Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 4 (22.1.1932)
- Date
- 1932-01-22
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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36 Das Jüdische Echo Nr. 4 Jahrhunderte die polnischen Juden innehatten, die dann auf das deutsche und schließlich auf das amerikanische Judentum überging. Ruppin glaubt allerdings, daß die amerikanischen Juden infolge ihrer fortschreitenden Assimilierung die Hegemonie nicht behalten werden, die polnischen Juden kämen infolge ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeit nicht in Frage und so ergibt sich bloß die Möglichkeit, daß ein erstarkendes Palästina sie übernimmt. Im Schlußteil über die Zukunft der Juden stellt Ruppin keine Prognose. Er hat die zerstörenden und erhaltenden Kräfte aufgezeigt, der Ausgang des Kampfes sei ungewiß. Der jüdische Selbsterhaltungstrieb bedürfe keiner Rechtfertigung. Ob dem Selbsterhaltungstrieb jedoch Erfolg beschieden sein wird, hängt davon ab, ob an Stelle oder neben der Religion ein Ideal gefunden wird, das das Gemeinschaftsgefühlt stärkt. Ein solches Ideal ist der Zionismus, Palästina wird zu einem Pilgerland für die Diasporajudenheit werden. Wollen wir das Ruppinsche Werk als Ganzes beurteilen, so muß gesagt werden, daß es in der Fülle des gebotenen Materials ein unübertreffliches Fi'andbuch des sozialen Lebens der Juden darstellt, ein unentbehrliches Nachschlagewerk. Ch. H. Aus der jüdischen Welt Eine Granate auf dem jüdischen Friedhof von Herford Berlin, 15. Januar. (JTA.) Aus Herford wird telegraphiert: Am 14. Januar, vormittags, wurde am Eingang des jüdischen Friedhofs eine scharfe Granate, Kaliber 7,7 Zentimeter, aufgefunden, die offenbar böswillig dort hingelegt wurde. Die Nachforschungen nach der Herkunft des Geschosses blieben bis jetzt ergebnislos. Nationalsozialist bedroht eine jüdische Verkäuferin Berlin, 15. Januar. (JTA.) „Vorwärts“ teilt mit: „Ein kaum glaublicher Vorfall trug sich gestern abend in einem Herrenartikelgeschäft in der Großen Frankfurter Straße 10 zu. Gegen: halb 7 Uhr erschien in dem Laden der 22 Jahre alte Schriftsetzer Georg F. aus der Erasmusstraße und Wollte angeblich einen Kragen kaufen. Plötzlich fragte er die ihn bedienende Verkäuferin, ob sie Jüdin sei. Als die Frau das bejahte, begann F. zu schimpfen. Plötzlich zog der Hakenkreuzler ein Messer und wollte sich damit auf die Verkäuferin stürzen. Andere Kunden traten jedoch rechtzeitig dazwischen und verhüteten Unheil. Der Nazimesserheld, der auf eine wehrlose Angestellte einstechen wollte, wurde der Polizei übergeben.“ Synagogenschälndungen in Oldenburg und in Insterburg Berlin, 8. Januar. (JTA.) Dem Central-Verein wird über zwei neue Synagogenschändungen mitgeteilt: Die Synagoge in Oldenburg wurde von bisher unbekannten Tätern mit der Aufschrift: „Jude, Jesuit und Freimaurer vergiften den Weltfrieden“, beschmiert. Die Fenster der Synagoge in Insterburg wurden unlängst in der Nacht mit Steinen beworfen, dabei wurde auch der Almemor stark beschädigt. Es gelang bisher nicht, die Täter zu ermitteln. Bialik in Hamburg Hamburg, 11. Januar. (JTA.) Am 9. Januar, abend, traf Chaim Nachman Bialik, von einer vielhundertköpfigen Menge am Bahnhof erwartet, in Hamburg ein. Er wurde im Hause des Vorsitzenden des Hamburger Synagogenverbandes, Dr. Zunz, von Jugendlichen und älteren Akademikern empfangen und den Herren Professor Markon, Lehrer Banin und Esriel Carlebach in hebräischen Ansprachen begrüßt. Der Dichter antwortete mit aphoristischen Ausführungen über den Geist des jüdischen Liedes und Gesanges. Am Sonntag, dem 10. Januar, mittags, las er dann vor etwa 1000 Personen über „Kultur und Kultus“. Abends fand das Bankett statt, das die Hamburger Gemeinde gemeinsam mit den Logen und der Franz-Rosenzweig-Stiftung dem Ihichter gaben. In einem ergreifenden Schlußwort dankte Bialik für die Ehrungen, die, wie er sagte, er ja seinen Kollegen in der hebräischen Literatur, denen man sie eigentlich schuldet, „fortnimmt“. Ein Jude stellvertretender Volkskommissar für Verkehr in Rußland Moskau, 12. Januar. (JTA.) Wladimir Schatow, ein Jude, wurde zum stellvertretenden Volkskommissar für Verkehr ernannt. Nach der Revolution war er Stadtkommandant von Petrograd. Später wurde er Kommandant der grandiosen mittelasiatischen Eisenbahnlinie Turksib, bei deren Bau er sich hervorragend auszeichnete. Rund 500 Juden kamen im Dezember nach Palästina Jerusalem. Im Verlauf des Dezember 1931 kamen, wie soeben vom Einwanderungsamt mitgeteilt wird, 499 Juden, 139 Christen und 15 Moslems nach Palästina. In dem gleichen Monat verließen 80 Personen das Land. Die Jewish-Agency-Schulen immer noch geschlossen Jerusalem, 18. Januar. (JTA.) Die Schulen der Jewish Agency in Palästina blieben infolge des Lehrerstreiks auch am Sonntag, dem 17. Januar, geschlossen:. Die Exekutive der Jewish Agency hielt an diesem Tage gemeinsam mit Vertretern des Wjaad Leumi, der Histadruth, der Elternschaft und der Lehrerschaft eine Konferenz ab, in der versucht wurde, den Streitfall beizulegen. Man erwartete am Montag die Lösung. Mord an einem Kolonisten in Balfouria Jerusalem, 18. Januar. (JTA.) Am 16. Januar, um Mitternacht, wurde in Balfouria im Emek Jezreel, der ersten Kolonie amerikanischer Zionisten in Palästina, der Kolonist Joseph Burstein vor der Tür seines Hauses, das ungefähr 50 Meter von der Straße Afuleh-Nazareth entfernt gelegen ist, von unbekannten Tätern durch Schüsse in den Kopf getötet. Der Vater Bursteins wurde von den Tätern zurückgetrieben. Hierauf ergriffen die Mörder die Flucht, nachdem sie ein Bündel Kleider an der Mordstelle zurückgelassen hatten. Man fand eine nach Jenin führende Fußspur, die möglicherweise von den Mördern herrührt. Als der Täterschaft verdächtig wurden in der Nähe von Jenin sieben Araber verhaftet. Die Polizei von Tel-Awiw bleibt jüdisch Jerusalem, 13. Januar. (JTA.) Wie die JTA schon mitgeteilt hat, beschwerte sich der Bürger-