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Das jüdische Echo · 1932-01-01 · 1 (1.1.1932) · p. Seite 5

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
1 (1.1.1932)
Date
1932-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1 Das Jüdische Echo 5 ''Die Bezeichnung „Jüdisches Wirtschaftsinstitut“ bedeutet bereits eine gewisse Festlegung. Sie (enthält die Anerkennung der Tatsache, daß die in Deutschland lebenden Juden auch in wirtschaftlicher Hinsicht gewisse Sonderzüge aufweisem, die sie;aus der Gesamtheit des deutschen Volkes herausheben. Sie soll aber wohl nach dem Wunsche keines der Menschen, die das Wort zuerst geprägt haben, etwa die Feststellung der Existenz einer j ü d i s ch en Wirtschaft in Deutschland bedeuten. Eine solche gibt es nicht und kann es gar nicht geben. Denn die wirtschaftliche Tätigkeit der etwa 570 000 deutschen Juden hat keinerlei eigene Basis, sie ist vielmehr die Funktion der wirtschaftlichen Tätigkeit des gesamten deutschen Volkes und darüber hinaus natürlich auch noch des weltwirtschaftlichen Geschehens, soweit dieses auf die deutsche Wirtschaft und ihre Entwicklung Einfluß nimmt. Ein jüdisches Wants.chaftsinstitut könnte also niemals begrifflich als Ausdruck „jüdischer Wirtschaft“ in Deutschland erfaßt werden, da es eine solche nicht gibt. Es kann lediglich gelten als Bestätigung der Tatsache, daß die Juden innerhalb der deutschen Wirtschaft eine gewisse Sonderstellung einnehmen, die ziemlich weitgehend sein mag, aber dennoch nicht so weit, ihre entscheidende Formung von anderen wirtschaftlichen Grundlagen her zu erhalten als die deutsche Wirtschaft schlechthin. Das heißt mit anderen Worten: ein jüdisches Wirtschaftsinstitut hätte seine Tätigkeit zu richten auf die Erforschung und irgendwie geartete Beeinflussung der jüdischen Variante innerhalb der deutschen Gesamtwirtschaft. Hieraus ergibt es sich mit Notwendigkeit, daß ein solches Institut in einer begrifflichen Fixierung nur denkbar ist im Zusammenhänge mit ähnlichen Institutionen größeren Stiles und weitreichenderen Wirkungskreises, welche die deutsche Wirtschaft in ihrer Gesamtheit sich längst geschaffen hat. Wir können in Deutschland auf eine Anzahl solcher Institutionen bezug nehmen und das wird auch die Aufgabe einer etwa zu schaffenden Stelle dieser Art sein. Es hätte für sie keinem Sinn, ihre etwaigen Erhebungen nur auf den Zustand und Entwicklungsgang derjenigen Zweige der deutschen Gesamtwirtschaft auszudehnen, in denen Juden in großer Zahl tätig sind. Das wäre falsch gedacht und gehandelt. Es käme vielmehr darauf an, das Material, welches von den bestehenden deutschen Institutionen laufend und in umfassender Weise für die ganze deutsche Wirtschaft gesammelt, wird, zu übernehmen und sachgemäß vom Standpunkt und im Interesse der jüdischen Variante auszuwerten; nicht aber darauf, es durch Parallelaktionen und Doppelarbeit unnötig zu vermehren. Es scheint mir, als ob dieser Gedankengang für die Begriffsbestimmung, die wir hier beabsichtigen, von besonderer Bedeutung ist. Denn nur dann, wenn wir erkennen, daß im Rahmen eines jüdischen Institutes keinerlei Aufgaben geleistet werden sollen, die an sich Sache der deutschen Gesamtwirtschaft sind, werden wir uns von vornherein von der drohenden Gefahr fernhalten können, die etwa in dem Versuch der praktischen Konstituierung einer „jüdischen Wirtschaft“ in Deutschland liegen müßte. Es kann sich eben niemals darum handeln, das deutsche Judentum von der Gesamtheit des deutschen Volkes wirtschaftlich isolieren zu wollen. Das Gegenteil muß der Fall sein. * * * Vom zweiten Helldorf-Prozeß Berlin, 27. Dezember. (JTA.) Im Prozeß gegeh die Führer und Geführten bei den antisemitischen Ausschreitungen auf dem Kurfürstendamm am letzten jüdischen Neujahr sind aus Anlaß des Weihnachtsfestes sämtliche Angeklagten bis auf zwei aus der Haft entlassen worden. Ein Teil der fortschrittlichen Presse weist darauf hin, daß das Gericht aus Anlaß des christlichen Wieihnachtsfestes eine sehr große Milde gegen diejenigen walten läßt, die das jüdische Neujahrsfest auf so grausame Weise gestört hatten. „Vorwärts“ veröffentlicht ein in Berliner SA- K reisen zirkulierendes Rundschreiben, das von mehreren ehemaligen SA-Eührern, u. a. vom Führer des SA-Sturms 24 Fritz Günther, unterzeichnet ist. Es heißt darin u. a.: „... Wir haben die Pflicht, offen und ohne Rücksicht auszusprechen, weshalb wir nicht mehr hinter den Führern Goebbels und Helldorf stehen — hinter Leuten, die uns verraten und verkauft haben; man hat uns als SA-Funktionäre und SA-Teute plan- und befehlsgemäß in die Zusammenstöße am Kurfürstendamm hineingehetzt, um uns dann schmählich im Stich zu lassen. Ihr wißt, daß es schon drei Tage vor den Krawallen bei uns allen offenes Geheimnis war, daß zum jüdischen Neujahrstag eine Aktion der SA steigen sollte: an diesem Tage selbst wurde mittags den SA-Fiihrern ein Dienstzettel zugestellt, der die Anweisung enthielt, daß wir geschlossen uns am Abend an bestimmten Plätzen zu versammeln haben, „das Koppel untergeschnallt“. In den SA-Küchen wurde gleichzeitig (auch daran könnt ihr euch erinnern) dieser Befehl schon Stunden vorher von Mund zu Münd weitergegeben. Und am Abend selbst erschien der Graf Helldorf in eigener Person, gab uns diese und jene Befehle und dirigierte uns schließlich nach dem Kaffeehaus Reimann — das wenige Minuten später zerstört war. Ihr wißt, Kameraden, daß wir nur befehlsgemäß gehandelt haben; doch im Prozeß? Man überließ uns unserem Schicksal!“ Der Jewish Board of Depulies über die Lage der Juden in Mitteleuropa London, 21. Dezember. (JTA.) Der Board of Deputies der englischen Juden hat in seiner am 20. Dezember, abends, abgehaltenen Sitzung die folgende Resolution angenommen: Der Jewish Board of Deputies verurteilt scharf die jüngst vorgekommenen Angriffe von Studenten an polnischen Universitäten gegen ihre jüdischen Kollegen, vermerkt aber mit Genugtuung, daß diese Angriffe von der großen Mehrheit der Landesbevölkerung mißbilligt wurden und daß die Regierung bestrebt war, sie zu unterdrücken. Der Board gibt ferner seiner Meinung dahin Ausdruck, daß der angedrohte Boykott der Juden unvereinbar sei mit den geschichtlichen und kulturellen Traditionen des polnischen Volkes; der Board vertraut darauf, daß die polnische Regierung energisch gegen eine Bewegung einschreiten wird, die nicht allein die Sicherheit eines großen Bevölkerungsteils, sondern auch das Wohl des Gesamtstaates gefährdet. Leonard G. Montefiore, der die Resolution unterbreitete, führte zu deren Begründung u. a. aus, der Text der Resolution sei unter Berücksichtigung der öffentlichen Erklärungen jüdischer

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