerlich groß ist, daß alle jüdischen Kräfte darauf konzentirert werden müssen, dieser jüdischen Not zu steuern. Nichtsdestoweniger müssen wir deutschen Juden uns darauf besinnen, daß wir ebenso wie die nichtjüdische deutsche Bevölkerung auch dem Land gegenüber, dessen Bürger wir sind, Pflichten als Staatsbürger haben. Die Tatsache, daß wir uns als dem jüdischen Volk zugehörig fühlen und das Judentum nicht nur als Religion ansehen, enthebt uns doch nicht des Zusammenhanges, den wir mit dem Lande haben, in dem wir leben, dessen Sprache wir sprechen und mit dessen Schicksal unser eigenes Schicksal notwendig verknüpft ist. Wenn wir auch noch nicht wissen, ob das Jahr 1932 eine endgültige Klärung der augenblicklichen Lage bringen wird, so steht doch jedenfalls schon jetzt fest, daß im Laufe dieses Jahres wichtige Entscheidungen fallen werden. Und zwar Entscheidungen weltpolitischer Bedeutung wie die Regelung des Reparationsproblems und Entscheidungen innerhalb Deutschlands. Die bevorstehenlen Wahlen, die uns dieses Jahr noch bingen wird, sind nicht Wahlkämpfe wie sie sonstige Jahre auch gebracht haben. Diesmal handelt es sich, und das fühlt jeder, um die Macht zwischen den staatserhaltenden Elementen und all den Kräften, die auf eine Diktatur abzielen. Welche Folgen der Ausgang dieses Machtkampfes für uns haben kann, das braucht wohl an dieser Stelle nicht mehr gesagt zu werden. Täglich kommen Meldungen über Boykott von Juden in allen Zweigen des Wirtschafts- und Gesellschaftslebens. Immer wieder Nachrichten über Gerichtsurteile, die ergehen mußten, um den schlimmsten Auswüchsen zu steuern. Jede Woche melden die jüdischen Zeitungen von einer oder gar von mehreren Friedhofsschändungen, von Belästigungen jüdischer Passanten oder gar von Überfällen nach der Art der Kurfürstendamm-Unruhen. Es ist zu befürchten, daß all diese Angriffe auf Juden in ganz anderem Umfange erfolgen werden und daß sie nicht mehr den Schutz der Gerichte und Behörden finden werden, wenn erst einmal der Kampf, der augenblicklich von einer starken Regierung unter Aufbietung aller Machtmittel, soweit es irgend geht, niedergehalten wird, zum vollen Austrag kommen sollte. In dem bevorstehenden Kampfe haben alle in Deutschland wahlberechtigten Juden die Pflicht, alles zu tun, um die Parteien zu stärken, deren Politik den jüdischen Interessen nicht zuwiderläuft. Alle deutschen Juden haben die Pflicht, zu den augenblicklichen wichtigen politischen Ereignissen in Deutschland, der des Hindenburg-Ausschusses und der Schaffung der Eisernen Front, Stellung zu nehmen. Es ist nicht Aufgabe der „Jüdischen Zeitung“, in parteipolitisch-innerdeutschen Fragen ihren Lesern eine bestimmte Richtung zu weisen, es liegt uns auch fern, den Lesern unseres Blattes die Eintragung in die Listen für den Hindenburg-Ausschuß und für die Eiserne Front zu empfehlen. Aber jeder hat im gegenwärtigen Augenblick die Pflicht, sich selbst die Frage vorzulegen, in welcher Weise er auf Grund seiner politischen Auffassung zu diesen Fragen Stellung nimmt. Keiner darf aus Trägheit und Bequemlichkeit, wenn ihm seine politische Auffassung die Eintragung in eine dieser Listen vorschreibt, diese Eintragung unterlassen. Staatsbürgerrecht ist Staatsbürgerpflicht. m. w. Eine jüdische Reichsvertretung Berlin, 2. Februar. Amtlich. Die Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände des Deutschen Reiches trat am 31. Januar in Berlin zu einer Sitzung zusammen, an der zahlreiche Vertreter, insbesondere diejenigen des preußischen und der süddeutschen Verbände, teilnahmen. Wie der Vorsitzende, Kammergerichtsrat Leo Wolff, bei der Begrüßung der Anwesenden hervorhob, ist seit der letzten Zusammenkunft ein volles Jahr vergangen, ein Jahr, in dem die auf Deutschland lastenden Sorgen die jüdische Bevölkerung und ihre Organisationen in besonders starkem Maße bedrückten. Diese Sorgen und die in Frage kommenden Möglichkeiten, ihnen zu begegnen, nahmen in den Beratungen einen breiten Raum ein und gaben den Unterton selbst bei solchen Punkten der umfangreichen Tagesordnung, die auf einem scheinbar von den Sorgen des Tages nicht berührten Gebiete lagen. Die politische Entwicklung hat es mit sich gebracht, daß es denjenigen Parteien, bei denen der Judenhaß einen unentbehrlichen Teil ihres Programms bildet, geglückt ist, ihre Anhängerzahl in geradezu verhängnisvoller Weise zu vermehren. Das deutsche Judentum ist der ihm dadurch drohenden Gefahr gegenüber nicht blind. Allerorten haben seine verantwortungsbewußten Führer bei den zuständigen Stellen in geeigneter Weise auf diese hingewiesen und auch von sich aus Maßnahmen ergriffen, die zum Schutze von Leib und Leben, sowie der Ehre des jüdischen Namens nötig sind. Um auch an der zentralsten Stelle, von der den etwa kommenden Ereignissen am wirkungsvollsten entgegengetreten werden kann, ein besonderes Organ zu besitzen, das hierzu berufen und legitimiert ist, hat die Reichsarbeitsgemeinschaft den Beschluß gefaßt, zur Vertretung der jüdischen allgemeinen Interessen bei den öffentlichen Stellen im Reiche eine Reichsvertretung zu schaffen. In diese soll der Preußische Landesverband 6, die süddeutsche Arbeitsgemeinschaft 4 und die übrigen Landesverbände 3 Mitglieder abordnen, auch sollen ihr 2 Rabbiner angehören. Diese Reichsvertretung soll in geeigneten Fällen mit anderen sich über das Reich erstreckenden jüdischen Organisationen, insbesondere mit dem Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Zusammenwirken. Es darf erwartet werden, daß die so gebildete Reichsvertretung kraft der ihr innewohnenden Autorität ihre Aufgaben erfolgreich durchzuführen in der Lage sein wird. Ein großer Teil der Beratungen war der wirtschaftlichen Not der jüdischen Bevölkerung gewidmet. Der Berichterstatter, Dipl.-Ing. Bruno Woyda, knüpfte an die früher über die Tätigkeit des Preußischen Landesverbandes in dieser Beziehung erstatteten Mitteilungen und besonders an die Beratungen an, welche am Abend zuvor in der neugebildeten Arbeitsgemeinschaft für jüdische Wirtschaftsfragen stattgefunden hatten (über die wir schon berichteten). Hervorzuheben sind die von verschiedenen Seiten gemachten Ausführungen über die Notwendigkeit der Schaffung von Bezirksdarlehenskassen und der nebenberuflichen Städteransiedlung von Erwerbslosen. Auch die

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