Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 2 (8.1.1932)
- Date
- 1932-01-08
- Page
- Seite 17 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103089-9179434--12173-9084243- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 2 Das Jüdische Echo 17 gewissen persischen Behörden unbequem war, geworden ist. Als Deputierter Schmuei Jescheskel Ghaim verhaftet wurde, war er 35 Jahre alt, zur Zeit seiner Hinrichtung hatte er das 40. Lebensjahr erreicht. Er stammt aus Kermanschah in der Nähe der Irakgrenze. Er besuchte in der Jugend die Schulen der Alliance Israelite Universelle, arbeitete während des Krieges im Büro der englischen Vertretung in Persien und kam, als die englischen Streitkräfte Persien verließen, nach Teheran, wo er sich im öffentlichen Leben außerordentlich hervortat. Er leitete eine energische Kampagne für Neuorganisation der jüdischen Gemeinden, der Schul-Komitees und der Hilfs-Komitees ein und wurde einer der Führer der Zionistischen Organisation. Die Judenheit Persiens entsandte ihn als ihren Vertreter in das Parlament, nachdem sie ihren früheren Parlamentsvertreter Dr. Loghman wegen seines Versagens in der Verfechtung der Interessen der jüdischen Bevölkerung aus dem Parlament zurückgezogen hatte. Deputierter Schmuei Jescheskel Chaim wurde im Mai 1926 verhaftet, kurz darauf aus der Haft entlassen, aber im Oktober 1926 neuerdings verhaftet und, ungeachtet der von der Zionistischen Exekutive wiederholt zu seinen Gunsten unternommenen Interventionen, bis zu seiner Hinrichtung ununterbrochen gefangen gehalten. Die Zionistische Exekutive hatte Chaiim im Mai 1926 auf Vorschlag der Zionisten Teherans zu ihrem Vertreter in Persien in der Angelegenheit der Auswanderung persischer Juden nach Palästina ernannt. Als Chaim im Oktober 1926 zum zweiten Male in Haft genommen wurde, hieß es, die Polizei hätte Beweise in der Hand, daß Chaim mit in eine Verschwörung verwickelt sei, die die Beseitigung des Schahs, des Kronprinzen, hoher Offiziere und einiger Mitglieder des Parlaments, ferner die Bildung einer neuen Regierung zum Ziele hatte. Die Polizei erklärte, die Verschwörung sei so gut organisiert gewesen, daß sie, wäre sie nicht rechtzeitig aufgedeckt worden, Erfolg gehabt hätte. Persisch-jüdische Persönlichkeiten erklärten demgegenüber, daß Chaim, mit dem sie ständig in Berührung gestanden hatten, zwar ein leidenschaftlicher Politiker sei und als Jude ständig gegen die Verfolgung der jüdischen Bürger durch die Behörden protestiert hatte, daß er auch ein aktiver Zionist sei, daß er aber nichts mit irgendeiner politischen Verschwörung zu tun gehabt haben konnte. Offen wurde erklärt, daß die Regierung nur darum Chaim aus dem Wege räumen wolle, weil er allzu unerschrocken die Interessen der verfolgten Juden vertritt. Kurz nach der Verhaftung Chaims verbreitete sich das Gerücht, daß er hingerichtet worden ist. Das Gerücht stellte sich als unrichtig heraus. Die Zionistische Exekutive in London bemühte sich um die Freilassung Chaims und unterbreitete der persischen Regierung durch den englischen Konsul den Vorschlag, Chaim zu erlauben, nach Palästina auszu wandern. Alle diese Bemühungen waren erfolglos. Im, Verlauf dieser Verhandlungen wurde von autoritativer persischer Seite erklärt, Chaims wirkliches Vergehen war nicht Teilnahme an einer Verschwörung sondern die Absendung eines Briefes an den Völkerbund, in dem er sich, als Mitglied des persischen Parlaments, bitter über die Behandlung der Juden in Persien beschwerte. Der Völkerbund hatte auf diesen Brief hin eine Anfrage an die persische Regierung gerichtet, woraufhin der Schah den jüdischen Deputierten zu sich kommen ließ und ihn aufforderte, dem Völkerbund mitzuteilen, daß hinsichtlich der Behandlung der Juden durch die persischen Behörden alles wieder in Ordnung sei. Deputierter Chaim erklärte sich bereit, ein solches Schreiben nach folgenden Bedingungen abzusenden: Erstens solle der die Juden unterdrückende Polizeichef entlassen werden, zweitens solle mit der Unterdrückung der Juden in Persien wirklich ein Ende gemacht werden. Der' Schah geriet über diese Forderungen in Zorn, um so mehr als der von Chaim angegriffene Polizeichef ein naher Verwandter von ihm ist. Chaim wurde sofort verhaftet und wegen Verschwörung gegen den Schah zum Tode verurteilt. Nach der Verhaftung von Schmuei Jescheskel Chaim im Jahre 1926 schrieb ein prominenter persischer Jude über dis Lage der Juden in Persien folgendes: „Unterdrückt, verfolgt, verachtet, sind die persischen Juden in ihrem eigenen Lande, vergessen sind sie auch von den jüdischen Gemeinschaften in der Welt. Niemand kennt sie, keiner fragt nach ihnen, sie selbst haben weder Kraft noch Energie mehr, irgendwas zum eigenen Besten zu unternehmen. Die persische Judenheit ist ein abgestandenes Gewässer im jüdischen Leben geworden.“ Neues aus Palästina Lord Readings Reise durch Palästina Dagania Jerusalem, 28. Dezember. (JTA.) Am 26. Dezember besuchten Lord und Lady Reading die jüdische Kolonie Dagania. Die Kolonisten von Dagania bereiteten den Gästen einen ehrenden Empfang, dem fast alle jüdischen Siedler im Jordan- Tale beiwohnten. Lord Reading hielt an die Siedler eine Ansprache, in der er erklärte: Das jüdische Nationalheim, das sich bisher so gut entwickelt hat, wird auch in Zukunft immer kräftig gedeihen. Die jüdischen Kolonisten und auch ihre Kinder werden sich der Sicherheit erfreuen, die sie vollauf verdienen. Das Mitglied der Executive der Jewish Agency, Dr. Chaim Arlosoroff, der sich ebenfalls in Dagania einfand, hieß Lord und Lady Reading im Namen der Jewish Agency willkommen. Joseph Baratz, der im Namen der palästinensischen Arbeiterorganisation (Histadruth haowdim) sprach, beklagte es, daß heute noch keine Sicherheit dafür bestehe, daß das jüdische Werk in Palästina fortgeführt werden könne, ohne die Furcht, daß es unterminiert und Angriffen ausgesetzt werde. Mit diesen Ausführungen spielte Baratz auf die auf der jüngst in Jerusalem stattgefundenen Moslem-Konferenz gegen die Juden geführte Hetze an. Von Dagania begaben sich Lord und Lady Reading nach dem Balfour-Wald, wo jeder von ihnen eine Kiefer pflanzte. Diesem feierlichen Akte wohnten Pinchas Ruthenberg und, vom Hauptbüro des Keren Kajemeth in Jerusalem, Epstein und Weitz bei. Lord und Lady Reading begaben sich hierauf nach Haifa, wo am 27. Dezember im Imperial Chemical Building anläßlich des ersten Jahrzeittages für Lord Melchett ein Gedenkgottesdienst abgehalten wurde. Lord Reading hielt die Gedenkrede auf Lord Melchett und sagte, Lord Melchett war es, der ihn, Reading, inspiriert habe, für Palästina zu arbeiten. Ohne diese Inspiration, schloß Rea-