Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 51 (18.12.1931)
- Date
- 1931-12-18
- Page
- Seite 684 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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684 Das Jüdische Echo Nr. M in keiner Weise gebunden fühlen und die Empfindung zu haben, durch den Central-Verein nicht vertreten zu sein. Die Folge dessen ist, daß diese Richtungen die Berechtigung haben, nötigenfalls isolierte Aktionen zu unternehmen. Welche Schäden daraus mitunter entstehen können, braucht nicht ausführlich dargelegt zu werden. Andererseits geht es ohne weiteres klar hervor, daß der Central- Verein auf Grund seiner Einstellung auf eine Fülle von Anregungen, Faktoren, Beziehungen und nach jeder Richtung hin wertvollen Kräften verzichten muß, die gerade jetzt zusammengefaßt und in den Dienst der Allgemeinheit gestellt werden sollten. Aus all dem resultiert zwangsläufig, daß es die Pflicht der zentralen Organisation der deutschen Juden, in diesem Falle der Arbeit s g e m e i n - s c h a fl der j ü dis c h e n L a n d e s v e r b ä n d c wäre, die Führung all dieser Aktionen zu übernehmen. Führung und Ausführung sind zweierlei, ln welcher Form dann die einzelnen gebotenen Arbeiten zu erledigen und von wem sie zu erledigen wären, sollte das Ergebnis einer Übereinkunft eines alle Richtungen und großen Organisationen umfassenden Komitees sein, das der Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände unterstellt ist. Wir denken dabei keineswegs an ein Gremium, das zahlenmäßig groß ist. Fünf Personen genügen hinreichend, um alle bedeutenden Richtungen im deutschen Judentum zu repräsentieren. Dadurch würde bei allen Juden in Deutschland das Gefühl erzeugt werden, daß ihre Interessen überparteilich wahrgenommen sind. Wir genießen jetzt eine Atempause. Sie würde die beste Verwendung finden, wenn man die in den letzten Monaten begangenen Fehler korrigieren und den energischen Versuch machen würde, wenigstens in den Monaten der erhöhten Gefährdung der jüdischen Gemeinschaft eine geschlossene Einigkeit herzustellen. l.s. Der Moslemkongreß in Jerusalem Jerusalem, 7. Dezember. Am Sonntag, den 6. Dezember, abends wurde der vom Groß-Mufti von Jerusalem Al Haj Amin el Husseini einberufene Weltkongreß der Moslems eröffnet. An dem vom Jerusalemer Mufti einberufenen Moslem-Kongreß nehmen insgesamt 150 Moslems, und zwar 80 aus Palästina und Transjordanien und 70 aus anderen Ländern teil. Der Kongreß wählte den .Großmufti Haj Amin el Husseini zum Präsidenten und je einen Vertreter aus Yemen, Persien, Ägypten und Sirqbal (Indien) zu Vizepräsidenten. Es wurden Kommissionen für Heilige Stätten, für Kultur und für Propaganda eingesetzt. Wie es heißt, arbeitet der Großmufti darauf hin, Jerusalem zu einem permanenten Islam-Zentrum zu machen und den Islam-Kongreß alle vier Jahre hier zusammentreten zu lassen. Die zentrale Figur des Kongresses ist Schaukat Ali, einer der Führer der indischen Moslems, der zwei Tage vor Kongreßeröffnung in Begleitung seines Sohnes und des Scheichs Taftazni aus Kairo in Jerusalem eingetroffen und vom Mufti auf dem Bahnhof empfangen worden war. In seiner Eröffnungsrede erklärte er u. a.: Die Balfour-Deklaration existiert für uns nicht. Wir haben sie nie anerkannt und werden sie nie anerkennen. Die jüdische Einwanderung in Palästina muß gestoppt werden, damit keine Arbeitslosigkeit herrscht. Sollte die jüdische Einwanderung entgegen unseren Forderungen andauern, so werden wir Mittel und Wege finden, eine moslemitische Einwanderung zu organisieren; wir werden sehen, wer dann gewinnen w7ird. Palästina ist den Moslems ebenso heilig wie Mekka, keine Macht der Welt kann uns Moslems daran hindern, dieser Frage unsere Aufmerksamkeit zu widmen. Schaukat Ali schloß: Ich widersetze mich keineswegs einer Verständigung zwischen Arabern und Juden. Wenn ich auch gegen ein Jüdisches Nationalheim bin, habe ich doch nichts dagegen, daß man sich mit den Zionisten, die bereits in Palästina sind, in der Weise verständigt, daß sie in Palästina verbleiben, aber ihre Forderung nach Sonderrechten und Privilegien aufgeben. Antijüdische Hetze Jerusalem, 8. Dezember. In der zweiten Sitzung des Islam-Kongresses ließ der Großmufti von Jerusalem unter die Delegierten und Gäste zwei Photographien zirkulieren, die die Aufschrift trugen: „Die Engländer bewaffnen die Juden in Palästina und unterweisen sie in dem Umgang mit Feuerwaffen.“ Die eine Photographie ist echt und zeigt eine Übung der Arbeiter in den Athlit-Steinbrüchen ohne Waffen, die andere Photographie, die angeblich bewaffnete Juden zeigt, ist zweifellos eine Fälschung. Es verlautet, daß die Exekutive der Jewish Agency bei der Palästina-Regierung gegen diese von dem Mufti betriebene antiiüdische Hetze energische Vorstellungen erhob und auf die Gefahren hinwies, die den Juden in Palästina und in den anderen arabisch-moslemitischen Ländern aus einer solchen Hetze drohen. Jerusalem, 10. Dezember. (JTA.) Der in 'erusalem tagende Islam-Kongreß hat die Errichtung einer Moslem-Universität in Jerusalem beschlossen. Ein Sonderkomitee wurde eingesetzt, das Plan und Programm der Universität ausarbeiten soll. Es wurde weiter beschlossen, in allen moslemischen Ländern Vereinigungen moslemischer junger Männer nach dem Muster der YMCA (Young Men’s Christian Association), YMMA (Young Men’s Moslem Association) zu gründen. Nach einer einen ganzen Tag lang andauernden Debatte wurde beschlossen, die Rückgabe der für die Mekka-Pilger erbauten Hedschas-Eisenbahn an die Moslems zu verlangen. Sollte die Rückgabe nicht binnen sechs Monaten erfolgen, so solle an den Völkerbund appelliert werden. Bleibt dieser Appell erfolglos, so wird die Welt der Moslems aufgefordert werden, alle englischen und französischen Waren, sowie Waren aus den anderen europäischen Ländern zu boykottieren. Auf dem Kongreß bereiten sich Spaltungen vor. Aus Kreisen der dem Mufti nahestehenden Kongreß-Teilnehmer wird zugegeben, daß der Mufti nicht mehr die Unterstützung der ägyptischen und indischen Delegierten hat und daß vor allem Schaukat Ali mit ihm gebrochen hat. Es erregte Aufsehen, daß Schaukat Ali zwar zum Vorsitzenden des Organisations- und Rechtskomitees gewählt wurde, aber ihm sonst keine besondere Ehrenstellung im Kongreß eingeräumt wurde. Der bekannte moslemische Dichter-Philosoph Sir Iqbal Shar aus Punjab in Indien, der als Delegierter am Kongreß teilnimmt, bekämpfte sehr scharf die Idee der Errichtung einer Moslem-Universität in Jerusalem; der Plan sei verfrüht, auch sei Jerusalem nicht der geeignete Platz. Nach einer Ansprache über die Heiligkeit des Buraq (Klagemauer, so benannt nach Mohameds Schimmel, der hier angebunden worden sein soll), leisteten die Delegierten den Schwur, alle Heiligen Stätten des Moslem mit ihrer ganzen Kraft zu verteidigen.