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Das jüdische Echo · 1931-12-11 · 50 (11.12.1931) · p. Seite 675

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
50 (11.12.1931)
Date
1931-12-11
Page
Seite 675 (sequence 7)
Language
German
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Nr bO Das Jüdische Echo 675 Colonel Wedgwood gegebene Antwort, die lautete: Im Hinblick auf die rassischen und politischen Verhältnisse in Palästina und die Schwierigkeiten, die die Administration infolge dieser Verhältnisse zu überwinden hat, ist der frühere Kolonienminister Lord Passfield nach sorgfältigster Prüfung der Gründe, die in keiner Weise die Persönlichkeit und den Charakter des Herrn Bentwich betrafen, zu dem Entschluß gekommen, daß diese Schwierigkeiten durch das Verbleiben des Herrn Bentwich auf dem Posten des Oberstaatsanwaltes nicht gemindert werden würden. Lord Passfield habe Herrn Bentwich zweimal hohe richterliche Ämter im Kolonialdienst angeboten. Herr Bentwich erklärte aber, er würde einen Posten außerhalb Palästinas nicht annehmen. So blieb nichts anderes übrig, als ihn mit Datum vom 1. November 1931 in Pension gehen zu lassen. Die Entlarvung der Putschpläne in Ungarn Budapest, 30. November. (JTA.) Die Aufdeckung der Pläne eines unmittelbar bevorstehenden Rechtsputsches in Ungarn und die Verhaftung der Führer der Putschbewegung zeigten erst, in welcher Gefahr insbesondere das ungarische Judentum geschwebt hat. An der Spitze der Bewegung standen Ladislaus Vannay und Franz Molnar, die seinerzeit den demokratischen Führer und ehemaligen Justizminister Wilhelm Vazsonyi, einen Führer der ungarischen Juden, überfielen und durch Stockschläge schwer verletzten. Vazsonyi ist kurz darauf an den Folgen der Verletzungen und der ausgestandenen Aufregung gestorben. Vannay und Molnar erhielten nur geringe Gefängnisstrafe^ die Vannay überhaupt nicht abzusitzen brauchte, da er für geistesgestört erklärt wurde. Dies hinderte nicht, daß er in das Heer aufgenommen wurde und Wirtschaftsoffizier werden konnte. Molnar wurde später Straßenbau-Kommissar. Die ungarische Polizei stellte fest, daß einige Führer der ungarischen Putschisten eine Verbindung mit deutschen Nationalsozialisten unterhielten. Das „Boxheimer Dokument“ scheint den ungarischen Putschisten als Muster bei der geplanten Errichtung eines rechtsradikalen Regimes vorgeschwebt zu haben. Es war geplant, sämtliche Lebensmittel zu beschlagnahmen und Nahrungsmittel nur auf Karten auszufolgen, sowie eine allgemeine Arbeitsdienstpflicht einzuführen. Juden aber sollten von der Arbeitspflicht und dem Bezug von Lebensmitteln ausgeschlossen bleiben, somit ausgehungert werden. Die Putschisten waren im Besitz einer Liste von Personen und Firmen, bei denen man Bargeld vermutete, es war geplant, sich des Bargeldes zu bemächtigen und jeden, der etwa Widerstand leistet, zu erschießen. Die Liste enthielt sehr viele jüdische Namen. Einer der Verschwörer hatte die Aufgabe erhalten, die Große Synagoge in der Dohany-utca in die Luft zu sprengen. Vannay sollte Kriegsminister werden, Molnar war für einen anderen Ministerposten ausersehen. Nach Ergreifung der Macht sollte eine Militärdiktatur errichtet werden. Die Polizei erhielt durch Verrat Kenntnis von den Absichten und nahm zahlreiche Verhaftungen vor. Unter den Verhafteten befinden sich außer Vannay und Molnar noch zahlreiche berüchtigte Terroristen aus der blutigen Anfangszeit des weißen Schreckens. Die Budapester Zeitungen teilen mit, daß die eigentlichen Parteiführer der zusammengebrochenen Putschpartei außer den Vaszonyi-Mördern Vannay und Molnar noch der berüchtigte Judenmörder Franczia-Kiss, der Führer der sogenannten „Sensen-Partei“, und der Führer der „Blauhemden“ Ladislaus Budavary, der als Abgeordneter in der ersten Nationalversammlung einer der ungestümsten antisemitischen Radaumacher gewesen ist, waren. Die behördlichen Organe fanden genaue Planskizzen jener privaten Gebäude, Banken und öffentlichen Anstalten, in denen Geld zu finden wäre. Den Aussagen der Verhafteten zufolge hätte man beabsichtigt, Hunderte jüdischer Kaufleute nach der Generalwiese zu schaffen, sie dort vor die Maschinengewehre zu stellen und die Angehörigen aufzufordern, binnen 24 Stunden das geforderte Lösegeld zu erlegen, da sonst die Maschinengewehre losgehen würden. Einschneidende Wirkungen des antijüdischen Boykotts in Polen Warschau, 3. Dezember. (JTA.) Die Wirkungen der wohlorganisierten antijüdischen Boykotthetze in Polen haben sich für die jüdische Kaufmannschaft als sehr einschneidend erwiesen. Die jüdischen Inhaber von Geschäftsläden in von Christen bewohnten Gegenden klagen über außerordentlich schlechten Geschäftsgang. Trotz des herannahenden Weihnachtsfestes bleiben alle Geschäfte leer. Agitatoren mit grünen Schleifen beobachten die jüdischen Läden, so daß christliche Käufer nicht wagen, solche Läden zu betreten. Nachrichten gleichen Inhalts treffen aus den Provinzstädten ein. Aus Wilna wird gemeldet, daß viele jüdische Geschäftsinhaber infolge des Boykotts ihre Geschäfte liquidieren müssen. Schwerer Raubüberfall auf der Straße Jerusalem- Jericho Jerusalem, 30. November. (JTA.) Auf der von Jerusalem nach Jericho führenden Straße wurde eine Ausflugsgesellschaft, die sich aus mehreren prominentem Ausländern, hauptsächlich Engländern, und Angehörigen der Jerusalemer christlichen Gesellschaft zusammensetzte, von einer arabischen Räuberbande überfallen und ausgeraubt. Die aus etwa 30 Personen bestehende Gesellschaft, in der sich der Direktor des Jerusalemer Hospitals für Augenkrankheiten Dr. Strathearn, die Direktorin des Jerusalemer Mädchen- Colleges Miß Coates und die Tochter des anglikanischen Bischofs von Jerusalem befanden, reiste in zwölf Autos, als plötzlich die Chauffeure von bewaffneten Banditen zum Halten gezwungen wurden. Die Räuber nahmen dem Ausfliiglern alles Geld und alle Wertsachen ab und zogen den mitreisenden Frauen sogar die Ringe von den Fingern ab. Einige Chauffeure und männliche Mitglieder Reisegesellschaft, die Wiederstand zu leisten versuchten, wurden schwer verprügelt. Die Leitung der palästinensischen Polizei hat eine große Aktion zur Verfolgung der Räuberbande eingeleitet. Die Palästinaregierung fordert vom Mufti Zusicherungen hinsichtlich der auf dem Moslem- Kongreß zu behandelnden Themen Jerusalem, 1. Dezember. (JTA.) Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat die Palästinaregierung den Großmufti von Jerusalem ersucht, die Zusicherung zu geben, daß der in diesen Tagen in Jerusalem zusammentretende Moslem-Kongreß sich nicht mit Fragen befassen wird, die Regierungen betreffen, mit denen England vertragliche Beziehungen unterhält. Der Großmufti teilt darauf der Regierung die folgenden fünf Programmpunkte des Moslem-Kongres-

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