Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 52 (25.12.1931)
- Date
- 1931-12-25
- Page
- Seite 696 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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696 Das Jüdische Echo Nr. 52 bens in der Verbannung ersparen und damit die Zähigkeit und Unerschütterlichkeit des jüdischen Lebenswillens, die jeder Jude braucht, um den Gefahren ins Auge sehen zu können, die uns bedrohen. Aber diese Einsichten vom Centralverein, dessen Kleinarbeit im übrigen durchaus ihren Wert und ihr Verdienst besitzt, verlangen, hieße offenbar verlangen, daß er sich selbst aufgebe. Und darum wird man mit größter Energie mindestens fordern müssen, daß der Plan verwirklicht wird, dessen Grundzüge im Leitartikel der letzten Nummer dieses Blattes dargelegl wurden. Nur eine Organisation, die wirklich berechtigt ist, im Namen aller deutschen Juden zu sprechen, darf fernerhin die Führung der Abwehrarbeit inne haben und je eher man die dafür notwendigen Formen findet, desto besser ist es. I. E. Preußischer Landesverband und Wirtschaftskrise Aussprache über die Not der deutschen Juden Berlin, 8. Dezember. In Ausführung eines in der letzten Sitzung gefaßten Beschlusses hielt der Wirtschaftsausschuß des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden eine Sondersitzung im Logenhause Kleisstraße ab, die der Wirtschaftsnot der deutschen Juden und Plänen zu Ihrer Linderung gewidmet war. Der Vorsitzende, Dipl.-Ing. Woyda, betonte einleitend die enge, untrennbare Verbundenheit der deutschen Juden mit dem deutschen allgemeinen und Wirtschaftsschicksal. Trotzdem bestehen für uns das Recht und der Zwang, unsere besondere Lage zu erörtern und zu versuchen, sie nach Kräften zu beeinflussen. Staatssekretär z. D. Prof. Dr. Julius Hirsch sprach über „Die Wirtschaftslage der deutschen Juden und die Einwirkungsmöglichkeiten auf ihre weitere Entwicklung“. Referent geht von einem kurzen Abriß der Gesamtlage aus: Diese ähnelt der am Ende der Inflation, erhält aber ihre Sondernote durch den allweltlichen Charakter der Krise, die „Weltdeflation“. Die zusätzliche jüdische Krise in aller Welt rührt von der engeren Anlehnung an die spezielle Kreditwirtschaft her, die besonders konjunkturempfindlich ist, und von der durch die Erschütterung der jüdischen Position und die Entwurzelung weiter Volksschichten wiederum bedingten Verschärfung und Vergröberung des Antisemitismus. Die Krise der deutschen Juden ist dadurch gekennzeichnet, daß immer noch jährlich etwa 10 000 junge Juden in die Wirtschaft als Nachwuchs hineinstreben, und durch die normwidrige Gruppierung: a) räumlich: Ein Drittel der deutschen Juden wohnt in Berlin, der größte Teil in Großstädten; b) beruflich: Mehr als die Hälfte der deutschen Juden ist tätig in Bankwesen und Handel und hier vor allem in der Textilwirtschaft. Sie drängen um ein Vielfaches mehr zur Selbständigkeit als dem Gesamtdurchschnitt entspricht. Die allgemeine Tendenz der Wirtschaft geht auf das Absinken der Rentabilität der Landwirtschaft. Hierdurch ist das landwirtschaftliche Ein- und Verkaufs- und Kreditgenossenschaftswesen begünstigt. Dies alles und die neuen Moratoriein zerstören die jüdischen Land- und Kleingemeinden. In der Stadt hat die Konzernbildung die Juden schwer getroffen, und die „Konzerndämmung“ wird die Entwicklung nicht zurückschrauben, sondern nur das „Öffent- ]ich-werden der Wirtschaft“, wie es das Bankwesen schon zeigt, fördern. Die Krise des letzten Sommers hat dänni notfie- Kreditbasis plotziich verengt und hierdurch, ade die jüdische Wirtschaftsposition noch wr zurückgeworfen:. Die Juden wiederum zeigeiarke Abneigung; gegen Umstellung auf mechanie Tätigkeit. — Die jüdische Lage ist stark äugig von der Stellung: führender Juden in dedeutschen Wirtschaftsführung, deren besondt Lage ist um so kritischer, je mehr unser nfluß sinkt und unsere Pumperisierung wächst- Auf Grund! dieser Analyse stellte der Befer vier programmatische Thesen auf: I. Erhalfc der jüdischen Wirtschaftsgrundlagen, 2. hußte Lenkung jüdischer Arbeitskräfte auf noclnicht .voll ausgemutzte Tätigkeitsgebiete, 3.. pinäßiger Erfahrungsaustausch führender Wibhaftler (Unternehmer, Verbandsleiter, Arbeitncner) auf möglichst: vielen Arbeitsgebieten, 4 Errichtung einer Forschungsstelle für jüdise Wirtschaftsfragen. — Zu den einzelnen Thet machte er detaillierte Vorschläge, die eine uassendere Organisierung der jüdischen Selbsihikund eine Anlehnung an die wirtschaftlich stärken Judenheiten in. Westeuropa und in U. S. A. klierten. Professor Hirsch führte auch eine Reiluvon Betätigungsmöglichkeiten und Wirtschaftgieten an, bei denen Aussicht auf Betätigung fürüdiscbe Erwerbssuchende vorhanden ist. An der tssprache beteiligten sich Dir. Benario, Dr. Jakobegall, Warenhausbesitzer Georg Tietz, Alfred Befer, Wilhelm Markus, Dr. Ludwig Holländer, R.-/ Gerson, Bruno Woyda, Dr. Zielenziger und iler-Rudel. Nach einem Schlußwort von Prof. Irsch folgte eine vertrauliche Ausschuß-Bespreclng über die Auswertung der Beratungen:. Erklrung der Zionistiscitn Executive zu denBeschlüsseides„Weltverban« des der Zionistm-Revisionisten“ f. Mil wachsender Resorms verfolgt die Zionistische Organisation die Enlwicjung, die in den Reihen des „Weltverbandes der Zonislen-Revisionisten“ vor sieh geht. Die Tätigkeit lieses Verbandes und seiner Milglieder erregt seil lahren die Bedenken derjenigen, die auf die Ein.eit und Geschlossenheit der Zionistischen Organisalifn bedacht sind. Wenn dem eigenmächtigen und denPrinzipien der Zionistischem Organisation vielfach wtlersprechenden Wirken dieses Verbandes bis zum 17. Kongreß von seiten der Leitung der Zionistischfn Organisation kein Widerstand entgegengesetzt vurde, so geschah dies aus dem Bestreben der Exi'&ulive, solange dies irgendwie möglich war, allen Zfonisten die Mitarbeit im der Zionistischen Organisation zu ermöglichen und auch nur den Schein eines Verdachtes zu vermeiden, als ob sie der Tätigkeit einer Gruppe, die innenpolitisch eine extrem gegnerische Stellung einnalim, irgendwie Hinderinse in den Weg legen und ihr die parlamentarische Auslragmg ihres Kampfes gegen die Exekutive erschwere.! wollte. Die Exekutive hoffte, daß bei den Revisioristen, sobald die Leidenschaft des Kongreßkampfes vorüber ist, das Gefühl der Verantwortung und Solidarität den Sieg gegenüber Parteirücksichten und Separationslendenzen davontragen würde. Diese von der Exekutive geübte Toleranz wurde leider mißverstanden und mißbraucht. Der gegen die zionistische Exekutive geführte Kampf der Revisionisten ist nach dem 17. Kongreß,