Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 51 (18.12.1931)
- Date
- 1931-12-18
- Page
- Seite 685 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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/ Nr. 51 Das Jüdische Echo 685 Die Palästina-Regierung hat eine gründliche Untersuchung zur Eruierung der Verbreiter der gefälschten Photographien, auf denen Juden abgebildet sind, die von England in dem Umgang mit Maschinengewehren unterwiesen werden, eingeleitet. Exemplare dieser Fälschung wurden nicht allein unter die Kongreßdelegierten verteilt, sondern auch in die Wohnungen von Moslems geschickt. I >ie Fälschungen wurden in Haifa hergestellt, aber über Kairo nach Jerusalem geschickt. Die arabischen Zeitungen Palästinas äußern sich wenig optimistisch über den Verlauf des Kongresses. „Felestin“, das Organ der arabischen Exekutive, meint, die jetzige Konferenz könne nur als eine Vorstufe zu einem größeren und besser vorbereiteten Kongreß angesehen werden, der am besten in Ägypten stattfinden könnte. Auch das Mufti-Organ „El Dschamea el Arabia“ äußert sich deprimiert über die Aussichten des Kongresses und schließt seine Betrachtung mit der Bemerkung, wenn der Kongreß gelingen sollte, könnte er eine Zusammenarbeit der islamischen Völker ermöglichen. J e r u s a 1 e m , 14. Dezember. (JTA.) Die Konferenz der arabischen Opposition Palästinas, die im Hotel König David unter dem Vorsitz des Bürgermeisters von Jerusalem, Ragab Naschaschibi, getagt hat und der neben mehreren hundert Notabein aus .ganz Palästina auch die Bürgermeister von Jaffa, Haifa, Gaza, Ramleh und Nablus beiwohnten, beschloß, mit den moslemischen Körperschaften der ganzen Welt in Verbindung zu treten und die Einberufung eines allgemeinen Moslem-Kongresses, der auf dem Territorium eines moslemischen Königreiches stattfinden soll, durchzusetzen. Die Konferenz beschloß auch, die gegenwärtig stattfindende Moslem-Konferenz, die eine Parteiangelegenheit des Mufti ist, nicht anzuerkennen. Omar Saleh erklärte: „Wir sind nicht Opposition, sondern die Nation.“ Die von der Konferenz gefaßten Resolutionen begannen demgemäß auch mit den Worten: „Der Kongreß der Moslem-Nation Palästinas-beschließt...“ Weizmann-Äbend in London Am 7. Dezember abends fand im Grosvenor House, Park Laue, zu London ein von der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation veranstaltetes großes Bankett zu Ehren von Dr. Chaim Weizmann ■stall. Es war flies die glänzendste Veranstaltung, die die englische Judenheit seit einer langen Reihe von Jahren gegeben hat. Prominente englische Staatsmänner aller Parteien und Führer der Judenheil in der ganzen Welt vereinigten sich zu einer Huldigung für den früheren Präsidenten der Jewish Agency. Etwa 700 Persönlichkeiten nahmen an dem Diner leih Den Vorsitz führte Lord Reading. Dieser sprach zunächst Worte der persönlichen Bewunderung für Dr. Weizmanns Charakter und seine staalsmännische Leistung. Sodann schilderte er ausführlich Weizmanns Lebensgang, seine Verbindung mit dem Zionismus und sein öffentliches Wirken seit dem Jahre 1017. Hierbei spielte der Redner auch auf die Kritik an, die Weizmann erdulden mußte, wie jeder im politischen Lehen stehende Mann. Niemand dürfe aber vergessen, daß Weizmann unüberwindlich scheinende Hindernisse überwunden hat, weil er nie schwankte und nie den Mul und den glühenden Glauben an seine Sache verlor. Unter Hinweis auf die jüdische Bevölkerung Palästinas sagte Lord Reading, indem er hervorhob, dies sei „die einzige politische Anspielung, die er an diesem Abend machen wolle“: diese Menschen haben Anspruch auf Sicherheit unter der Ägide der britischen Regierung. Die Balfour-Deklaration werde immer ein Beweis der Gerechtigkeitsliebe des englischen Volkes sein, wenn auch in der Praxis die Wege einer Mandatarmacht nicht immer glatt sind. Als zweiter Redner sprach der frühere Minister der Kolonien und konservative Führer L. S. Amery. Er sagte u. a.: Wir huldigen heute einem hervorragenden Manne, Gelehrten, Staatsmann, Diplomaten, einem Manne, mit dem sich wenige vergleichen können, der seine hohen Gaben in den Dienst eines rein idealen Zieles gestellt hat. Wenn es je eine idealistische Bewegung gegeben hat, so war es der Traum, den in der ganzen Welt verstreut lebenden Juden ein Kulturzentrum, ein eigenes Nationales Heim in dem Lande ihrer Väter zu schaffen. In einer kritischen Zeit der englischen Geschichte hat sich Großbritannien verpflichtet, das Jüdische Nationalheim zu fördern. Palästina ist durch seine Lage der strategische, wirlschaftspolitische und geistige Schlüsselpunkt, aber es kann diese seine Funktion nur dann erfüllen, wenn seine verborgenen Möglichkeiten auf allen diesen Gebieten entwickelt werden. In dieser Aufgabe sind die Juden unsere einzigen möglichen Verbündeten, denn sie sind ein großes Volk, das bereit ist, sein Geld, seine Intelligenz und seine Seele hierfür einzusetzen. Übergehend auf die Gegensätze zwischen Juden und Arabern in Palästina, sagte der Redner, es sei für den Erfolg Großbritanniens in Palästina unerläßlich, daß — ungeachtet unseres unerschütterlichen Treueverhällnisses zu den Juden — wir mit Geduld und Ausdauer das Wohlergehen der arabischen Bevölkerung fördern und sie für den Gedanken eines gemeinsamen palästinensischen Patriotismus gewinnen, an welchem Juden und Araber mit gleichem Stolz und gleichen Vorteilen Anteil haben. In dieser Aufgabe erwarten wir auch Milte von den Juden. Der Minister für die Dominions, J. H. Thomas, führte, seine Worte direkt an Weizmann richtend, u. a. aus: Klar und entschieden sagten Sie: Ich bin Jude, ich bin Zionist, aber nicht das allein: ich will dafür kämpfen, daß mein Volk eine Heimat hat. Ein Mann, der so viel von seinem Leben, seiner Kraft und seiner Liebe für diese Sache hergibt, ist wert, von uns geehrt zu werden. Als ich noch Kolonienminisler war, fragte man mich einmal, ob ich pro-jüdisch oder proarabisch sei. Ich antwortete: Ich bin pro-palästinensisch. Denn ich glaube, die Errichtung eines jüdischen Heims in Palästina bedeutet nicht eine Benachteiligung der Araber. Ich glaube, daß der Genius Ihres Volks, seine Liebe und Hingabe für eine Sache, nicht die arabische Sache zu schädigen braucht und auch nicht wird. Ich glaube, daß Ihr Ideal nicht Feindseligkeit ist, sondern Zusammenarbeit. Sokolows Trinkspruch. Nahum Sokolow brachte den Toast auf den Vorsitzenden des Abends, Lord Reading, aus. Namens der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency gedachte der Redner zunächst der engen Verbundenheit dieser zwei Körperschaften mit England und dankt dann Lord Reading, Amery, Thomas, Elliot und den anderen Anwesenden für ihr Erscheinen. Die Freundschaft solcher Männer ist für uns eine Stärkung in der Erfüllung unserer Pflichten und unserer Opfer, übergehend auf die Persönlichkeit des Vorsitzenden sagt Sokolow: Wir Juden bewundern unsere genialen Männer, sie sind in schweren Zeiten unser Trost. Es sei ein besonderer Vorzug, in England, diesem klassischen Land der großen Politik, als Staatsmann sich durchzuselzen. England