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Das jüdische Echo · 1932-01-08 · 2 (8.1.1932) · p. Seite 16

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
2 (8.1.1932)
Date
1932-01-08
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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16 Das Jüdische Echo Nr. 2 zufrieden sein. Die Welt hat gesehen, daß ihm von arabischer Seite keine Gefahr droht, daß es stark genug ist, um den Mufti — ohne besonders scharfe Maßnahmen ergreifen zu müssen — im Zaume zu halten. Es genügt die genaue Kenntnis des Terrains und die Kunst, Araber gegen Araber auszuspielen ... Viel weniger Ursache zur Zufriedenheit haben wir — Juden, die an dem nationalen Aufbauwerk in Palästina interessiert sind. Der Moslemkongreß hat jedenfalls das über dem Pionierwerk in Palästina lastende Gewölk noch mehr verdichtet. Zwar steht noch die Realisierung der Kongreßbeschlüsse, die den im Namen der „bedrohten Heiligtümer des Islam“ notwendigen Kampf gegen den Zionismus proklamieren, im weiten Felde. Zwar haben unsere Siedlungen schon bewiesen, daß sie das in den Boden Palästinas eingesenkte Liebesopfer zu verteidigen wissen; auch hat sich das uns bedrohende Gespenst des Panislamismus nicht so grauenerregend erwiesen, als man es für gewöhnlich malte. Aber alles das bietet keinen Anlaß zu übertriebenem Optimismus. Der Panislamismus erwies sich zwar im Lichte des Kongresses als eine nur in der Phantasie bestehende Wirklichkeit, wahre Wirklichkeit dagegen ist die feindselige Haltung der arabischen Notabein — sowohl der Anhänger des Mufti als auch der seiner Opposition — unserem palästinensischen Mühen und Hoffen gegenüber. Der arabische Schatten, der unsere Arbeit begleitet, besteht und wächst in dem Maße, als unser Aufbauwerk fortschreitet. Eine hinreichende Ursache zu unablässiger Wachsamkeit! Der antisemitische Terror in Posen Warschau, 27. Dezember. (JTA.) Der von nationalistischen Polen in den Woiwodschaften Posen, Pomerellen und Oberschlesien organisierte antisemitische Boykott-Terror wird insbesondere von den jüdischen Klein- und Wanderhändlern als unerträglich empfunden. Vor einigen Wochen überfielen organisierte Huligans jüdische Markthändler auf dem Jahrmarkt in Grodzisk-Poznanski, wobei 162 jüdische Markthändler Schaden an Gesundheit und Eigentum erlitten haben, einigen von ihnen fügten die Huligans schwere Verletzungen zu. In Nowo-Mjasta (Pomerellen) hetzt die lokale polnische Presse in unerhörter Weise zum Boykott gegen die Juden. Flugblätter mit jüdischen Karikaturen werden in Massen verbreitet. In Oberschlesien sind die jüdischen Kleintmd Wanderhändler grausamen Verfolgungen, zum Teil auch durch die Behörde selbst, ausgesetzt. Der Magistrat von Nowo-Wesz verbot speziell jüdischen Kleinhändlern den Besuch der Märkte. Jeder jüdische Händler muß sich einen christlichen Kompagnon nehmen, dem er für den Markttag 15 Zloty zahlt. Im Städtchen Szwentoehlowice darf ein jüdischer Händler den Markt überhaupt nicht betreten. Auch darf ein Jude keinen Laden im Orte eröffnen. Zum Teil stützen sich die Behörden in den erwähnten und den anderen Städten bei der Anwendung von Schikanen gegen die jüdischen Kleinhändler auf frühere deutsche Gesetze und Verordnungen, wobei diese in einer Weise ausgelegt werden, daß nichtjüdischen Kleinhändlern Gelegenheit gegeben wird, durch die Maschen der Gesetze zu schlüpfen, jüdische Händler aber in ihnen hängen bleiben. So wurde es erreicht, daß allein in Oberschlesien Hunderte jüdische Kleinhändlerfamilien an den Bettelstab gebracht wurden. All dieses und anderes Material wurde zu einem Memorandum zusammengefaßt und durch eine Abordnung, bestehend aus dem Vorsitzenden des polnisch-jüdischen Kleinhändlerverbandes Adv. B. Sundelewicz, dem Mitglied der Verbandsexekutive M'. Wermkraut und den Verbandsdirektor D. Berliner, dem politischen Departement des Innenministeriums überreicht. In dem Memorandum wird gefordert: 1. strenge Bestrafung der Schuldigen an dem Überfall in Grodzisk-Poznanski; 2. Erlaß von Instruktionen an die Polizeiämter, daß den jüdischen Kleinhändlern Schutz gewährt wird; 3. Befreiung der jüdischen Bevölkerung vom Boykott-Terror; 4. Verwarnung der zu Boykott und Überfällen hetzenden Zeitungen und Bestrafung der schuldigen Redakteure; 5. Die Stadtverwaltungen sollen angewiesen werden, bei Bewilligung von Marktlizenzen keinen Unterschied nach Religion und Abstammung zu machen. Nach längeren Verhandlungen erklärte der Direktor des politischen Departements; 1. Das Innenministerium wird mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln die Huligan-Uberfälle und den Terror gegen die jüdische Bevölkerung unterdrücken. Uber die bisherigen Terror-Akte wurde eine Untersuchung eingeleitet. 2. Die Fälle von Judenverfolgungen in Oberschlesien werden untersucht; es muß aber in Betracht gezogen werden, daß die oberschlesische Woiwodschaft eine Autonomie besitzt. Das Innenministerium wird sich mit der Woiwodschaft in Verbindung setzen und zu der Frage der Judenverfolgungen Stellung nehmen. Warschau, 31. Dezember. (JTA.) Abgeordneter J. Grünbaum sandte im Namen des Jüdischen Parlamentsklubs an den Innenminister ein Schreiben, in welchem die in Posen am 13. Dezember stattgefundenen pogromartigen antisemitischen Ausschreitungen eingehend igeschildert werden und hinzugefügt wird, daß die Judenschaft Polens unter einem unaufhörlichen antisemitischen Terror steht. Die Juden Posens wagen es nicht, irgendeine Veranstaltung kulturellen und anderen Gharakters zu arrangieren. Die Behörden dulden jede antisemitische Straßendemonstration und die antisemitische Boykottpropaganda. Grünbaum fordert den Minister auf, eine Untersuchung dieser Haltung der Posener Sicherheitsorgane einzuleiten, die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen und der jüdischen Bevölkerung in Posen die Möglichkeit zu kultureller jüdischer Arbeit zu geben. Jüdische Tragödie in Persien Teheran, 1. Januar. (JTA.) Nach mehr als 5jähriger Gefangenschaft wurden in diesen Tagen in Teheran Herr Schmuei Jescheskel Chaim (auf Grund der persischen Verfassung wählen die etwa 6ü 000 persischen Juden in einer besonderen Kurie einen Deputierten in das Parlament), hingerichtet. Er war auf Grund einer Beschuldigung, in eine Verschwörung gegen das Leben des Schah verwickelt gewesen zu sein, zum Tode verurteilt worden. Unter den Juden Persiens glaubt niemand, daß diese Anklage gegen Chaim irgendwie begründet war, man glaubt vielmehr, daß Chaim ein Opfer seines jugendlichen Temperaments und seines aufrechten und mutigen Eintretens für die Rechte und Interessen der persischen Juden, das

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