Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 49 (4.12.1931)
- Date
- 1931-12-04
- Page
- Seite 663 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. Das Jüdische Echo 663 orge, Tochter von David Lloyd George, Marquis of Hartington, George Lansbury, — auch eine Anzahl jüdischer und nichtjüdischer Parlamentarier, die sich bisher an Palästina nicht interessiert gezeigt hatten — wohnten der Gründungsversammlung bei, in der das eigens hierzu eingeladene Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Dr. Selig Brodetsky, eine Ansprache über jüdische Wanderprobleme, über Pläne des Palästina-Aufbaus und die Lage in Palästina im allgemeinen, gehalten hat. Zum Vorsitzenden des parlamentarischen Palästina-Komitees wurde Colonel John Bucan, zum Vizevorsitzenden Josiah Wedgwood, zum Sekretär Barnett Jänner gewählt. Schaukat AH lädt Nahum Sokolow ein, die zionistische Sache auf der Moslemkonferenz zu vertreten Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, Nahum Sokolow, teilte der Jüdischen Telegraphen-Agentur auf ihre Anfrage folgendes über sein Gespräch mit Schaukat Ali mit: Im Verlauf meiner privaten Unterhaltung mit Schaukat Ali sagte mir dieser, ich möge mich nach Palästina begeben, um die zionistische Sache der Moslem-Konferenz darzulegen. Ich erwiderte, die Jewish Agency würde die Möglichkeit einer Round-Table-Konferenz jüdischer und arabischer Repräsentanten zur Errichtung einer freundschaftlichen Verständigung nur begrüßen; eine solche Konferenz müßte jedoch erst sorgfältig vorbereitet werden, und es müßten vorher Besprechungen zur Schaffung einer Plattform stattfinden. Das Erscheinen des Präsidenten der Jewish Agency vor der Islam-Konferenz würde schwerlich eine geeignete Vorbereitung zu einer Round-Table-Konferenz seim Organischer Boykott gegen die Juden in Polen Warschau, 24. November. (JTA.) Der Hauptrat der nationaldemokratischen Partei Polens hat nach zweitägiger Verhandlung die folgende Resolution gefaßt: Die Zahl der Juden in Polen und die durch die bedingte Bedrohung des zukünftigen wirtschaftlichen und geistigen Lebens gebieten es, daß sich die polnische nationale Politik mit aller Entschlossenheit gegen die jüdische Gefahr wendet. Die letzten Aktionen der akademischen Jugend haben erwiesen,, daß diese Jugend in ihrer Mehrheit von einem starken nationalen Geist beseelt ist. Die Hauptursache der Störung des normalen Laufs des Universitätslebens sieht der Hauptrat der nationaldemokratischen Partei in der gesteigerten Agressivität der Juden. Der Hauptrat der nationaldemokratischen Partei beschließt darum: 1. Ein starker Druck ist auf die Bevölkerung dahin auszuüben, daß sie den polnischen Handel und die rein polnische Industrie unterstützt, indem ausschließlich bei Christen gekauft wird und die Juden aus allen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens zurückgedrängt werden. 2. Gegen den schädlichen Einfluß der Juden auf das geistige und moralische Leben Polens, sowie gegen die jüdische Überflutung der freien Berufe ist ein scharfer Kampf zu führen. 3. Die Zahl der Juden an den Hoch- und Mittelschulen ist durch ein Numerus-clausus-Gesetz einzuschränken. 4. Die Hauptverwaltung der Partei wird angewiesen, die Aktion zur Stützung des polnischen Handels durch Judenboykott organisatorisch durchzuführen. Die rumänische Regierung will die Staatssubvention für die jüdischen Gemeinden ausbezahlen Bukarest, 24. November. (JTA.) Eine Abordnung des jüdischen Parlamentsklubs, bestehend aus den Abgeordneten Dr. Theodor Fischer, Dr. Singer und Dr. Reifer, sprach beim Generalsekretär für Kultus vor und verlangte die sofortige Ausbezahlung der dem jüdischen Kultus für das laufende Jahr gebührenden Subvention. Der Generaldirektor versprach, daß die Subvention, noch im Laufe dieses Monats zur Auszahlung gelangen werde. Die Delegation besuchte in der gleichen Angelegenheit dann auch das Finanzministerium. — Die Subvention für die jüdischen Gemeinden des Gesamtreiches beträgt 10 000 000 Lei, steht aber, gemessen an der Zahl der jüdischen Bevölkerung, in gar keinem Verhältnis zu den staatlichen Subventionen an die anderen Glaubensgemeinschaften in Rumänien. * Erneuter antisemitischer Terror an der Wiener Universität Wien, 29. November. (JTA.) Am Sonnabend mittag überfielen nationalsozialistische Studenten eine Gruppe jüdischer Studenten vor dem Universitätsgebäude und schlugen mit Gummiknüppeln und Stöcken auf sie ein. Zwei jüdische Studenten, ein Jurist und ein Mediziner, wurden schwer verletzt. Dem einen, wurde das Nasenbein eingeschlagen, der andere erlitt eine schwere Verletzung des Auges, beide mußten sofort ins Spital überführt werden. Ein zweiter Überfall ereignete sich in der Aula: Nationalsozialistische Braunhemden und Couleur-Studenten überfielen eine aus der Bibliothek kommende Gruppe jüdischer Studenten, wobei es zu einer schweren Prügelei kam und einige jüdische Studenten arg zugerichtet wurden. Die Schlägerei setzte sich auf der Ringstraße fort. Erst eine Viertelstunde nach Beginn der Prügelei erschien Polizei und trieb die Studenten auseinander. Die städtische und die ländliche Bevölkerung Palästinas Jerusalem, 29. November. (JTA.) Wie auf Grund der kürzlich durchgeführten Volkszählung bekannt wird, zählt Palästina eine Städtebevölkerung von 387 525 und eine ländliche Bevölkerung von 647 629 Seelen. Die Bevölkerung von Jerusalem hat sich von 62 678 im Jahre 1922 auf 90 526 im Jahre 1931 vermehrt, die Bevölkerung von Jaffa stieg von 47 709 (1922) auf 51 876 (1931). Die Bevölkerung von Haifa hat sich mehr als verdoppelt; 1922 zählte sie 24 634, heute 50 689 Seelen. 255 Synagogen in Jerusalem Jerusalem, 17. November. (JTA.) Laut einer von Herrn Spigel im Aufträge des Vereins jüdischer Hausbesitzer in Jerusalem unternommenen Zählung gibt es gegenwärtig in allen jüdischen Wohnvierteln von Jerusalem 3996 Häuser. Außerdem gibt es 255 Synagogen (unter ihnen eine Anzahl kleiner, 55 jüdisch-religiöse Schulen, 36 jüdische Bäder und 5 jüdische Hospitäler. Professor Franz Oppenheimers Bücherspende Jerusalem, 26. November. (JTA.) Professor Dr. Franz Oppenheimer aus Berlin, der augenblicklich in Palästina weilt, überwies der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem etwa 850 Bücher und über 1000 Broschüren.