Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 6 (5.2.1932)
- Date
- 1932-02-05
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Das Jüdische Echo Nr. 6 Keine hebräisch geschriebenen Telegramme durch die palästinensischen Telegraphenäimter Genf, 27. Januar. (JTA.) Die soeben veröffentlichten Protokolle über die Verhandlungen in der letzten Saison der Mondatskommission des Völkerbundes enthalten u. a. einen Bericht des Mitglieds der Kommission Dr. Ruppel (Deutschland) über die Petition des palästinensischen Einwohners J Israel Amikam betreffend die Nichtannahme von in hebräischen Buchstaben aufgesetzten Telegrammen durch die palästinensischen Telcgraphenämter. Amikam führte in seiner Petition aus, daß gemäß dem Mandat die hebräische Sprache eine der offiziellen Sprachen Palästinas sei und daß darum die Nichtannahme hebräisch geschriebener Telegramme eine eklatante Verletzung des Mandats bedeute. Die Palästina-Regierung, die diese Petition an die Mandatskommission übersandte, begleitete dieselbe mit Bemerkungen, in denen dargelegt wird, daß die Annahme von in hebräischen Buchstaben geschriebenen Telegrammen mit großen technischen Schwierigkeiten und großen Kosten verbunden wäre; die Mehrkosten würden sich auf jährlich 4500 Pfund belaufen. Wohl müsse bei richtiger Interpretation der Mandatsbestimmungen die hebräische Sprache in gesetzgebenden Versammlungen, bei Gerichten, bei Eingaben an die Regierung u. ä. m. zugelassen werden, dies bedeute jedoch noch nicht, daß die Regierung bei einer kommerziellen Unternehmung, wie es die Post ist, verpflichtet sei, den Gebrauch von allerlei Buchstaben ohne Rücksicht auf den finanziellen Effekt zuzulassen. Das oberste palästinensische Gericht hatte bereits einmal entschieden, daß die Nichtannahme hebräisch geschriebener Telegramme dem Mandat nicht widerspricht. Telegramme in arabischen Buchstabein werden zur Beförderung angenommen, weil die arabischen Buchstaben im internationalen Telegrammverkehr zwischen arabischen Ländern anerkannt sind. Verzweifelte Lage der jüdischen Wanderhändler in Posen W arsc h a u, 26. Januar. (JTA.) Im Posenschen leben mehrere Hundert jüdische Familien vom Wfanderhandel. Allein in Kalysz gibt es 500 solcher Familien, die regelmäßig mit ihren Waren die Jahr- und Wochenmärkte im Distrikt Posen besuchten. Seit einiger Zeit aber werden die jüdischen Wanderhändler auf den Märkten systematisch von Huligans überfallen und oft ihres gesamten Wjarenbesitzes beraubt, wodurch sie wirtschaftlich ruiniert werden. Vor wenigen Tagen wurden auf dem Jahrmarkt in Krotoschin mehrere jüdische Markthändler aus Kalysz ihres gesamten Warenbesitzes beraubt. Die um Hilfe angerufene Pohzei weigerte sich zu intervenieren. Die Kolyszer Wanderhändler sandten eine Abordnung nach Warschau, um die Zentralregierung um Hilfe gegen solche Überfälle zu ersuchen. Es wurde der Regierung ein Protokoll übergeben, in dem 20 jüdische Wfcmderhändler aufgezählt sind, die durch die Vorfälle in Krotoschin ihrer gesamten Habe beraubt worden sind und nun ganz ohne Mittel dastehen. Die Hebrä(ische Universität in Jerusalem nimmt die erste Graduierung vor Jerusaelm, 26. Januar. (JTA.) Am Montag, dem 25. Januar, fanden an der Hebräischen Universität zu Jerusalem die ersten akademischen Graduierungen statt. Dreizehn Studierende, unter ihnen zwei Frauen, erhielten an der Fakultät für klassische Sprachen und Literaturen den Magistergrad. Die Graduierung vollzog sich in einer feierlichen Zeremonie, der der High Commissioner General Sir Arthur Wauchope, der Chef des Justizdepartements der Regierung, die Professoren- und Dozentenschaft der Universität, 50 Angehörige des Konsularkorps, Vertreter der akademischen Körperschaften, wissenschaftlichen Gesellschaften und Kirchen u. a. beiwohnten. Der Dekan der Fakultät für klassische Sprachen und Literaturen Professor Dr. Samuel Klein geleitete die zu Graduierenden in den Saal, woraufhin der Kanzler der Universität Dr. J. L. Magnes die Graduierungen vornahm und die Zeremonie mit einer Ansprache an die Graduierten abschloß. Die arabische Exekutive beim High Commissioner Jerusalem, 30. Januar. (JTA.) Der Präsident der arabischen Exekutive, Muza Kazim Pascha, und die Sekretäre der Exekutive, Dsohemal Husseini und Auni Bey Abdul Hadi, besuchten am 27. Januar den High Commissioner Sir Arthur Wauchope und unterbreiteten ihm die Forderungen der arabischen Exekutive hinsichtlich der zukünftigen Verfassung Palästinas und des Landentwicklungsplans. Auni Bey Abdul Hadi trat leidenschaftlich für die Schaffung eines Parlaments in Palästina ein. Wie die JTA. erfährt, war die Antwort des High Commissioner auf diese Forderung vollkommen unverbindlich. Bevor der High Commissioner die arabischen Repräsentanten empfing, lud er den Leiter der Zionistischen Exekutive Palästinas, Dr. Chaim Arlosoroff, zu sich ein und hatte mit ihm eine Unterredung, die etwa eineinhalb Stunden dauerte. Großer Waldfrevel bei Nahalal Haifa, 27. Januar. (JTA.) In dem dem Keren Kajemeth gehörenden Walde in der Nähe von Nahalal wurden von Frevlern 2500 junge Bäume entwurzelt und die zur Einzäunung des Waldes eingesetzten Pfähle herausgerissen und mitgeschleppt. Mehrere Beduinen wurden als der Tat verdächtigt verhaftet, aber bald wieder freigelassen. Nahum Sokolow in Kanada Montreal, 26. Januar. (JTA.) Nahum Sokolow, der Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, ist zur Eröffnung der 23. Jahresversammlung der kanadischen Zionisten am 25. Januar in Montreal eingetroffen und hielt, von rauschendem Beifall der aus ganz Kanada eingetroffenen Delegierten und sehr zahlreicher Gäste begrüßt, in der Eröffnungssitzung eine Ansprache über die gegenwärtige politische Lage des Zionismus. Gemeinden- und Vereins-Echo I>er Etat der Kultusgemeinde M ü nehen, 29. Januar. Nach langen Beratungen einer Sparkommission, des Finanzausschusses und des Gemeindevorstandes konnte am Donnerstag, 28. Januar, auch die Gemeindevertretung der Israelitischen Kultusgemeinde über den Etat für das Haushaltsjahr 1932 beschließen. Der Beratung über diesen wichtigen Gegenstand ging eine Beschlußfassung über eine Gehaltskürzung nach Maßgabe der letzten Notverordnung voraus.