Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 52 (25.12.1931)
- Date
- 1931-12-25
- Page
- Seite 698 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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698 Das Jüdische Echo Nr. 52 Moslemkongreß in Jerusalem Beschlüsse und Ende des Kongresses J e r u s ii 1 e m , 15. Dezember. (JTA.) Die in Jerusalem tagende Islam-Konferenz ermächtigte ihren Präsidenten, den Großmufli von Jerusalem, Hadsch Ein in ei Husseini, beim Völkerbund gegen den Beschluß der internationalen Klagemauer-Kommission Protest einzulegen. Der Großmufli wurde ferner ermächtigt, alle moslemischen Herrscher und Notahein dahin zu informieren, daß die Konferenz den gegenwärtigen Status der Heiligen Plätze des Islam unter den Mandatsbestimmungen mit Entrüstung betrachtet. Schließlich proklamierte die Konferenz den Boykott aller Waren palästinensisch-jüdischer Provenienz in allen moslemischen Ländern. Dieser Boykott soll ,ein Mittel sein, die Omar-Moschee vor jüdischem Zugriff zu schützen“. „Wenn es den Juden in Palästina gelingt“, heißt es in der betreffenden Resolution weiter, „ihre Industrie zu entwickeln, so werden sie in der Lage sein, immer mehr Boden zu erwerben; es könnte dann soweit kommen, daß auch die Moschee vor ihrem Zugriff nicht sicher ist.“ (Man muß berücksichtigen, daß außer dem Jemen kein einziges Land offiziell vertreten war, so daß die Boykollparole keine weittragende Kraft hat. Trotzdem wird man ihre propagandistischen Möglichkeiten nicht unterschätzen dürfen. — A. d. R.) Weiter wurde folgende Resolution angenommen: Der Zionismus bedeutet ipso facto einen Angriff auf das moslemische Wohl und hat sich als den moslemischen Interessen schädlich erwiesen. Direkt oder indirekt verdrängt er die Moslems aus der Kontrolle ihres Landes und ihrer Heiligen Stätten. Der Annahme der Resolution ging eine Aussprache voraus, in der mehrere Delegierte England wegen seiner Orientpolilik angriffen. Einer der syrischen Delegierten, Riadh Bey, erklärte, England habe die Juden nach Palästina gebracht und sei deshalb für die den Islam bedrohende jüdische Position in Palästina verantwortlich. Mit seinen imperialistischen Zwecken dienenden Mandaten lind seiner ganzen Kolonialpolitik habe England Unruhe in den Orient gebracht. Der indische Moslemführer Schaukal Ali trat Riadh Bey scharf entgegen und erklärte: Wir Moslems sind Gegner der jüdischen Invasion in Palästina, aber wir müssen freundschaftliche Beziehungen zu England unterhalten. Der Kongreß trat in die Erörterung der Verfassung eines allwelllichen Moselm-Verbandes ein. Dabei ergaben sich einschneidende Meinungsverschiedenheiten zwischen der Gruppe des Mufti und der Gruppe Schaukal Ali. Der Mufti wünscht, daß der jetzige "reilnehmerkreis des Islam-Kongresses den Kern für alle weiteren Kongresse bilden soll. Schaukal Ali widersprach diesem Plan. Bei einer Abstimmung zeigte sich, daß der Mufti die Mehrheit auf der Konferenz hat. Kür die geplante Moslem-Universität sind bisher als Höehslbelräge von einer arabischen Bank 100 Pfund, von einem Moslem in Jaffa 50 Pfund gespendet worden. Die Moskauer „Isweslia“ vom 10. Dezember beschäftigt sich in einem längeren Aufsatz mit dem Islam-Kongreß in Jerusalem. Die Zeitung erblickt in dem Kongreß eine imperialistische Machination im Vorderen Orient, zitiert eine Anzahl von türkischen Pressestimmen, bezeichnet Schaukal Ali als Agenten des englischen Imperialismus, betrachtet die Teilnehmer des Kongresses als unfreiwillige Handlanger in den Konkurrenzslreiligkeilen zwischen England und Frankreich und hält die Manifestation des Islam in Jerusalem für ein Glied in der Kette der kapitalistischen Maßnahmen gu Sowjet-Rußland. Aus allen diesen Gründen be»ilt die „Isweslia“ den Islam-Kongreß als eine käferische Maßnahme der Weltreaktion und läßt ehblicken, daß sie die Rückwirkungen des Islanongresses auf die Mohammedaner in Sowjet-Hand mit allem Nachdruck bekämpfen werde. Der Nabob von BhopalU der „Times“ mit, daß die in dem offiziellen Preberiehl des Jerusalemer Moslem-Kongresses enthaie Mitteilung, er habe an den Kongreß eine Beißung geschickt, unrichtig ist. J e r u s a 1 e m , 17. Denber. (JTA.) Am Donnerstag, dem 17. Dezembeist der vom Jerusalemer Mufti Haj Amin el Hussii einberufene Kongreß der Moslems zu Ende gingen. Noch bevor der Kongreß geschlossen wur< hat die Palästinaregierung zwei Teilnehmer, il zwar Abdul Raehman aus Ägypten und Azzam a Tripolis, mit sofortiger Wirkung aus Palästina auswiesen, weil diese Delegierten in Ansprachen an d Kongreß die italienische Politik in Tripolitanien einer Weise kritisiert haben, die dazu angetan i, die Beziehungen zwischen Italien und Englandu trüben. Unmitelbar vor Schluß o Kongresses wurde eine aus 25 Personen bestehendExekulive mit dem Mufti als Vorsitzenden gewähllAuch der ausgewiesene Azzam wurde demonslralhn die Exekutive gewählt. Schaukat Ali, der Führender indischen Moslems, aber lehnte jede etwa aufhn entfallende Wahl ab und erklärte, daß er keinlei Funktion im Zusammenhang mit dem IvongreJausüben werde. Er kritisierte auch sehr scharf ditganze Führung des Kongresses und die Art der Erchfiihrung der Wahlen. Man glaubt hier, daß Schukat Ali mit dem Mufti und seiner Richtung endgtig gebrochen hat. Noch während der letzt! Kongreßtage haben die Beamten des Mufti nnlijiksches Heizmaterial unter den Kongreßdelegierten vdeill, darunter auch jene Misrachbilder und zur Kiderbelustigung hergestelllen Simchath-Thora-Fähnoen, die, wie erinnerlich, von Muflianhängern berits der Shawkommission und später der Klagemaurkommission als Beweis jüdischer Absichten auf die Omar-Moschee vorgelegl wurden, bei den Mlgliedern dieser Kommissionen aber nur ein mitlidiges Lächeln gefunden haben. Die Muftianhänger erklären, daß die auf den Misrachbildern und den lähnchen aufgemalten Gebäude die Omar-Moschee <arslellen sollen, deren sich die Juden bemächtigen willen. In Wirklichkeit besteht zwischen diesen plunpen Phanlasiebildern und der Omar-Moschee nicht die geringste Ähnlichkeit. Die Bilder wurden verbratet, um die Wirkung der Rede Dr. Chaim Arlosordfs in der letzten Pressekonferenz der Jewish Agtncy, in der er die Behauptung, daß die Juden iigendwelche Absichten auf Heilige Stätten des Islam oder anderer Konfessionen hätten, als Hirngespinst bezeichnele, abzuschwächen. Arlosoroffs Rede war ins Arabische übersetzt und unter die Kongreßteilnehmer verbreitet worden. Während die zu Beginn des Kongresses verteilten gefälschten Bilder, auf denen gezeigt wurde, wie englische Offiziere jüdische Arbeiter in der Handhabung von Maschinengewehren unterweisen, von auswärts importiert worden waren, ist es nachgewiesen, daß die Reproduktionen der Misrachbilder und Simcharhora-Fähnchen nebst den dazu gehörigen Pamphleten in der Druckerei des Moslem-Waisenhauses in Jerusalem hergcslellt wurden. Die Frage des Jüdischen Selbstschutzes vor dem Unterhaus Colonel Wedgwood fragte den Kolonienminister, ob er im Hinblick auf die wachsende Unsicherheit in