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Das jüdische Echo · 1931-12-04 · 49 (4.12.1931) · p. Seite 662

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
49 (4.12.1931)
Date
1931-12-04
Page
Seite 662 (sequence 6)
Language
German
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662 Das Jüdische Echo Nr. 49 die Nationalsozialisten um sieh ziehen möchten, etwas unsanft zu zerreißen. Ob die deutsche Öffentlichkeit nun, wie die liberale Presse hofft, erkannt hat, welche Folgen eine nationalsozialistische Machtergreifung unbedingt im Gefolge haben muß, ist doch sehr zu bezweifeln; schon deshalb, weil große Massen sicherlich nicht einmal den Inhalt des Dokuments mit seiner Häufung von Erschießungsandrohungen und mehr als bolschewistischen und unsinnigen wirtschaftspolitischen Ankündigungen erfahren haben, aber auch weil ebenso sicher dieser Inhalt auf viele deutscheu Menschen, nicht einmal nur die Nationalsozialisten und ihre Mitläuferschaft, bei weitem nicht die abschrekkende Wirkung ausübt, die man in einem kultivierten Lande erwarten dürfte. Die Juden sind in dem Ukas des Herrn Assessors Dr. Best recht nebensächlich behandelt: sie brauchen nur nicht zu arbeiten und sollen deshalb nur verhungern. Das Rezept ist sehr probat; es würde sich, vorausgesetzt, daß die anderen Punkte des assessoralen Programms verwirklicht werden können, ohne große Widerstände und ohne Lärm durchführen lassen — wenn nicht wir Juden selbst die richtige Methode finden Lärm zu schlagen. Vorläufig ist es noch nicht so weit. Ob es bis dahin kommen wird, hängt ab von der Widerstandskraft, die jetzt die deutschen Republikaner aufbringen. Eine gewaltsame Machtergreifung der Nationalsozialisten kann sich nämlich auch in anderen Umständen vollziehen, als sie selbst sie sich einbilden. Wenn sie aber in legaler Form in die Regierung einriieken, wie es nach wie vor nicht unwahrscheinlich ist, wird die Übernahme der Herrschaft gewiß nicht viel anders aussehen, wie der Amtsantritt einer anderen Regierung auch. Damit ist freilich noch gar nichts gesagt über das, was dann folgen könnte. Denn ohne Gewalt wird man sie wohl kaum mehr aus einer Regierung herausbringen und in welcher Weise sie herrschen werden, wenn sie die Macht in der Hand haben, läßt sich daran ermessen, wie es augenblicklich ist, wo Hitler zwar nicht regiert, in Wirklichkeit aber die Situation beherrscht. I. E. Stefan Zweig, dem Fünfzigjährigen In diesen Tagen ist der jüdische Dichter Stefan Zweig fünfzig Jahre alt geworden, oder besser: fünfzig Jahre jung geblieben; denn wer diesen liebenswürdigen, lebendigen Menschen kennt, wem es vergönnt war, einige Stunden mit ihm zu verplaudern, wer es weiß, wie sehr er Anteil nimmt an den Wegen der Jugend und ihrem Recht, dem wird es nur schwer bewußt werden, daß Stefan Zweig ein Fünfzigjähriger ist. Wir sagten der jüdische Dichter, obwrohl er unserer Bewegung fern steht, und obwohl er zur Frage des Judentums erörternd das Wort noch nicht ergriffen hat. Aber das ist auch nicht des Dichters Amt. Daß Stefan Zweig ein jüdischer Dichter ist, sagt uns seine Novelle „Untergang eines Herzens“, seine Legende „Rahel rechtet mit Gott“, seine kleine Geschichte vom „Buchmendel“, in großen Teilen sein Drama „Jeremias“ und vielleicht auch sein großer Aufsatz über Sigmund Freud. Hier nämlich weiß einer jüdisches Schicksal und jüdischen Menschen zu schildern, er läßt sie aufleben in dem Zauber einer erstaunlichen Sprachkunst und erhält sie unvergeßlich unsern Herzen. Sicher ist es kein Zufall, daß die genannten Arbeiten, bis auf den „Jeremias“, erst nach dem Kriege entstanden sind, in der Salzburger Zeit, nach Jahren eines von Reisen und Ästhetizismus angefüllten Lebens. Erst nach dem Kriege wurde die Judenfrage mit dem Beginn des Palästinaaufbaus von neuem in der Realität verwurzelt und bemächtigte sich auch der fernstehendsten Geister. Sie machte nicht Halt vor Zweigs Salzburger Abgeschiedenheit, ergriff den Dichter und führte ihm die Hand. So hat sich Stefan Zweig auf seine Art zum Judentum bekannt. Wir wissen es ihm zu danken. -nn. Aus der Jüdischen Welt Wieder eine Synagogenschändung Berlin, 29. November. (JTA.) Im Anschluß an eine nationalsozialistische Versammlung wurde, wie der „C.-V.-Zeitung“ mitgeteilt wird, die Synagoge in Rimbach im Odenwald von bisher unbekannten Tätern mit Hakenkreuzen und Sprüchen wie „Juda verrecke“ beschmiert. Zwei nichtjüdische Beamte der Dresdener Israelitischen Religionsgemeinde veruntreuen 90 000 Mk. Berlin, 26. November. (JTA.) Nach Presse- Mitteilungen wurden bei einer auf Beschluß des Gesamtvorstandes der Dresdener Israelitischen Religionsgemeinde in die Wege geleiteten Generalrevision teilweise bis zum Jahre 1910 zurücklgende schwere Verfehlungen zweier langjähriger Beamter zutage gefördert. Die Untersuchungen haben dazu geführt, daß der Bürodirektor Floehmacher und der Kassierer Schubert sofort vom Dienste suspendiert und fristlos entlassen worden sind. Beide haben das Geständnis abgelegt, schon seit dem Jahre 1910 Unterschlagungen begangen zu haben, deren Gesamthöhe sie selbst auf 80 000 bis 90 000 Mark beziffern. Doch wird damit gerechnet, daß die veruntreuten Gelder einen wesentlich höheren Betrag erreichen, als von den Beschuldigten bisher zugegeben wurde. Die Angelegenheit wurde der Staatsanwaltschaft übergeben. Dr. Weizmann in Köln Köln, 25. November. (JTA.) Dr. Weizmann sprach in einer von der Kölner Zionistischen Vereinigung veranstalteten öffentlichen Versammlung, die von mehr als 1500 Menschen besucht war, und in einer vom Deutschen Komitee Pro-Palästina und dem Keren Hajessod gemeinsam arrangierten Matinee vor etwa 800 Personen. Außerdem hatte er eine Besprechung mit den vereinigten Jugendbünden, in der er in Beantwortung an ihn gerichteter Fragen besonders auf die Probleme einging, die heute die jüdische Jugend beschäftigen. Herr und Frau Alfred Tietz veranstalteten in ihrem Hause einen Empfang zu Ehren Dr. Weizmanns, an dem etwa 70 Damen und Herren teilnahmen. Dr. Weizmann beantwortete im Laufe dieser Nachmittag-Veranstaltung noch eine Reihe von Fragen, die aus der Mitte der Erschienenen an ihn gerichtet wurden. Ein neues parlamentarisches Palästina-Komitee in London gegründet London, 27. November. (JTA.) Im neugewählten britischen Parlament hat sich, ähnlich wie in früheren Parlamenten, ein Palästina-Komitee gebildet, das sich zum Ziele gesetzt hat, „über die Interessen des Jüdischen Nationalheims in Palästina zu wachen“. Viele prominente Mitglieder des Unterhauses und des Oberhauses, unter ihnen die Herzogin Atholl, Sir Austen Chamberlain, Winston Churchill, Frl. Megan Lloyd Ge-

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