Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 50 (11.12.1931)
- Date
- 1931-12-11
- Page
- Seite 672 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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672 Das Jüdische Echo Nr. 50 Petaeh Tikwa, Rischon Lezion, Sichron Jakob, Pina, Gedera und Gliedern sind die ersten Stationen jener Chowewe-Zion, die nach Erez Israel gekommen waren, um das Ideal des jüdischen Volkes für sieh persönlich zu verwirklichen. Und wenn auch ein großer Teil der Chowewe-Zion seine Bestrebungen nicht verwirklichen konnte, so blieb doch in der Seele dieser Menschen das Gefühl wach, daß der einzig richtige Weg die S e 1 b s t b e f r e i u n g sei, die Hand in Hand mit der Befreiung des ganzen Volkes gehen müsse. Das gleiche gilt auch für die KKL-Milarbeiter. Der überwiegende Teil unserer Mitarbeiter, namentlich jene aus den Kreisen der Jugend, denken bei ihrer Arbeit nicht lediglich an die Erlösung des Bodens für andere. Jede Jugendgruppe rechnet mit der Erwerbung von Boden für ihre Mitglieder, die sich in Erez Israel niederlassen wollen. Jeder hofft, selbst durch den Boden erlöst zu werden. In diesem gesunden Gefühl der Verbundenheit des einzelnen mit der Allgemeinheit, des Erlösers mit dem Erlösten liegt die beste Gewähr für den Erfolg der KKL-Idee. Es gibt noch ein der Chibath-Zion-Bewegung und der KKL-Arbeit gemeinsames Charakteristikum. Von den großen Ideen, die durch die Zionistische Organisation verkündet und verbreitet wurden, sind viele schon in den Plänen der Chowewe-Zion zu finden, von denen viele der Bewegung große Opfer gebracht haben, ohne daß die Geschichte des jüdischen Jischuw in Erez Israel und die zionistische Bewegung ihrer Erwähnung tun. Die Chowewe-Zion waren bescheidene Mitarbeiter, denen die Arbeit für das Ideal Befriedigung bot. Das gleiche finden wir auch bei den KKL-Mifarbeitern in allen Ländern: stille, bescheidene Arbeit und Befriedigung im Bewußtsein, daß sie ihre Pflicht gegenüber dem Volke und der Heimat erfüllen. Der KKL, der die Grundlagen für den Palästina-Aufbau schafft, ist — besonders nach dem Kriege — in den Schatten gedrückt worden, und die breite jüdische Öffentlichkeit hat ihm nicht genügende Anerkennung gezollt. Die bescheidene Arbeit des KKL und seiner Mitarbeiter erinnert daher ebenfalls an die ersten Tage der Chibath-Zion-Bewegung. Ich habe versucht, in allgemeinen Zügen die charakteristischen Momente zu schildern, die beide Jubiläen zu einem Feste m a - eben. Möge das jüdische Volk und mögen die Zionisten der ganzen Well wissen, daß wir zur Überwindung der Schwierigkeiten, die man uns von allen Seiten in den Weg legt, benötigen: Glauben, Ausdauer, gewaltige Opf e r und vor allem Boden unter den F ii ß e n. Wenn wir den Boden besitzen, dann gehört das Land uns. Möge d a s j ü d i s c h e Volk Erez Israel erlösen, damit Erez Israel das jüdische Volk erlöse. Palästinabrief Generalautostreik in Palästina Die Einstellung jeglichen Straßentransportes seitens der vereinigten arabischen und jüdischen Autobusführer und sonstigen Chauffeure, die neun Tage andauerte, war etwas Außergewöhnliches für Palästina. Die vereinigten arabischen und jüdischen Chauffeure behänden infolge der unbefriedigenden Antwort der Regierung auf ihren Forderungen, alle öffentlichen und privaten Fahrzeuge vom 3. November ab aus dem Verkehr zu ziehen und so die wesentlichsten Verbindungen im Lande abzuschneiden. Am 7. August halte man schon einmal 24 Stunden lang gestreikt. Nach dieser Demonstration ernannte die Regierung eine Untersuchungskommission, deren Vorsitzender der Landkommissar Herr A. Abramson war, und die sich über die Lage im Aulogewerbe informieren und Vorschläge machen sollte. Die Regierung sah sich aber nach diesen Untersuchungen nicht in der Lage, dem Hauptvorschlag — Abschaffung der Autolizenzen — zu entsprechen. Die Vertreter der Chauffeure hielten mehrere Versammlungen al) und kamen zu dem Schluß, daß sie keinen anderen Weg als den des Streiks halten. Infolgedessen wurde von Mitternacht des 2. November ab der allgemeine Autoslreik verkündet. Der Streik bat die Wirtschaft und den Handel des Landes ernstlich berührt, da die vorhandenen Transportmöglichkeiten nicht ausreichten; Kamele und Esel mußten für den Warentransporl benutzt werden — eine zwar malerische aber ungeeignete Methode. Überdies komplizierte sich die Lage noch dadurch, daß gerade der Orangenlransporl begann und die Verschiffungen mit den nach Europa abgehenden Dampfern verzögert wurden. Die Orangenindustrie und das ganze Land standen schweren Verlusten gegenüber. Versuche der jüdischen und arabischen Handelskammern, den Streik zu beendigen, hallen keinen Erfolg. Sie unternahmen es, im Namen der Chauffeure mit der Regierung zu verhandeln und eine Besserung der verzweifelten Lage herbeizuführen, und die Regierung schob die Eintreibung der Lizenzen für einen weiteren Monat auf. Mit diesem Abkommen in Händen brach dann die Vereinigung der Chaufeure den Streik am 11. November ab — zur großen Erleichterung aller "keile der palästinensischen Bevölkerung. Leute, die in entfernten Vorstädten oder in dörflichen Bezirken leben, waren froh, ihre täglichen weiten Fußwanderungen auf geben zu können. Es besieht freilich noch die Möglichkeit, daß der Streik nach dem 1. Dezember wieder auflebt, wenn nicht in der Zwischenzeit eine Form der Regelung zwischen der Regierung und den Chauffeuren gefunden wird. Die gemeinsame Aktion der jüdischen und arabischen Chauffeure hat sich als so wirksam erwiesen, daß sie zu einer ständigen Vereinigung führen kann. Die hebräischen Schulen Nach langwierigen Verhandlungen zwischen der Jewish Agency und der jüdischen Lehrerorganisation in Palästina, während der fast 30 000 jüdische Schulkinder nach Schluß der Sommerferien nicht wieder zur Schule gehen konnten, wurden die Schwierigkeiten des palästinensischen Erziehungswerkes dadurch überwunden, daß der Waad Leumi und andere jüdische Körperschaften, vor allem anderen die Tel- Awiwer Stadtverwaltung, sich zu einer Beihilfe für das Budget verpflichteten. Infolgedessen konnten die Schulen einige Tage nach dem angesetzlen Termin eröffnet werden. Auf dem letzten Zionistenkongreß in Basel im Juni/Juli d. J. wurde das Erziehungsbudget für das hebräische Schulwerk auf 57 000 Dollar festgesetzt. Aber die kritische Finanzlage der Jewish Agency zwang die Exekutive in Jerusalem, dieses Budget um 20 000 Dollar zu kürzen. Das bedeutete Opfer in der Bezahlung der Lehrer und führte auch zu Entlassungen, wenngleich die Exekutive der Ansicht ist, daß sich das Schulsystem trotzdem intakt erhalten läßt. Es muß erwähnt werden, daß der Jischuw selbst sieb energisch für die Aufrechlerhaltung des Schulwerkes einselzte und daß sich das Sprichwort bewährte: „Vorbeugen ist besser als Heilen.“