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Das jüdische Echo · 1932-01-01 · 1 (1.1.1932) · p. Seite 9

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
1 (1.1.1932)
Date
1932-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1 Das Jüdische Echo 9 Die Weltbewegung der Clialuzim fordert zu schärfstem Protest gegen die Schließung der Tore Palästinas für das jüdische Volk auf. Der Chaluz fand immer die Kraft in sich, versperrte Tore aufzubrechen, er wird auch diesmal vor keinem Hindernis, vor keiner Schwierigkeit zurückscheuen. Er wird den Kampf fortsetzen bis zur Bahnung des Weges für die Alijah. Noch keine Ruhe in Posen Ein berühmter Maler zum Krüppel geschlagen P o s e n , 20. Dezember. (JTA.) Aus Kreisen der Jüdischen Gemeinde Posen wird der Jüdischen Telegraphen-Agentur auf Befragen mitgeteilt, daß die durch grüne Streifen gekennzeichneten antisemitischen Boykottagitatoren die jüdischen Geschäfte blockieren und keinen christlichen Käufer die Geschäfte betreten lassen. Will ein Käufer doch in ein Geschäft hinein, so gehen die Agitatoren in der brutalsten Weise gegen ihn vor. Vereinzelte Überfälle auf Juden kommen in den verschiedenen Stadtvierteln immer noch vor. Auch werden in einzelnen jüdischen Läden die Scheiben eingeschlagen. An den Abenden wagen es die jüdischen Einwohner nicht, die Straßen zu betreten. Während der antisemitischen Exzesse, die in Posen die ganze vergangene Woche andauerten, wurde von antisemitischen Studentenhuligans auch der bekannte akademische Maler Professor Leon Dolszycki, der für einen Juden gehalten wurde, schwer mißhandelt. Er erhielt einige Schläge über den Kopf. Anfangs schien es, als ob Professor Dolszycki nur leicht verletzt wäre, im Verlauf der Tage trat aber eine Verschlimmerung ein, die Ärzte stellten fest, daß der Schädel verletzt wurde und daß für Dolszycki die Gefahr besteht, daß er das Augenlicht verliert. Wie die Wilnaer Gerichte den Pogrom ahnden Bisher nur Juden verurteilt Wiln a, 20. Dezember. (JTA.) Die ersten Prozesse in Wilna im Zusammenhang mit den schweren antisemitischen Unruhen am 10. November endeten, wie schon mitgeteilt, mit der Verurteilung von Juden, denen man nachsagte, sie hätten am Tage des Pogroms Vergeltungsmaßnahmen gegen Huligans angekündigt, während ein Huligan, dem man nachgewiesen hat, daß er die Fensterscheiben in einem jüdischen Laden eingeschlagen hatte, freigesprochen wurde. Am vergangenen Freitag verhandelte das Wilnaer Kreisgericht gegen den 17jährigen Juden Israel Dworkin, der beschuldigt war, am erwähnten Pogromtag einen Soldaten und eine christliche Frau geschlagen zu haben. Obwohl der Angeklagte die Tat leugnete und sich bisher weder der Soldat noch die Frau als Beschädigte gemeldet hatten, verurteilte das Gericht Dworkin auf Grund vager Zeugenaussagen zu 8 Monaten Gefängnis. Die Verurteilung erfolgte, weil sich christliche Schüler gemeldet haben, die gesehen haben wollen, daß Dworkin am 10. November, dem Tag des Judenpogroms in Wilna, einen Soldaten und eine christliche Frau mißhandelt hätte. Wer die Mißhandelten sind und ob solche überhaupt existieren, ließ sich nicht feststellen, da sich solche nicht gemeldet haben. Das Urteil hat in der Wilnaer jüdischen Öffentlichkeit Bestürzung hervorgerufen. Das Gericht sprach den jüdischen Studenten Taubenhaus, der beschuldigt war, während der antisemitischen Studentenexzesse in Wilna die Scheiben in einem christlichen Laden eingeschlagen zu haben, wegen Mangels an Beweisen frei. In der Wilnaer jüdischen Öffentlichkeit fragt man sich, wann endlich auch die Prozesse gegen die Huligans beginnen werden, die an dem schweren Judenpogrom am 10. November, bei dem es zahlreiche jüdische Verletzte gab und jüdische Läden demoliert wurden, teilgenommen haben. Bisher hat man nur Juden, gegen die die nationalistischen Hetzer irgendwelche vage Beschuldigungen ausheckten, vor das Gericht gezerrt. Der akademische Senat der Wilnaer Universität hat alle akademischen Organisationen, die die in den Straßen, den Theatern und Kinos verbreiteten antisemitischen Hetz- und Boykottaufrufe unterzeichnet haben, in ihrer Tätigkeit bis auf weiteres suspendiert. Die Nationaldemokraten beantragen im Sejm Einführung des Numerus Clausus für Juden an den Hochschulen Polens Warschau, 21. Dezember. (JTA.) In der letzten Sitzung des polnischen Sejm brachte der Klub der Nationaldemokraten einen Gesetzentwurf ein, der vorschreibt, daß man Juden an polnischen Hochschulen nur im Verhältnis ihrer Zahl zu der der allgemeinen Bevölkerung aufnehmen solle. Im der Begründung wird gesagt, der Artikel 86 des Gesetzes über die akademischen Schulen löse nicht die Frage, weshalb an verschiedenen Schulen und Fakultäten eine Bevorzugung der jüdischen und eine Benachteiligung der polnischen Jugend geschehen; das vorgeschlagene Gesetz bezwecke eine Regelung dieser Beziehungen durch gerechte und gleichmäßige Verteilung der Plätze an den Hochschulen. Stärkster Rückgang der Geburten in Ungarn bei den Juden Budapest, 27. Dezember. (JTA.) Dem soeben erschienenen Jahrbuch des Kommunalpolitischen Amtes in Budapest ist zu entnehmen, daß der Geburtenrückgang in Ungarn ein enormer ist. Am stärksten ist ’der Geburtenrückgang in Budapest bei den Juden (1930: 36,3% gegenüber 1929), der schwächste (4,6% bei den Reformierten). Die Zahl der außerehelichen Geburten ist bei den Juden am geringsten. Sabbat-Schulzwang für jüdische Schulen in der Türkei Konstantin opel, 21. Dezember. (JTA.) Das Kultusministerium hat den Leitungen aller Minderheitenschulen, auch der jüdischen, mitgeteilt, daß von jetzt ab die Schulen nicht mehr zwei Tage in der Woche geschlossen bleiben dürfen. Nur am Freitag, dem mohammedanischen Wochenfeiertag, dürfen Schulen geschlossen sein, an anderen Tagen müsse der Unterricht normal vor sich gehen. Dieser Verordnung gemäß wird in den jüdischen Schulen, die bis jetzt an den Sabbattagen geschlossen waren, nunmehr auch am Sabbat der Unterricht erteilt werden müssen. Ebenso werden die christlichen Schulen am Sonntag geöffnet sein. Die Fraktion der Volkspartei (Regierungspartei) im türkischen Parlament brachte einen Antrag ein, daß nun auch an den Minderheitenschulen die türkische Sprache als Unterrichtssprache eingeführt werden. Der Plan einer autonomen jüdischen Einheit in Biro-Bidschan erlangt Gesetzeskraft Moskau, 27. Dezember. (JTA.) Das Zentralexekutivkomitee der Sowjetunion, das höchste ge-

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