Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 50 (11.12.1931)
- Date
- 1931-12-11
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Kummer 50 II. Dezember 1951 18. Jahrgang Zwei Jubiläen Von M. M. U s s i s c h k i n (Jerusalem) Zwei Jubiläen fallen in diesem Jahre zusammen: das fünfzigjährige Jubiläum des Beginnes der Renaissance-Bewegung im jüdischen Volke und der Bestrebungen zur Rückkehr und zum Aufbau seines historischen Landes — das Jubiläum der C h i b a t h Zion-Bewegung — und die dreißigjährige Wiederkehr des Tages, an dem auf dem 5. Zionistenkongreß das Instrument der Erlösung und Nationalisierung des Heimatbodens — der Keren K a j e - metli Lejisrael — geschaffen wurde. Gerade im gegenwärtigen Moment, wo sich schwere Wolken über uns und unserer Bewegung zusammenhallen und schon seit zwei Jahren mächtige Wogen unser Werk bedrohen, um alles, was wir in fünfzigjähriger Arbeit geschaffen, zu vernichten, wo sich die geistige und materielle Lage der Judenheit in fast allen Ländern von Tag zu Tag verschlechtert — gerade in diesem Moment ist es angezeigt, auf die ersten Anfänge unserer Arbeit zurückzublicken, um aus ihnen neue Kraft zur Überwindung der uns umgehenden Schwierigkeiten zu schöpfen und die Arbeit mit demselben Vertrauen und derselben Energie fortzusetzen, die die ersten Pioniere auszeichneten. Die alten Chowewe Zion und die Mitarbeiter des KKL weisen zahlreiche gemeinsame Gharakterziige auf. Hierzu gehört die Einstellung der ersten Chowewe-Zion und der Anhänger der Chibath-Zion- Bewegung zum Palästina-Aufbau und zur jüdischen Renaissance-Bewegung. Diese Einstellung war nicht etwa das Produkt einer neuen Ideologie oder theoretischer Erörterungen. Sie entsprang der Sehnsucht nach Erez Israel, die durch die Bibel, die Gebete in den Synagogen, die Feste und Fasttage im jüdischen Hause, die Erzählungen aus dem Talmud und die Seufzer und das Weinen des Großvaters zum „Tikun Chazoth“ genährt wurde. Diese Sehnsucht entstammte der tausendjährigen Geschichte des jüdischen Volkes. Pinsker und seine Freunde kleideten dieses Gefühl in eine moderne Form. Die Hauptsache war jedoch für die Chowewe-Zion der Glaube und die Tradition, in denen sie aufgewachsen waren, lebten und starben. Nur so erklärt es sich, daß auch die größten Erschütterungen, Schwierigkeiten und Verfolgungen von außen und Gleichgültigkeit und Widerstand von innen die Chowewe- Zion nicht einzuschüchiern vermochten. Ihr Glaube und ihr Opfermut hlieben unerschütterlich. Es ist daher auch kein bloßer Zufall, daß, als die um sich greifende Verzweiflung das Uganda-Projekt aufgriff, das später zur territorialistischen Bewegung führte, die alten Chowewe-Zion von ihrem propalästinischen Standpunkt nicht abzubringen waren und alles daran setzten, um diese zur jüdischen Geschichte in Widerspruch stehenden Strömungen nicht durchdringen zu lassen. Theorien, Anschauungen und Ideologien kommen und gehen. Was gestern noch populär war, ist morgen bedeutungslos; das u r s p r ü n g 1 i c h e n a - t i o n a. 1 e G e f ii h 1 aber hat Ewigkeitswert und wirkt daher für alle Zeiten. Die gleiche Ursprünglichkeit des Gefühles findet man auch hei den KKL-Milarbeitern. Dem KKL liegt ein starkes, einfaches und einem jeden Juden verständliches Ideal zugrunde: Erlösung des väterlichen Bodens und dessen Überführung in den Gemeinbesitz des jüdischen Volkes. Dieses natürliche Gefühl bedarf keiner Theorien und Erklärungen. Deshalb findet man in den Reihen der KKL-Mitarbeiter sowohl den alten frommen Juden, als auch den jungen Freidenker, die Frau, das Kind und die Schuljugend. Sie alle fühlen, wofür sie arbeiten: für die Erlösung des H e i m a l h o d e n s. Mögen sich auch die Formen unserer Siedlungstätigkeit ändern, mögen verschiedene Fonds entstehen und unlergehen — eines bleibt fest und unverändert: der KKL, der den nationalen Bodenbesitz Dunam um Dunam, Hektar um Hektar vergrößern wird, bis der letzte käufliche Dunam der Heimat in ihren historischen Grenzen in den Besitz des jüdischen Volkes gelangt ist. Sehr charakteristisch war ferner die Einstellung der alten Chowewe-Zion zur Natur und zur Landar b e i t. Wir finden hei ihnen nicht allein das Streben zur Rückkehr in die Heimat, sondern die Sehnsucht zur Rückkehr in den Schoß der Natur, wie in den Jugendtagen des jüdischen Volkes. Der Chowewe-Zion wußte, daß Binjan Haarez gleichbedeutend ist mit Boden, Bodenbearbeitung und Leben im Dorfe. Natürlich wandte man auch dem Häuserbau in den Städten, der Industrie und dein Handel Aufmerksamkeit zu. Sprach man doch noch auf der Konferenz der Chowewe-Zion in Kattowitz (1884) über die Notwendigkeit der Gründung einer Gesellschaft zur Entwicklung der Industrie in Erez Israel. Aber in der Tiefe seiner Seele strebte der Chowewe-Zion nach landwirtschaftlicher A n s i e d 1 u n g. Er fühlte instinktiv, daß der Aufbau Erez Israels von der Errichtung jüdischer Siedlungen und der Erwerbung von Boden für Siedler abhänge. Das gleiche Merkmal finden wir auch heim KKL- Mitarbeiter. Der KKL beruht im wesentlichen auf dem Streben zur Rückkehr des Volkes zur Landarbeit, Landwirtschaft und Natur. Die Aufgabe des KKL besteht in der Vorbereitung des Bodens für landwirtschaftliche Siedlungen. Der KKL bemühte sich natürlich während seiner dreißigjährigen Tätigkeit, auch Boden in und bei den Städten für städtische Viertel und öffentliche Gebäude zu erwerben. Die Seele des KKL-Mitarbeiters bleibt jedoch mit den landwirtschaftlichen Siedlungen im Emek und S c h a r o n verbunden, wo die Bestrebungen der Rückkehr zur Natur in einem gewissen Maße ihre Lösung gefunden haben. Ein weiterer charakteristischer Zug der Chowewe- Zion ist das Bestrehen, die palästinensische Frage nicht nur für das Volk, sondern in erster Linie f ii r sich s e 1 b s t zu lösen. Jeder Chowewe-Zion hatte das Streben, sich in Erez Israel niederzulassen. Diesen Bestrebungen haben wir die Entstehung zahlreicher Siedlungen, in Erez Israel zu verdanken: