Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 1 (1.1.1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Das Jüdische Echo Nr. 1 Gemäß dem Gesetz zur Scheidung der Rassen gilt als fremdrassig derjenige, von dessen Vorfahren einer der Eltern oder zwei der Großeltern fremdrassig gewesen sind. Als fremdrassig gelten dabei alle farbigen Rassen, die vörderasiatische und orientalische Rasse einschließlich der Juden. Falsche Angaben über Rasseabstammung werden mit Zuchthaus und Einziehung des Vermögens bestraft. Die als fremdrassig Festgestellten haben sich künftig als fremdrassige (Juden, Neger, Mongolen, Orientalen) deutscher Staatsangehörigkeit (Juden aus Deutschland usw.) zu bezeichnen. In dem Gesetz zur Reinerhaltung der Rasse sind Ehen zwischen Deutschen und fremden Rassen verboten. Außerehelicher Geschlechtsverkehr zwischen Deutschen und Fremdrassigen wird mit Zuchthaus des fremdrassigen, mit Gefängnis des deutschen Teiles bestraft. Prostituierte fallen nicht unter das Gesetz. In dem Referat des Apothekers Bruger wurde gefordert, daß Apotheker-Konzessionen nur an Staatsbürger im nationalsozialistischen Sinne, nicht aber an Juden, vergeben werden dürfen. Wie die Nationalsozialisten den antijüdischen Boykott organisieren Berlin, 22. Dezember. (JTA.) In Magdeburg hat sich innerhalb der nationalsozialistischen Ortsgruppe eine „Arbeitsgruppe für Handel und Gewerbe“ gebildet, die insgeheim den Boykott der Geschäfte mit jüdischen Inhabern organisiert. In einem Rundschreiben der Ortsgruppe heißt es: „Die Arbeitsgemeinschaft hat eine Liste herausgegeben, die ich Ihnen inliegend zugehen lasse. In dieser Liste sind alle diejenigen Geschäfte und Lieferanten aufgeführt, welche wir bei unseren Einkäufen in erster Linie berücksichtigen müssen. Im übrigen muß ich darauf hinweisen, daß ich in Zukunft jeden Parteigenossen, der in einem jüdischen Geschäft Einkäufe tätigt, wegen parteischädigenden Verhaltens dem Untersuchungs- und Schlichtungsausschuß zum Ausschluß aus der Partei melden werde.“ Die beigefügte Liste ist ein Heftchen von acht Seiten mit dem Titel „Branchen-Verzeichnis“. Darin sind Firmen aufgeführt, die als zuverlässige Bezugsquellen für die Nationalsozialisten gelten sollen. Eine jiddische Tageszeitung in Brüssel Brüssel, 20. Dezember. (JTA.) Seit kurzem erscheint in Brüssel eine Tageszeitung in jiddischer Sprache unter dem Titel „Letzte Neies“, deren Chefredakteur der russisch-jüdische Publizist Vladimir Grossmann ist. Eine Jiddischisten-Gruppe in Antwerpen plant die Herausgabe einer jiddischen Tageszeitung auch für Antwerpen. J. M. Rieh wird Chefredakteur des „Jewish Chronicle“ London, 21. Dezember. (JTA.) Herr J. M. Rieh, bisher Sekretär des Jewish Board of Deputies und des Joint Foreign Committee, hat diese Ämter zurückgelegt, um die Leitung der Redaktion des „Jewish Chronicle“ anstelle des vor einigen Wochen verstorbenen Herrn Leopold Greenberg zu übernehmen, ln der letzten Sitzung des Jewish Board of Deputies sprach der Präsident des Board, O. E. .d’Avigdor Goldsmid, Herrn I. M. Rieh den Dank für seine bisherige große Arbeit und seine Leistungen im Dienste der jüdischen Rechte und Interessen aus. Rieh erwiderte: Ich übernehme nun eine große Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit, und wenn ich dieser Verantwortung gerecht werde, so verdanke ich das den Mitgliedern des Board, die mir Wegweiser waren. Dr. Edvard Brandes gestorben Kopenhagen, 21. Dezember. (JTA.) Am Sonntag, dem 20. Dezember, verstarb in Kopenhagen der hervorragende dänische Politiker und Schriftsteller Dr. pliil. Edvard Brandes, der jüngere Bruder von Georg Brandes, im Alter von 84 Jahren. Dr. Carl Edvard Cohen Brandes wurde am 21. Oktober 1847 in Kopenhagen geboren, habilitierte sich 1879 an der Universität Kopenhagen mit einer Sanskritarbeit, wandte sich später der Literatur und Politik zu. Mit seinem Bruder Georg zusammen gab er die Zeitschrift „Det 19.. Aarhundrede“ heraus, die zu seiner Zeit das Sprachrohr der neuen literarischen Schule war. Seit 1855 arbeitete er als Journalist für die Linksopposition, wurde 1880 in das „Folketing“ gewählt und behielt sein Mandat bis 1894. 1884 gründete er die große Tageszeitung „Politiken“, die er eine Zeitlang allein redigierte. 1896 kam er wieder in den Reichstag, und zwar als Mitglied des „Landsting“. In den beiden Ministerien Zahle (1909/10 und 1913/20) war er Finanzminister. Auch außerhalb seines Fachministeriums war er einflußreich. In zwei Büchern „Dänische Schauspielkunst“ und ..Fremde äcnauspielkunst“ hat er eingehende Charakteristiken führender Schauspieler der Zeit gegeben. Seine Schauspiele, darunter „Arzneien“, „Übermacht“ und „Unter dem Gesetz“ wurden auf den Bühnen des Nordens viel gespielt. Er verfaßte auch eine Anzahl Romane. In seiner Jugend beschäftigte er sich auch viel mit dem Hebräischen und gab einigen Übersetzungen aus dem hebräischen Schrifttum heraus. Weltverband Hechaluz gegen die Sperrung der Chaluz-Alijah Warschau, 21. Dezember. (JTA.) Die Exekutive des Weltverbandes Hechaluz veröffentlicht eine Erklärung, in der gegen die Nichtbewilligung der von der Jewish Agency angeforderten neuen Zertifikate für Einwanderung von Chaluzim nach Palästina seitens der Palästina-Regierung scharf protestiert wird. In der Erklärung heißt es u. a.: Der Kampf für die Rechte der Chaluz-Alijah endete vorläufig mit dem Beschluß der Exekutive der Jewish Agency, die lächerliche Quote von 350 Zertifikaten, die von der Palästina-Regierung statt der angeforderten 1720 Zertifikate bewilligt worden sind, anzunehmen. Die Jewish Agency begnügte sich mit einem formellen Protest gegen die Nichtbewilligung ihrer Forderung. Faktisch wurden der Jewish Agency bloß 195 Zertifikate übergeben, von welchen 75 für politisch verfolgte Chaluzim aus Rußland und 120 für Angehörige von Palästina-Einwanderern bestimmt sind; die restlichen 155 Zertifikate behielt die Regierung zu eigener Verfügung. Für die Chaluz-Alijah wurde kein einziges Zertifikat bewilligt. Seit -wir Beziehungen zu der Palästina-Regierung im Zusammenhang mit der Alijah unterhalten, hat sich die Regierung niemals eine solche für uns erniedrigende Maßnahme erlaubt; nie hat sie sich erlaubt, auf einen Vorschlag der Jewish Agency, der sich auf gründlicher Erforschung der Arbeitslage und der Einwanderungsmöglichkeit stützt, so zu reagieren, daß nur 12 Prozent der angeforderten Zahl von Zertifikaten bewilligt werden. Der Beschluß der Exekutive der Jewish Agency, die bewilligten Zertifikate anzunehmen, war nicht die richtige Antwort auf dieses neue Attentat gegen unsere elementaren Rechte.