Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 1 (1.1.1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nr. 1 Körperschaften in Polen sorgfältig formuliert worden. Er habe das Gefühl, daß Zurückhaltung geboten sei. Andererseits müsse das polnische Judentum das Gefühl haben, daß die Juden außerhalb Polens gegenüber ihrem Schicksal nicht gleichgültig seien. Glück oder Unglück der jüdischen Gemeinschaft überall finden in London ein Echo. Gerechterweise müsse man anerkennen, daß die polnische Regierung die elementare Pflicht zur Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung erfüllt hat. i Leonard G. Montefiore ging sodann zur Besprecnung der Lage der Juden in Mitteleuropa, besonders in Deutschland, über. Ich erinnere mich nicht, sagte er, eine ernstere Zeit als die jetzige erlebt zu haben. Wir in England haben die Aufgabe, der zivilisierten öffentlichen Meinung ein eindringliches Bild der Lage zu geben. Wir müssen eine nüchterne und ungeschminkte Darstellung dessen, was in Mitteleuropa geschieht, geben, müssen erklären, welch eine Bedrohung unserer Zivilisation eine Rückkehr zu mittelalterlicher. Barbarei bedeuten würde. Es wurde sodann ein Bericht des Joint Foreign Committee verlesen, in welchem gegen die Fortführung des Blutritualprozesses in der Tschechoslowakei Stellung genommen wird. Es wurde eine Resolution angenommen, in der erklärt wird, daß die Fortführung und das in die Länge-Ziehen der Verhandlung im Zusammenhang mit dieser phantastischen Anklage einem zivilisierten Staate nicht gemäß ist. In dem Bericht wird auch auf die Not der Staatenlosen in der Tschechoslowakei hingewiesen, abe*- hinzugefügt, die Tschechslowakei bleibe ungeachtet dieser und anderer Zwischenfälle immer noch ein klassisches Land des Philosemitismus das Joint Foreign Committee zweifelt nicht, daß ein Staat, dessen Oberhaupt ein so berühmter Vorkämpfer der äußeren und inneren Freiheit wie Professor Masaryk ist, die nötigen Schritte ergreifen wird, um Mißstände abzustellen. Für und gegen einen Jüdischen Weltkongreß In der darauf folgenden Aussprache forderte Boilotton, daß das Committee nach der Richtung der Einberufung eines jüdischen Weltkongresses tätig sein solle, da die Lage der Juden in Polen von Tag zu Tag gefahrvoller wird. Chefredakteur Morris Myer schloß sich dieser Forderung an und regte an, daß man das Joint Foreign Committee nach dieser Richtung mit erweiterten Befugnissen ausstatte. A. S. Silverberg fragte: Ist beim Völkerbund ein nachdrückliches Wort für die Juden in Mitteleuropa eingelegt worden? Der polnische Außenminister war vor kurzem in London; wurde die Gelegenheit ergriffen, die Angelegenheit der Juden in Polen mit ihm zu besprechen? Es darf nicht bei akademischen Resolutionen bleiben, es muß schnell etwas Konkretes getan werden. Der Präsident des Board of Deputies d’Avigdor Goldsmid erwiderte auf die Ausführungen der Vorredner und wies darauf hin, daß Montefiore bereits dargelegt habe, daß die polnische Regierung, soweit es sich um die Ausschreitungen der Studenten handelt, ihre Pflicht getan habe. Was den angedrohten Boykott betrifft, für den jetzt agitiert wird, so haben wir in der Resolution auf die katastrophalen Folgen eines solchen Boykotts für die wirtschaftliche Lage der gesamten polnischen Bevölkerung aufmerksam gemacht. Die Resolution ist auf üblichem Wege den zuständigen Stellen übermittelt worden. Ich glaube nicht, schloß d’Avigdor Goldsmid, daß ein jüdischer Weltkongreß "solche Angelegenheiten überhaupt vorwärtsbringen würde. Die Bevölkerung Jerusalems 51 300 Juden unter einer Gesamtbevölkerung von 90 526 J e r u s a 1 e m, 26. Dezember. (JTA.) Die offiziellen Ziffern der letzten palästinensischen Volkszählung betreffend Jerusalem sind noch nicht bekanntgegeben worden. Aus zuverlässiger Quelle wird der Jüdischen Telegraphen-Agentur über das Ergebnis der Volkszählung in Jerusalem folgendes mitgeteilt: Die Gesamtbevölkerung der Stadt Jerusalem macht 90 526 Seelen aus, davon sind 51 300 Juden, 19 850 Moslems und rund 19 000 Christen. Der Zuwachs der jüdischen Bevölkerung gegenüber der Volkszählung im Jahre 1922 betrifft rund 17 500 Seelen, der Zuwachs der Moslem- Bevölkerung seit 1922 beträgt 6500, der der christlichen Bevölkerung etwas weniger als 4500 Seelen. Die christliche Bevölkerung, die 1922 mit 14 699 Seelen an zweiter Stelle rangierte (Moslems gab es damals 13 413), ist jetzt an die dritte Stelle gerückt. Die jüdische Bevölkerung Jerusalems ist um 12 450 Seelen größer als Moslems und Christen zusammengenommen. Im Jahre 1922 betrug die absolute Majorität der Juden nur 5859 Seelen. Die Gesamtziffer der jüdischen Bevölkerung Jerusalems schließt nicht einige Stadtviertel ein, die der Jerusalemer Stadtgemeinde nicht unterstehen. Unter Einschluß der Bevölkerung dieser neuen Stadtviertel erhöht sich die Zahl der Jerusalemer Juden auf rund 60 000. Obgleich die Juden in Jerusalem die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung bilden, haben sie bis jetzt darauf verzichtet, einen Bürgermeister aus ihrer Mitte zu wählen; der jetzige Bürgermeister von Jerusalem ist der Moslem Ragheb Bey Nashashibi. Als Nashashibi nach den Palästina-Unruhen im Herbst 1929 mit einer palästinensischem Araberdelegation nach London fuhr, um dort die arabische Version über die Unruhen gegenüber der der Juden zu vertreten, gab sich unter der jüdischen Bevölkerung eine starke Empörung gegen Nashashibi kund; die hebräische Arbeiterzeitung ,„Dawar“ schrieb damals, Nashashibi haben den Juden eine Lektion erteilt, die diese nicht vergessen werden. Er wird nicht wieder Bürgermeister von Jerusalem werden. Mit der Vertretung Nashashibis während seiner Abwesenheit von Jerusalem, wurde, wie erinnerlich, nicht der jüdische Vizebürgermeister Chaim Solomon, sondern der christliche Vizebürgermeister Jacob Faradj betraut. Soll Tel-Awiw seine Polizei-Autonomie verlieren? Dizengoff bei Wauchope Jerusalem, 27. Dezember. (JTA.) Der Bürgermeister der jüdischen Stadt Tel-Awiw Mayer Dizengoff besuchte den neuen Oberkommissar von Jerusalem, General Sir Arthur Grenfell Wauchope und erhob ihm gegenüber Beschwerde gegen den Beschluß der obersten Polizeibehörde Palästinas, die bis jetzt autonome Polizei von Tel-Awiw mit der allgemeinen palästinensischen Polizei zu verschmelzen. Dizengoff führte ins Treffen, daß die Abschaffung der jüdischen Polizeimacht von Tel-Awiw, der einzigen in der Welt, deren Kommandosprache hebräisch ist, von der Judemheit als ein, Schlag gegen die jüdische Entwicklung in Palästina empfunden werden würde.